Aktualisiert 11.06.2015 14:58

Kreisgericht Rheintal

Sechs Jahre Haft für Entführung der Töchter

Weil er seine Kinder für 600 Tage in den Libanon entführte ist ein Vater zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Eine Tochter hätte gar zwansgverheiratet werden sollen.

Der Angeklagte, Mitte, und sein Verteidiger Robert Baumann, links, betreten das Rathaus, aufgenommen am Mittwoch, 10. Juni 2015, in Rheineck.

Der Angeklagte, Mitte, und sein Verteidiger Robert Baumann, links, betreten das Rathaus, aufgenommen am Mittwoch, 10. Juni 2015, in Rheineck.

Das Kreisgericht Rheintal eröffnete das Urteil gegen den 48-Jährigen am Donnerstag. Es sprach den vierfachen Vater der mehrfachen qualifizierten Entführung schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte eine siebenjährige Freiheitsstrafe, der Angeklagte einen Freispruch gefordert.

Der gebürtige Libanese lebt seit 30 Jahren in der Schweiz. Der Bauarbeiter ist eingebürgert und wegen psychischer und körperlicher Probleme sozialhilfeabhängig.

Den beiden heute erwachsenen Töchter wurden Genugtuungen von 18'000 beziehungsweise 24'000 Franken zugesprochen, ihrer Mutter muss der Ex-Mann 15'000 Franken bezahlen. Die Schadenersatzforderung in Höhe von mehreren hunderttausend Franken wurden auf den Zivilweg verwiesen.

In Heimatdorf gelockt

Die beiden Teenager hätten ein 600-tägiges Martyrium erlebt, sagte der Opferanwalt. Die jungen Frauen seien traumatisiert und litten auch vier Jahre nach ihrer Rückführung unter Panikattacken. Der Gerichtsverhandlung vom Mittwoch folgten sie unter Tränen.

Der Familienvater hatte im September 2009 seine Schweizer Ehefrau mit den gemeinsamen Kindern im Alter von 11, 13, 16 und 17 Jahren unter dem Vorwand der Doppelheirat seiner Neffen in den Libanon gelockt.

In seinem Heimatort Baalbek nahm er Frau und Kindern die Pässe, Flugtickets und die Mobiltelefone ab und entschied, die Familie werde die nächsten zwei Jahre im Libanon bleiben. Drei Wochen später durfte die Mutter mit den beiden Söhnen aus dem Libanon ausreisen.

Vater drohte mit Zwangsheirat

Den 13- und 16-jährigen Töchtern verweigerte der Vater jedoch die Rückreise in die Schweiz. Erst im April 2011, 19 Monate nach der Entführung, gelang es den Behörden, die beiden Teenager zurück in die Schweiz zu bringen.

Der Angeklagte hatte laut Anklage bei einem Scharia-Gericht eine Ausreisesperre gegen seine Töchter verhängen lassen. Die beiden Mädchen seien in einem Dorf in einer von der Hisbollah beherrschten Region gefangen gewesen und hätten nicht gewusst, ob sie jemals wieder zurück in die Schweiz konnten.

Der Angeklagte habe seine ältere Tochter immer wieder geschlagen und ihr gedroht, sie zu töten oder in den Iran zu bringen. Der ältern drohte er mit einer Zwansgheirat. Die beiden Mädchen seien derart eingeschüchtert gewesen, dass sie gegenüber den libanesischen Behörden und der Schweizer Botschaft erklärten, sie seien freiwillig im Land.

(sda)

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