Sechs Jahre Zuchthaus für Thuner Demo-Schützen

Aktualisiert

Sechs Jahre Zuchthaus für Thuner Demo-Schützen

Der 27-jährige, ehemalige Rechtsradikale, muss wegen versuchter, vorsätzlicher Tötung für sechs Jahre ins Zuchthaus. Der Mann hat versucht, demonstrierende Globalisierungsgegner zu erschiessen.

Er hatte im Sommer 2005 am Bahnhof Thun dreimal auf einen jungen Linksaktivisten geschossen und diesen verletzt. Das Kreisgericht Thun folgte in seiner Urteilsbegründung am Mittwoch weitgehend den Überlegungen des Staatsanwalts, blieb beim Strafmass aber ein Jahr unter dem Antrag des Anklägers: Dieser hatte sieben Jahre Zuchthaus gefordert. Die Verteidigung hatte einen Freispruch verlangt. Der Angeklagte habe in Notwehr gehandelt.

Keine Notwehr

Das Gericht verneinte eine Notwehrsituation. Der Angeklagte habe zwar den jungen Globalisierungsgegner nicht erschiessen wollen, aber dessen Tod zumindest in Kauf genommen. Auch habe der Angeklagte vermutlich nicht von Anfang an die Konfrontation mit den Linken gesucht.

Das Adrenalin sei in der «einigermassen bedrohlichen Situation» zwar wohl etwas höher als normal gewesen. Letztlich habe der Angeklagte indes wohl einfach eine Gelegenheit ausnützen wollen, um im Zusammenhang mit seiner damaligen politischen Gesinnung «ein Zeichen zu setzen».

Bei der Darstellung des Sachverhalts stellte das Gericht namentlich auf die «ausgesprochen glaubwürdigen Aussagen» einer Kollegin des Täters zum Hergang der Tat ab. Das Aussageverhalten des Angeklagten überzeugte das Gericht indes weniger.

«Kein unbeschriebenes Blatt»

Strafverschärfend gewichtete das Gericht den Umstand, dass der Angeklagte «kein unbeschriebenes Blatt» sei. Allerdings müsse sich das Opfer auch ein gewisses Selbstverschulden an der Eskalation der Ereignisse vorwerfen lassen.

Zusätzlich zur versuchten, vorsätzlichen Tötung verurteilte das Gericht den mehrfach vorbestraften Mann wegen Verstössen gegen das Waffengesetz und sprach dem Opfer eine Genugtuungssumme von 4000 Franken zu.

Der Angeschuldigte hatte vor Gericht angegeben, der rechten Szene vor rund zwei Jahren abgeschworen zu haben. Seinen Gesinnungswandel begründete er mit der Geburt seiner Tochter.

Die Schüsse fielen am 9. Juli 2005 kurz vor Mitternacht. Damals hatten sich Globalisierungsgegner im Zusammenhang mit dem G-8- Gipfel in Schottland in einem dreitägigen Camp versammelt. Die militanten Linken wollten eine Handvoll «Nazis», neben anderen den Angeklagten, mit Steinen, Flaschen und einem Feuerwerkskörper aus dem Bahnhof Thun vertreiben.

Oberschenkeldurchschuss

Der Angeklagte hatte die Schüsse damit begründet, er habe sich von den heranstürmenden Linken bedroht gefühlt und keine Fluchtmöglichkeit mehr gesehen. Dies besonders deshalb, weil er im Vorfeld des Camps verschiedentlich anonyme Drohanrufe erhalten habe. Das Opfer erlitt einen Oberschenkeldurchschuss.

(sda)

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