Kreisgericht: Sechs Kilo Heroin und Kokain verkauft
Aktualisiert

KreisgerichtSechs Kilo Heroin und Kokain verkauft

M.D.* hat mehrere Monate lang als Heroindealer für eine serbische Gruppierung in St. Gallen gearbeitet. Er soll sogar Zellenchef gewesen sein und Strassendealer beliefert haben. Dafür drohen dem Serben nun vier Jahre Knast.

von
Marlene Kovacs
Die Polizei brachte den 28-jährigen Heroin-Dealer nach dem Prozess wieder ins Gefängnis.

Die Polizei brachte den 28-jährigen Heroin-Dealer nach dem Prozess wieder ins Gefängnis.

«Ich hatte 10 000 Euro Schulden wegen Sportwetten. Um diese zu bezahlen, bin ich von der serbischen Gruppe in die Schweiz geschickt worden», sagte der 28-Jährige M.D.* heute, Donnerstag vor dem St. Galler Kreisgericht. Ihm wird vorgeworfen, von Dezember 2008 bis Oktober 2009 unter einem Decknamen in der Region über 6 Kilogramm Heroin und auch Kokain verkauft zu haben.

240 000 Franken umgesetzt

Zuerst soll D. als sogenannter Läufer (Strassendealer) für die Gruppe gearbeitet haben. Ab August wurde er bei seinen Drogengeschäften von zwei Landsmännern unterstützt. «Ab dann war er als sogenannter Zellenchef tätig. Er hat die zwei Läufer mit den Abnehmern bekannt gemacht, ihnen die Umgebung und Treffpunkte gezeigt. Fast täglich hat er sie mit Heroin beliefert», so der Staatsanwalt. Bis zu 240 000 Franken sollen insgesamt umgesetzt worden sein.

Fluchtversuch misslungen

Nach intensiver Polizeiarbeit mit Videokamera und Telefonüberwachung konnten die zwei Läufer am 28. Oktober 2009 in ihrer Wohnung in Wittenbach festgenommen werden. Dort wurden noch 720 Gramm Heroin und 70 Gramm Kokain gefunden. Weil der Angeklagte von der Festnahme Wind bekam, versuchte er nach Serbien zu flüchten. In einem Zug nach Wien wurde er aber geschnappt. Seither sitzt D. in U-Haft.

Ein unbeschriebenes Blatt ist der Serbe nicht. Schon mehrmals sass er kurzeitig wegen Drogengeschäften- und konsum auch in der Schweiz hinter Gitter. «Beeindruckt haben ihn die Gefängnisstrafen aber nicht. Deshalb kam er dann wieder», so der Staatsanwalt. Er fordert für den 28-Jährigen vier Jahre Haft.

Angeklagte ist geständig

Der Angeklagte selbst zeigte sich vor Gericht geständig. «Es tut mir leid. Ich bin schuld und muss meine Strafe absitzen», so der Serbe. Er sei von der Gruppe unter Druck gesetzt worden sein. Er bestritt aber Chef der zwei Läufer gewesen zu sein. «Wir haben alle das gleiche getan. Ich hatte keine höhere Funktion», so der Mann. Insgesamt habe er selbst drei Kilogramm Heroin verkauft und er habe das Geschäft erst im März 2009 und nicht früher begonnen. Zudem soll er auch schwer süchtig gewesen sein. «Er hat eingesehen, dass er einen Fehler gemacht hat», so seine Verteidigerin. Sie fordert eine Zusatzstrafe von zwei Jahren. Das Urteil steht noch aus.

* Name der Redaktion bekannt

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