Sechs Palästinenser bei israelischer Militäraktion getötet
Aktualisiert

Sechs Palästinenser bei israelischer Militäraktion getötet

Bei einer israelischen Militäroffensive im Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen sind mindestens sechs Palästinenser getötet worden.

Mehr als 40 weitere Personen wurden verletzt, unter ihnen neun Kinder, wie Krankenhausmitarbeiter am Dienstag mitteilten. Der ägyptische Aussenminister Ahmed Maher kehrte unterdessen von einer Nahost-Vermittlungsmission zurück, die von einem Angriff muslimischer Extremisten überschattet war.

Die israelischen Streitkräfte rückten nach palästinensischen Angaben am frühen Dienstagmorgen mit rund 40 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen nach Rafah ein, das an der Grenze zu Ägypten liegt. Die Armee erklärte, die Operation habe dazu gedient, Tunnel für den Waffenschmuggel im Grenzgebiet aufzudecken. Auf die Soldaten sei geschossen worden. Diese wiederum hätten vier Personen getroffen, die versucht hätten, Sprengsätze in der Nähe der Truppen zu legen.

Unter den Todesopfern waren nach Krankenhausangaben mindestens vier Zivilpersonen. Bei einem der Getöteten handelte es sich um einen palästinensischen Polizisten, wie seine Familie mitteilte. Der 32-Jährige sei auf dem Weg zur Arbeit am Grenzübergang Rafah gewesen, als er von Schüssen in den Kopf getroffen worden sei. Den gesamten Vormittag über waren in dem Gebiet noch Explosionen zu hören, nach Angaben von Bewohnern wurden mindestens sieben Häuser zerstört.

Maher kehrte in der Nacht zum Dienstag nach Kairo zurück. Am Montag war er bei einem Besuch der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem von Demonstranten mit Schuhen beworfen worden. Sieben Verdächtige wurden festgenommen. Der Minister wurde offenbar nicht verletzt. Er wurde vorsichtshalber ins Krankenhaus gebracht, das er nach vier Stunden wieder verliess.

Mubarak verurteilt «unverantwortlichen» Angriff

Das Büro des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak verurteilte den «unverantwortlichen» Angriff in einer Erklärung. Auch die palästinensische Führung, die militanten Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad sowie die Arabische Liga kritisierten die Tat.

Maher war zuvor mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und Aussenminister Silvan Schalom zusammengetroffen, um den Friedensprozess im Nahen Osten wieder in Schwung zu bringen. Nach ersten Verhandlungen zeigte sich der ägyptische Politiker zuversichtlich. Die Gespräche hätten ihn ermutigt. Er werde sich von dem Angriff nicht davon abbringen lassen, sich weiter um eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche zu bemühen, sagte Maher.

In Gaza schleuderte ein Palästinenser nach Angaben der israelischen Armee während eines Feuergefechts eine Granate auf Soldaten. Dabei seien zwei von ihnen ums Leben gekommen. Auch der Angreifer und ein weiterer bewaffneter Palästinenser seien getötet worden. Zu dem Angriff bekannten sich sowohl der Islamische Dschihad als auch die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden.

In Nablus im Westjordanland riegelten israelische Soldaten am Dienstag das Flüchtlingslager Balata ab. Sie durchsuchten Häuser nach mutmasslichen Extremisten. Ein älterer palästinensischer Mann erlitt während der Razzia einen Herzinfarkt und starb später im Krankenhaus, wie Angehörige mitteilten. Die israelische Armee gab zunächst keine Stellungnahme ab. (dapd)

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