Aktualisiert 08.12.2008 10:25

BehördenskandalSechs Sozialarbeiter nach Tod von Baby P. suspendiert

Erst nachdem Mitte November die Umstände des tragischen Tods von Baby P. bekannt wurden, sind die britischen Behörden hellhörig geworden. Nun haben sie gehandelt und sechs Sozialarbeiter von ihren Ämtern suspendiert – allerdings bei vollem Lohn.

Der Fall sorgte in den letzten Wochen für viel Aufregung: Der 17 Monate alte Junge, der in den Medien aus rechtlichen Gründen bloss als Baby P. bezeichnet wird, war im August 2007 in seinem blutverschmierten Bettchen in Haringey im Norden Londons tot aufgefunden worden. Mitte November sprach ein Londoner Gericht die Mutter, ihren Ex-Freund sowie einen Mitbewohner schuldig.

Steuerzahler in Aufruhr

Als dann die Gerichtsakten öffentlich wurden, verwandelte sich der Misshandlungsfall plötzlich in ein Behördenskandal: Den Unterlagen war zu entnehmen, dass Sozialarbeiter das Kind vor seinem Tod 60-mal besucht und nie von seinen Verletzungen berichtet hatten. Unter anderem war ihnen allen offenbar entgangen, dass das Baby eine gebrochene Wirbelsäule und acht gebrochene Rippen hatte. Auch die zuständige Beamtin für den Kinderschutzdienst Sharon Shoesmith hielt nach dem Tod des Kindes eine Untersuchung für nicht nötig. Ihre Begründung: «In Hinblick auf die guten Leistungen (der Abteilung) wäre eine genaue Prüfung weder vorteilhaft noch wertschöpfend für den Dienst.»

Die aufgebrachte Öffentlichkeit forderte darauf die Entlassung Shoesmiths. Die Bewohner der Gemeinde Haringey weigerten sich sogar so lange Steuern zu zahlen, bis die involvierten Sozialarbeiter und Ärzte ihrer Ämter enthoben sind.

Suspendiert - bei vollen Lohn

Am Montag wurden nun Sharon Shoesmith, zwei ihrer engen Mitarbeiter und drei Sozialarbeiter von ihren Aufgaben suspendiert. Wie die britische Zeitung «The Sun» erfahren konnte, sollen die Beamten allerdings bei vollem Lohn weiterhin angestellt bleiben. Im Fall von Shoesmith sind das 110 000 Pfund (umgerechnet knapp 200 000 Franken).

(kle)

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