Energiekrise: Seco senkt Wachstumsprognose für die Schweiz deutlich

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EnergiekriseSeco senkt Wachstumsprognose für die Schweiz deutlich

Das Seco hat die Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft deutlich auf 2,0 Prozent im Jahr 2022 sowie auf 1,1 Prozent im Jahr 2023 gesenkt. Auch mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote wird gerechnet.

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Die wirtschaftlichen Aussichten in der Schweiz haben sich verschlechtert.

Die wirtschaftlichen Aussichten in der Schweiz haben sich verschlechtert.

20min/Simon Glauser
Die angespannte Energielage und starke Preisanstiege belasten die Aussichten.

Die angespannte Energielage und starke Preisanstiege belasten die Aussichten.

20min/Simon Glauser
Deshalb senkt das Seco die Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft deutlich auf 2,0 Prozent im Jahr 2022 sowie auf 1,1 Prozent im Jahr 2023.

Deshalb senkt das Seco die Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft deutlich auf 2,0 Prozent im Jahr 2022 sowie auf 1,1 Prozent im Jahr 2023.

Tamedia AG/Urs Jaudas

Darum gehts

  • Die Schweizer Wirtschaft blickt auf ein positives erstes Halbjahr 2022 zurück. 

  • Die Aussichten haben sich aber verschlechtert. 

  • Diese werden durch die angespannte Energielage und starke Preisanstiege belastet.

Die Schweizer Wirtschaft blicke auf ein positives erstes Halbjahr 2022 zurück, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco mitteilt. «Die Aussichten haben sich aber verschlechtert. Die angespannte Energielage und starke Preisanstiege belasten die Aussichten, vor allem in Europa», so das Seco weiter. Deshalb senkt die Expertengruppe Konjunkturprognosen ihre Wachstumsprognose für die Schweiz deutlich auf 2,0 Prozent im Jahr 2022 sowie auf 1,1 Prozent im Jahr 2023 (Sportevent-bereinigtes BIP).

Im zweiten Quartal habe sich die Erholung der Schweizer Wirtschaft erwartungsgemäss fortgesetzt, wenn auch etwas weniger schwungvoll. Das BIP-Wachstum sei vom Dienstleistungssektor getragen worden. Insbesondere seien die Konsumausgaben in den Bereichen Freizeit, Gastgewerbe und Reisen nach der Aufhebung der gesundheitspolitischen Massnahmen infolge der Corona-Pandemie stark gestiegen.

Teuerung in der Schweiz auf einem moderaten Niveau

Die aktuellen Konjunkturindikatoren würden jedoch ein gemischtes Bild vermitteln. «Die günstige Entwicklung des Arbeitsmarkts dürfte den Konsum weiterhin stützen, da sich die Teuerung in der Schweiz weiterhin auf einem verhältnismässig moderaten Niveau bewegt. Damit sollten sich Teile der Binnenwirtschaft weiter erholen», heisst es beim Seco. Das «herausfordernde internationale Umfeld» dürfte sich aber zunehmend bremsend auf die konjunktursensitiven Bereiche der exportorientierten Industrie auswirken.

Die Expertengruppe habe ihre Erwartungen für die Weltnachfrage deutlich gesenkt; insbesondere sollten sich der Euroraum, die Vereinigten Staaten und China, grosse Handelspartner der Schweiz, schwächer entwickeln als noch in der Prognose von Juni erwartet. In der Summe erwartet die Expertengruppe für die nahe Zukunft eine schwächere Expansion der Schweizer Wirtschaft.

Ausgeprägte Energiemangellage soll ausbleiben

Der weitere Konjunkturverlauf hänge entscheidend von der weltwirtschaftlichen Entwicklung sowie von der Energieversorgung ab. Angesichts der stark zurückgegangenen Gaslieferungen aus Russland und der eingeschränkten Verfügbarkeit französischer Atomkraftwerke sei das Risiko eines Energiemangels in Europa gestiegen. Andererseits hätten die europäischen Gasspeicher bislang recht zügig aufgefüllt werden können, und der Energieverbrauch solle in den kommenden Monaten mit Sparanstrengungen von Haushalten und Unternehmen erheblich reduziert werden.

Für ihre Prognose gehe die Expertengruppe davon aus, dass eine ausgeprägte Energiemangellage mit breitflächigen Produktionsausfällen ausbleibt.

Höhere Arbeitslosenquote befürchtet

Vor diesem Hintergrund prognostiziert die Expertengruppe für die Schweiz ein Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent im Jahr 2022 (Sportevent-bereinigtes BIP). Zur Abwärtsrevision gegenüber der Prognose von Juni (2,6 Prozent) trage bei, dass gemäss den aktuellen Daten die Erholung der Wirtschaft 2021 stärker ausgefallen sei als erwartet, sodass die noch verbleibenden volkswirtschaftlichen Aufholpotenziale insgesamt geringer seien.

Für das Gesamtjahr 2023 senkt die Expertengruppe ihre Wachstumsprognose deutlich auf 1,1 Prozent (Sportevent-bereinigt; Prognose von Juni: 1,9 Prozent). Im Zuge der stärkeren Preisdynamik und der restriktiveren Geldpolitik dürfte sich die Nachfrage im Ausland bis zum Ende des Prognosehorizonts weniger schwungvoll entwickeln als in der Prognose von Juni angenommen. Dies bremst die Schweizer Exportwirtschaft. Aufgrund der gestiegenen Energiepreise ist ausserdem auch in der Schweiz mit höheren Inflationsraten zu rechnen als bislang erwartet (Aufwärtsrevision der Prognose für die Inflation auf 3,0 Prozent für 2022 sowie auf 2,3 Prozent für 2023). Von entsprechenden dämpfenden Effekten auf die Binnennachfrage ist auszugehen.

Infolge der konjunkturellen Abkühlung dürfte sich die Beschäftigungsentwicklung nach dem starken ersten Halbjahr 2022 abschwächen und die Arbeitslosigkeit im vierten Quartal allmählich zu steigen beginnen. Im Jahresdurchschnitt 2022 dürfte die Arbeitslosenquote 2,2 Prozent betragen, gefolgt von 2,3 Prozent im Jahr 2023.

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