Foodwaste: «Secondhand-Gebäck» läuft wie warme Weggli
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Foodwaste«Secondhand-Gebäck» läuft wie warme Weggli

Der Backwaren-Outlet sammelt und verkauft Gebäck, das sonst weggeworfen würde. Das kommt bei den Baslern gut an. Nun soll das Konzept Schule machen.

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Der Backwaren-Outlet im Gundeli, der seit Dezember 2015 erfolgreich die Überproduktion von 12 Bäckereien aus der Region sammelt und verkauft, will expandieren. Mit einem Inserat auf Facebook suchen die Verkäufer des «Secondhand-Gebäck» nach Angestellten, Freiwilligen und Franchise-Partnern. «Immer wieder fragen die Leute, wieso es dies nicht auch woanders gibt», sagt Berto Dünki, Mitinhaber und Co-Initiant des Outlets. Darum möchte er, dass die Idee auch andernorts umgesetzt wird und weitere Outlets unterstützen.

Die Idee, Backwaren einzusammeln und zu verkaufen, kam Dünki und Mitbegründerin Ursula Moser in Deutschland. Dort verkaufen sogenannte Vortagsläden – wie der Name schon sagt – Waren vom Vortag. «Wir haben auch Waren vom gleichen Tag im Sortiment», erklärt er. «Der Name passt bei uns also nicht.»

Etwa 50 Stammkunden zähle das junge Geschäft inzwischen, so Dünki.

Kunden bezahlen auch für Bedürftige

«Dem Projekt liegt eine soziale Komponente zugrunde», erklärt Dünki. Es gehe darum, gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln anzukämpfen. Mehrmals täglich machen Mitarbeiter des Outlets die Runde bei Bäckereien, um überschüssige Backwaren einzusammeln – etwa 30 Kisten am Tag. Diese werden aber nicht nur im Laden im Gundeli verkauft, sondern kommen auch gemeinnützigen Zwecken zugute. So können Kunden für ihre durchaus noch geniessbaren Brötchen vom Vortag etwa mehr bezahlen und ein Post-it mit dem Extrabetrag an die Wand kleben. Bedürftige können diese dann abnehmen und bekommen ihren Einkauf günstiger.

Zudem gibt es ein indirektes Spendensystem: Wer vom Backwaren-Outlet unterstützt werden möchte, kann Coupons beziehen und diese frei verteilen. Diese sind dann jeweils an ein Projekt gebunden. Wer mit dem Coupon beim Outlet einkauft, spendet einen Drittel des Betrags an das Projekt. «Lehrer können damit zum Beispiel die Finanzierung von Schullagern untersützen», erklärt Dünki. «Sogar foodwaste.ch hat sie schon verteilt.»

Manche Leuten kämen einfach um zu spenden. «Sie kommen einfach rein, legen Geld auf die Theke und sagen: Macht was Gutes damit.»

Bäcker ärgern sich nicht

Das Unternehmen mit fünf Angestellten und drei ehrenamtlichen Helfern wird sozialwirtschaftlich geführt. Sowohl Dünki als auch Moser sind neben dem Backwaren-Wiederverkauf berufstätig. «Wir wollen die Bäckereien nicht konkurenzieren», so Dünki. Auch für ein weiteres Outlet müssten zuerst Abklärungen getroffen werden, denn dieses ist von der Zusammenarbeit mit den Bäckern abhängig.

Die Bäcker in der Stadt sind gut auf das Projekt zu sprechen. «Ansonsten müssten wir die Ware wegwerfen», sagt Gregor Bachmann, Inhaber der Confiserie Bachmann, die dem Backwaren-Outlet Überschüsse gratis zur Verfügung stellt. Die Verantwortung für die abgebenen Waren liege beim Outlet, aber man habe noch nie etwas Negatives gehört.

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