Artikel «ohne Anklage oder Verdacht» - Secondo erhebt Vorwürfe gegen den «Beobachter»
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Artikel «ohne Anklage oder Verdacht»Secondo erhebt Vorwürfe gegen den «Beobachter»

In einem ganzseitigen Inserat wehrt sich Unternehmer Benard Duzhmani gegen einen Artikel des Beobachters: Dieser basiere auf einer Intrige – und bediene Stereotypen.

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Céline Krapf
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«Der Artikel bedient Stereotypen und steht stellvertretend für diverse Erlebnisse voller Misstrauen, das mir aufgrund meiner Herkunft entgegengebracht wird», sagt Benard Duzhmani.

«Der Artikel bedient Stereotypen und steht stellvertretend für diverse Erlebnisse voller Misstrauen, das mir aufgrund meiner Herkunft entgegengebracht wird», sagt Benard Duzhmani.

Maurice Haas
Dieses Inserat erschien in der NZZ am Sonntag und am Montag in 20 Minuten.

Dieses Inserat erschien in der NZZ am Sonntag und am Montag in 20 Minuten.

Die Reaktion des Unternehmers sei keine Überraschung, sagt Beobachter-Chefredaktor Dominique Strebel.

Die Reaktion des Unternehmers sei keine Überraschung, sagt Beobachter-Chefredaktor Dominique Strebel.

Darum gehts

  • Im Dezember berichtete das Magazin Beobachter unter dem Titel «Mit Fake-Unterschrift zum Kassenwechsel» über Benard Duzhmanis Unternehmen.

  • Mehrere Mitarbeitende sollen berichtet haben, dass beim Krankenkassenvermittler Unterschriften gefälscht würden.

  • Nun schaltete Duzhmani zwei ganzseitige Anzeigen in 20 Minuten und NZZ am Sonntag, in denen er sich gegen die Vorwürfe wehrt: Der Artikel bediene Stereotypen und sei falsch.

  • Der Beobachter stehe nach wie vor hundert Prozent hinter der Berichterstattung, sagt Chefredaktor Dominique Strebel.

«Ich habe mich entschieden, mich zu wehren», schreibt Benard Duzhmani in einem ganzseitigen Inserat, das in der «NZZ am Sonntag» und am Montag bei 20 Minuten publiziert wurde. Im vergangenen Dezember habe der «Beobachter» mit einem Artikel versucht, einen Teil seines Erfolgs «zunichtezumachen». Das Magazin warf seinem Unternehmen Swiss Home Finance illegale Geschäftspraktiken vor; mehrere ehemalige Mitarbeitende hätten berichtet, dass Angestellte des Krankenkassenvermittlers Kundendokumente selber unterschrieben. «836 Wörter, die meine Reputation und insbesondere die Anstellung und damit die Existenz vieler Mitarbeitenden bedrohte», schreibt Duzhmani im Inserat.

«Obwohl es keinen Verdacht gibt und keine Anklage, reicht eine Intrige, um das Wohlergehen von zahlreichen Menschen zu gefährden und mich zu stigmatisieren», sagt Duzhmani. Wer dafür verantwortlich sein könnte, will er gegenüber 20 Minuten nicht mutmassen. «Die letzten acht Monate wurde ich jeden Tag mit den Vorwürfen konfrontiert», sagt Duzhmani zu 20 Minuten. In der Versicherungsbranche sei die Kundschaft sowieso schon sehr vorsichtig, gute Geschäfte seien nicht mehr möglich gewesen. Er habe aufgrund des Artikels deshalb 60 Mitarbeitenden kündigen müssen. Mit dem Inserat unter dem stelle er nun die gleiche Aufmerksamkeit her, wie es das Medium getan habe.

Inserat thematisiert Integration und Stereotypen

Mit der Aktion will Duzhmani unter anderem auf das latente Stigma gegen Secondos aufmerksam machen, das in der Publikation zu spüren sei: «Der Artikel bedient Stereotypen und steht stellvertretend für diverse Erlebnisse voller Misstrauen, das mir aufgrund meiner Herkunft entgegengebracht wird.» Duzhmani hat kosovarische Wurzeln, kam als Kleinkind in die Schweiz. «Wann gehört man als Migrant dazu?», fragt der Unternehmer im Inserat. «Wann ist die Integration vollzogen?»

Für die Kampagne unter dem Slogan #SecondoAugust hat der Unternehmer die Agentur Rod Kommunikation engagiert. «Den 1. August – beziehungsweise den «Secondo August» – sehen wir als Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie wir mit Stereotypen und Vorurteilen gegenüber einem sehr grossen Teil der Bevölkerung in der Schweiz umgehen», sagt Gründungspartner David Schärer zu persoenlich.com. Die Kampagne sei «ein Angebot an alle Menschen, mit oder ohne Migrationshintergrund, ihre Erfahrungen mit Vorurteilen zu teilen und eine Diskussion darüber zu führen».

Die Reaktion des Unternehmers sei keine Überraschung, sagt Beobachter-Chefredaktor Dominique Strebel im Interview mit dem Branchenportal persoenlich.com. Es sei nicht das erste Mal, dass Duzhmani probiere, sie mit einem PR-Berater unter Druck zu setzen. «Eine bezahlte PR-Anzeige ist nicht der richtige Weg, um eine Auseinandersetzung zu journalistischen Inhalten zu führen», sagt Strebel. Dem Beobachter fremdenfeindliche Tendenzen vorzuwerfen, sei «absurd».

«Wir stehen zu hundert Prozent hinter der Berichterstattung»

Die Vorwürfe im Artikel seien «gut belegt» und stützen sich laut Strebel auf ein halbes Dutzend ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma. «Deshalb stehen wir nach wie vor und zu hundert Prozent hinter der Berichterstattung.» Strebel ist seit Mai 2021 Chefredaktor beim Beobachter, sein Vorgänger Andres Büchi, unter dessen Leitung der Artikel im Dezember erschien, verweist auf Anfrage von 20 Minuten auf Strebels Aussagen. Mike Pelzer, Mediensprecher von Ringier, bestätigt die Angaben.

Benard Duzhmani wird den Beobachter wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte und Verletzung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb einklagen. «Nicht ich muss Beweise für meine Unschuld erbringen - sondern das Magazin den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen», sagt der Unternehmer.

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