Aktualisiert 08.02.2018 10:16

Karriere-Boost und AnerkennungSecondos haben mehr Bock auf Militärdienst

Rekruten mit Migrationshintergrund sehen die Armee als Karriere-Beschleuniger. Auch das Prestige sorgt dafür, dass sie häufiger eine Führungsposition anstreben.

von
P. Michel
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Immer weniger junge Erwachsene entscheiden sich für die Rekrutenschule. Die Zulassungen für den Zivildienst erreichten denn auch 2017 ein Rekordhoch.

Immer weniger junge Erwachsene entscheiden sich für die Rekrutenschule. Die Zulassungen für den Zivildienst erreichten denn auch 2017 ein Rekordhoch.

Keystone/Gaetan Bally
An den Secondos kann dies kaum liegen: Eine bisher unveröffentlichte detaillierte Auswertung einer ETH-Umfrage bei 1291 Rekruten aus dem Jahr 2014 zeigt, dass sie der Armee deutlich positiver gegenüberstehen als ihre Kollegen ohne Migrationshintergrund. Die Erkenntnisse:

An den Secondos kann dies kaum liegen: Eine bisher unveröffentlichte detaillierte Auswertung einer ETH-Umfrage bei 1291 Rekruten aus dem Jahr 2014 zeigt, dass sie der Armee deutlich positiver gegenüberstehen als ihre Kollegen ohne Migrationshintergrund. Die Erkenntnisse:

Keystone/Martin Ruetschi
Bessere JobchancenAm Ende ihrer Zeit in der RS dachten 37 Prozent der Secondo-Rekruten, dass sich  ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch ihren Dienst steigern werden. Bei den «Schweizer» Rekruten waren es nur 28 Prozent. Soziologe Tibor Szvircsev Tresch von der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich sagt: «Gerade junge Männer aus den südlicheren Ländern mit tiefem Bildungsniveau erhofften sich vom Militär eine Zusatzqualifikation.»

Bessere JobchancenAm Ende ihrer Zeit in der RS dachten 37 Prozent der Secondo-Rekruten, dass sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch ihren Dienst steigern werden. Bei den «Schweizer» Rekruten waren es nur 28 Prozent. Soziologe Tibor Szvircsev Tresch von der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich sagt: «Gerade junge Männer aus den südlicheren Ländern mit tiefem Bildungsniveau erhofften sich vom Militär eine Zusatzqualifikation.»

Keystone/Gaetan Bally

Die Schweizer Armee hat ein Imageproblem: Letztes Jahr erreichten die Zulassungen für den Zivildienst mit 6785 einen neuen Höchststand seit 2011. An den Secondos kann dies kaum liegen: Eine bisher unveröffentlichte detaillierte Auswertung einer ETH-Umfrage bei 1291 Rekruten aus dem Jahr 2013 zeigt, dass sie der Armee deutlich positiver gegenüberstehen als ihre Kollegen ohne Migrationshintergrund.

So glaubten am Ende ihrer Zeit in der RS 37 Prozent der Secondo-Rekruten, dass sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch ihren Dienst steigern werden. Bei den «Schweizer» Rekruten waren es nur 28 Prozent. Zu Beginn der RS sahen gar 44 Prozent der Secondos ihre Job-Chancen durch die Armee verbessert.

Secondos beeindruckt das Prestige des Militärs

Dass sich Secondos durch das Militär bessere Jobchancen erhoffen, begründet der Militärsoziologe Tibor Szvircsev Tresch von der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich mit dem Prestige des Militärdienstes. «Mit ihrem Dienst wollen viele Secondos zeigen, dass sie sich integrieren und auch bereit sind, dafür etwas zu leisten.»

Dass sie sich durch den Dienst integrierter fühlen, zeigt sich auch in den Zahlen: 35 Prozent der Secondo-Rekruten gaben zu Ende ihres Dienstes an, andere sähen sie nun eher als «Schweizer». Bei jenen ohne Migrationshintergrund waren es nur 28 Prozent.

Bessere Chancen auf dem Jobmarkt durchs Militär

Gerade junge Männer aus den südlicheren Ländern mit tiefem Bildungsniveau, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer hätten, erhofften sich vom Militär eine Zusatzqualifikation, sagt Szvircsev Tresch. Laut Umfrage wollen deshalb auch Secondos deutlich öfter als Schweizer eine Militärkarriere anstreben. 17 Prozent der Secondos können sich vorstellen weiterzumachen, während es bei den ursprünglichen Schweizern 13 Prozent sind. «Wer mit seiner Bewerbung aufgrund seines ausländisch klingenden Namens Schwierigkeiten erhält, möchte mit seinem Offiziersrang punkten.»

Secondos wollen oft Grenadier werden

Szvircsev Tresch stellt zudem fest, dass sich etwa Secondos aus dem Balkan öfters für anspruchsvolle Truppengattungen wie zum Beispiel Grenadier interessieren. «Teilweise haben sie eine grössere Affinität zu Waffen wie die ursprünglichen Schweizer und wollen auch mit der Wahl der Truppe Leistungsbereitschaft demonstrieren.» Die höhere Motivation für die Armee liege auch daran, dass einige von ihnen aus Konfliktländern stammten und ihre Familien schon einmal Krieg erlebt hatten. «Da einige Secondos oft aus patriarchalen Gesellschaften stammen, können sie sich auch in Hierarchien gut einordnen und erfahren durch ihre Leistung etwa von ihrer Familie viel Stolz und Anerkennung.»

Tibor Szvircsev Tresch ist Militärsoziologe an der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich.

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