Aktualisiert 21.12.2007 16:31

«Secret Santa» is back

Pünktlich zu Weihnachten ist der «Geheime Weihnachtsmann» zurückgekehrt. Und wie sein Vorgänger hilft er in Not geratenen Menschen, ohne seine Identität preiszugeben. In der amerikanischen Stadt Kansas City geht das moderne Weihnachtsmärchen weiter.

Susan Dahl war obdachlos, hungrig, müde und pleite, als sie nach zehnstündiger Fahrt in der Wartehalle einer Busstation eintraf. Da setzte sich ein grosser Mann mit einer roten Jacke neben sie und fragte sie, wie es ihr gehe. «Er wollte wissen, warum ich kein Essen kaufen konnte, und ich sagte ihm, ich habe kein Geld. Ich bin obdachlos», erzählt die 56-Jährige schluchzend. «Er sagte: Hier sind 100 Dollar. Dies geschieht zum Gedenken an Larry Stewart.»

Mehr als ein Vierteljahrhundert lang hatte Stewart als anonymer Weihnachtsmann viele Menschen in den USA glücklich gemacht. Jedes Jahr zog der «Secret Santa» vor Weihnachten durch die Strassen und verteilte kleine Geldgeschenke - insgesamt rund 1,3 Millionen Dollar (knapp eine Million Euro). Vor wenigen Monaten starb der Wohltäter an Krebs.

Kurz vor seinem Tod lüftete er das Geheimnis um seine Identität. Bei dem «geheimen Weihnachtsmann» handelte es sich um einen 58-jährigen Geschäftsmann aus Lee's Summit im US-Staat Missouri. Vor seinem Tod bildete Stewart noch einige Assistenten aus.

«Ich wollte gar kein geheimer Weihnachtsmann sein», erklärte der neue «Secret Santa», ein Unternehmensberater aus der Region Kansas City. «Ich wollte Larry das Geld geben. Aber im vergangenen Jahr hat er gesagt, ich müsste das Geld selbst verteilen. Das habe ich dann auch getan und hing am Haken.» Der neue Santa spricht mit jedem, dem er begegnet, über seinen wohltätigen Vorgänger. Dann berichtet er über den Verstorbenen und verteilt mal 20, mal 100 Dollar.

Die Leute reagieren verschieden auf «Secret Santa». Einige fangen an zu weinen. Einige schreien auf. Wenige sagen «Nein, danke». Und ein paar Leute bieten dem Weihnachtsmann ein Gegengeschenk an. Wie beispielsweise der Obdachlose Robert Young, der nur noch 20 Cent in der Tasche hat, als Santa ihm 200 Dollar schenkt. Er reisst eine Seite aus einem alten Notizbuch und schenkt sie dem Wohltäter. Es handelt sich um ein Lied, das er selbst geschrieben hat.

Der neue geheime Weihnachtsmann hat eine eigene Website gegründet, die ihm die Rekrutierung von Helfern erleichtern soll. «Larrys Traum war, dass es in jeder Stadt einen Secret Santa gibt», berichtet er. «Es gibt schon ein paar Lehrlinge.» Und nicht jeder müsse gleich mit Hundertdollarscheinen um sich werfen. «Man kann auch Freundlichkeit und Hilfe verschenken.»

(dapd)

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