Aktualisiert 11.06.2015 12:56

Kreisgericht St. GallenSecuritas belastete Fan mit Falschaussage

Ein Securitas-Einsatzleiter deckte vor Gericht einen Mitarbeiter, der angab, von einem FC Basel-Fan attackiert worden zu sein. Video-Aufnahmen überführten ihn.

Beim Einlass in die AFG Arena kam es im August 2012 zu Ausschreitungen.

Beim Einlass in die AFG Arena kam es im August 2012 zu Ausschreitungen.

Im August 2012 spielte der FC St. Gallen in der AFG Arena gegen den FC Basel. Im Vorfeld des Spiels kam es im Eingangsbereich des Gästesektors zu Ausschreitungen. Dies nachdem ein Basel-Fan mit Pyros erwischt worden war, wie das «Tagblatt» berichtet. Daraus folgte ein Gerichtstermin für einen damals 18-jährigen Fan. Der Vorwurf: Er soll einen Sicherheitsmann angegriffen haben.

Vor Gericht gab der Securitas-Einsatzleiter zu Protokoll, er habe beobachtet, wie sein Kollege den Fan abgetastet habe. Zudem habe er gehört, wie sein Kollege den Fan mehrmals vergeblich aufforderte, das Stadion zu betreten. Dann habe er gesehen, wie der damals 18-jährige den Sicherheitsmann tätlich angegriffen habe.

Falschbeschuldigung in Kauf genommen

Trotz diesen Aussagen des Einsatzleiters wurde der Fan freigesprochen. Denn im letzten Moment tauchten Videobilder auf, die gemäss Strafbefehl das Gegenteil zeigten. Der Fan wurde gar nicht abgetastet. Ausserdem zeigen die Bilder, dass der Einsatzleiter unmöglich eine Tätlichkeit zwischen dem Sicherheitskollegen und dem Fan sehen geschweige denn das Gespräch zwischen den beiden mithören konnte. Der Einsatzleiter habe «bei seiner Aussage gewusst oder zumindest in Kauf genommen», dass er die falsche Person beschuldige.

Gegen den Strafbefehl der St. Galler Staatsanwaltschaft hat der Securitas-Einsatzleiter Einspruch erhoben, weshalb der Fall Ende Juni vor dem Kreisgericht St. Gallen verhandelt wird.

Staatsanwaltschaft hielt Videomaterial lange zurück

Vor Ort wird auch Anwältin Manuela Schiller sein, die den Stein ins Rollen brachte. Sie vertrat den Basler Fan, der zu Unrecht beschuldigt wurde. Dieser bestand darauf, dass er den Sicherheitsmitarbeiter nicht getreten hat und dass es Videobilder geben müsse, die seine Unschuld belegten. Also verlangte die Anwältin die Videobilder. Die Staatsanwaltschaft beschied ihr wiederholt, es gebe keine beweisrelevanten Aufnahmen. Darauf erhielt die Anwältin Videomaterial von anderen Basler Fans, die den Beschuldigten entlasteten. Schliesslich machte die Staatsanwaltschaft die Videobilder doch noch zugänglich. Diese entlasteten den Fan vollumfänglich.

Schiller sagte gegenüber dem «Tagblatt», dass der Fall zeige, dass Richter gut daran täten, zu überlegen, ob sie Sicherheitskräften im Zweifelsfall mehr Glauben schenken sollten als Fussballfans. Sie staune immer wieder, wie rasch Richter bereit seien zu glauben, es gebe keine begründeten Zweifel an Aussagen von Sicherheitskräften. Das müsse sich nun ändern. (20 Minuten)

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