Domat/Ems GR - Securitas-Mitarbeiter wütet gegen Selecta-Automaten
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Domat/Ems GRSecuritas-Mitarbeiter wütet gegen Selecta-Automaten

Statt seinem Schutz-Auftrag nachzukommen, begeht ein Securitas-Wächter selbst Sachbeschädigung. Das Unternehmen sieht dafür disziplinarische Massnahmen vor.

von
Patrick McEvily

Auf diesen Aufnahmen ist zu sehen, wie ein Securitas-Mitarbeiter mehrfach und mit viel Gewalt gegen einen Selecta-Automaten tritt. Sein Kollege schaut dabei zu.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Ein Securitas-Mitarbeiter tritt mit massiver Wucht auf einen Selecta-Automaten in Domat/Ems ein.

  • Die zwei beteiligten Angestellten müssen mit disziplinarischen Massnahmen rechnen. Diese können bis zur fristlosen Entlassung reichen.

  • Der private Sicherheitsdienst, der im Auftrag der Gemeinde für die Sicherheit sorgt, hat immer wieder Jugendliche vom Bahnhof weggewiesen – auch aus Sorge vor Sachbeschädigungen.

Aufnahmen eines News-Scouts zeigen zwei Securitas-Mitarbeitende bei einem Einsatz am Donnerstagabend gegen 23 Uhr am Bahnhof von Domat/Ems. Ausser ihnen scheint am späten Abend niemand vor Ort zu sein. Mit voller Wucht tritt einer der gegen einen Selecta-Automaten. Danach dreht er sich kurz ab, um anschliessend zu zwei weiteren Fusstritten anzusetzen. Der zweite Mann hält seinen Kollegen nicht zurück. Pikant: Gemäss Angaben des News-Scouts kommt es am Bahnhof regelmässig zu Kontrollen von Jugendlichen. Unter anderem sollen so Sachbeschädigungen verhindert werden.

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Zwei Angegestellte der privaten Sicherheitsfirma Securitas droht ein Disziplinarverfahren. Auf Aufnahmen ist zu sehen, wie einer der beiden mehrfach gegen einen Selecta-Automaten am Bahnhof von Domat/Ems tritt.

Zwei Angegestellte der privaten Sicherheitsfirma Securitas droht ein Disziplinarverfahren. Auf Aufnahmen ist zu sehen, wie einer der beiden mehrfach gegen einen Selecta-Automaten am Bahnhof von Domat/Ems tritt.

20min/News-Scout
Die beiden Sicherheitsleute patrouillieren im Rahmen einer Sicherheitsvereinbarung der Gemeinde Domat/Ems und der Firma Securitas auf dem Gemeindegebiet.

Die beiden Sicherheitsleute patrouillieren im Rahmen einer Sicherheitsvereinbarung der Gemeinde Domat/Ems und der Firma Securitas auf dem Gemeindegebiet.

20Min/News-Scout
Securitas ist mit seinen Sicherheitsdienstleistungen in der ganzen Schweiz aktiv, unter anderem auch in Impfzentren.

Securitas ist mit seinen Sicherheitsdienstleistungen in der ganzen Schweiz aktiv, unter anderem auch in Impfzentren.

Facebook/Securitas

Securitas übernimmt Polizeidienste für die Gemeinde

Die beiden Securitas-Angestellten müssen nun mit Konsequenzen rechnen. Wie ein Vertreter von Securitas auf Anfrage erklärt, habe man vom Vorfall Kenntnis genommen. Die beiden Mitarbeiter würden nun zu einem Gespräch vorgeladen, um ihre Sicht der Dinge darzulegen. Die Konsequenzen können bis zur einer fristlosen Entlassung reichen. Der Pressesprecher des Unternehmens spricht von einer «klaren Unterlassung seitens der Mitarbeiter», merkt aber an, dass die frustrierende Situation, wenn ein Automat nicht funktioniere, wohl den meisten bekannt sei. In der Vergangenheit habe das Unternehmen sich schon mehrfach von Mitarbeitern getrennt, die sich fehlerhaft verhalten haben. Das Unternehmen stand jüngst vor allem im Zusammenhang mit seinen Diensten in den Bundesasylzentren in der Kritik.

Bei der Gemeinde Domat/Ems hat man am Freitagmorgen noch keine Kenntnis vom Vorfall. Die gemeindepolizeilichen Aufgaben wurden zu Beginn des Jahres an Securitas vergeben. Gemäss einer Interpellation im Gemeinderat, die öffentlich zugänglich ist, wurde dies notwendig, nachdem der örtliche Polizeiposten mit demjenigen der Nachbarsgemeinde Beverin zusammengelegt wurde. Der Einsatzleiter von Securitas gibt an, dass rotierend jeweils zwei Mitarbeiter pro Schicht unterwegs seien. Eine solche Zusammenarbeit zwischen privaten Sicherheitsdiensten und Gemeinden gibt es in der Schweiz verschiedenenorts. Gemäss dem Securitas-Sprecher ist die juristische Sachlage dabei klar: Das Gewaltmonopol bleibt beim Staat. In neun von zehn Fällen gelänge es seinen Mitarbeitenden aber, heikle Situationen zu lösen.

Bahnhof sei kein Problem-Hot-Spot

Gemäss dem News-Scout war es das erste Mal, dass eine solche Szene am Bahnhof zu beobachten war. Kontrollen und Wegweisungen von Jugendlichen fänden aber jedes Wochenende statt. In der Vergangenheit hätten diese aber auch tatsächlich schon Sachbeschädigungen begangen, indem sie beispielsweise mit einem Bunsenbrenner ein Loch in den Selecta-Automaten brannten. Wie prekär die Lage am Bahnhof Domat/Ems wirklich ist, und zu wie vielen Wegweisungen es in der Vergangenheit gekommen ist, bleibt unklar. Der Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde erklärt auf Anfrage, dass sich die Jugendlichen auch in seiner Gemeinde – wie an vielen Orten – während der Corona-Zeit vermehrt am Bahnhof trafen. Ein Problem-Hot-Spot sei es aber nicht.

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