Aktualisiert 24.02.2011 17:45

FlüchtlingszentrenSecuritas wird künftig stärker überwacht

Mitarbeiter der Sicherheitsfirma sollen sich mit Tritten und Beleidigungen an Flüchtlingen in Kreuzlingen vergangen haben. Das Bundesamt für Migration hat nun Massnahmen ergriffen.

von
Lukas Mäder
Securitas-Mitarbeiter sorgen in den Flüchtlingszentren für Sicherheit. Vorwürfe von Amnesty International haben sich zwar nicht erhärtet, trotzdem wurden Massnahmen ergriffen. Archivbild aufgenommen 2002 in Kreuzlingen.

Securitas-Mitarbeiter sorgen in den Flüchtlingszentren für Sicherheit. Vorwürfe von Amnesty International haben sich zwar nicht erhärtet, trotzdem wurden Massnahmen ergriffen. Archivbild aufgenommen 2002 in Kreuzlingen.

Die Vorwürfe sind hart: Mehrere Securitas-Mitarbeiter sollen im Flüchtlingszentrum Kreuzlingen Übergriffe gegen Asylbewerber begangen haben. Schläge, Tritte sowie Beleidigungen hätten sie ausgeteilt, so der Vorwurf von Amnesty International. Nachdem das Bundesamt für Migration (BFM) die Vorwürfe abgeklärt hat, sollen zwei Mitarbeiter entlassen worden sein, schreibt die «Thurgauer Zeitung». Doch diese Informationen sind falsch. «Die Vorwürfe in zwei konkreten Fällen gegen zwei Mitarbeiter von uns haben sich nicht erhärtet», sagt der Kommunikationsleiter von Securitas, Urs Stadler, zu 20 Minuten Online. Es habe weder Disziplinarmassnahmen noch Entlassungen gegeben.

«Verfehlungen im von Amnesty geschilderten Ausmass konnten keine festgestellt werden», schreibt auch das Bundesamt für Migration (BFM) auf Anfrage von 20 Minuten Online. Die konkreten Vorwürfe gegen zwei Securitas-Mitarbeitern hätten sich nicht erhärtet. Stadler weiss nicht, ob die beiden Angestellten, die zwischenzeitlich an anderen Orten eingesetzt wurden, bereits wieder in Kreuzlingen arbeiten. Ebenfalls wisse er nicht, wie die konkreten Vorwürfe gegen die Securitas-Mitarbeiter gelautet hätten. In weiteren Fällen von pauschalen Vorwürfen hätte man Präzisierungen verlangt, die noch nicht eingetroffen seien.

Keine Gespräche mit Securitas

Bei Amnesty lösen diese Aussagen Verwunderung aus. «Es gibt mehr als zwei Fälle, bei denen Zeit und betroffene Person bekannt sind», sagt Flüchtlingskoordinatorin Denise Graf zu 20 Minuten Online. Von angeforderten Präzisierungen weiss sie nichts. Die Securitas nimmt das Problem offenbar nicht besonders ernst, sagt Graf. So habe die Firma bereits früher nicht reagiert, als Amnesty um ein Gespräch gebeten hatte.

Die Menschenrechtsorganisation habe sich auch überlegt, Strafanzeige gegen die betroffenen Securitas-Mitarbeiter einzureichen, sagt Graf. «Wenn ich nun die jüngsten Aussagen der Securitas höre, bereue ich, das nicht getan zu haben.» Tatsächlich kam es nach einem mutmasslichen Übergriff 2005 zu einem Gerichtsverfahren. Der Sicherheitsmann wurde 2008 vom Bezirksgericht wegen leichter Körperverletzung verurteilt, dann aber in zweiter Instanz freigesprochen. In einem anderen Fall befand die Kreuzlinger Staatsanwaltschaft, die Stiefelspuren auf dem Rücken eines Asylbewerbers stammten zwar von einer Streitigkeit, bei der es aber nicht zu strafbaren Handlungen gekommen sei.

Brief an Bundesamt für Migration

Im letzten Jahr hatte Amnesty von verschiedener Seite erneut Hinweise auf Missstände in Kreuzlingen erhalten. Im November habe ein erstes Gespräch mit dem BFM stattgefunden, sagt Graf. Als sich die Situation bis Mitte Januar weiter zuspitzte, schrieb Amnesty einen Brief an das BFM, in dem es eine Untersuchung und Sofortmassnahmen verlangte. «Da das BFM unsere Vorwürfe ernst genommen und schnell reagiert hat, haben wir die Öffentlichkeit nicht informiert», sagt Graf.

Das BFM betrachtet die aktuellen Vorwürfe offenbar aber trotz allem nicht als völlig haltlos. Darauf weisen Massnahmen hin, die das Amt ergriffen hat. Ab sofort erhält Amnesty ungehinderten Zugang zu den vier Flüchtlingszentren in der Schweiz. Das ermögliche ihnen, bei Meldungen die Vorwürfe vor Ort abzuklären beziehungsweise nachzustellen, sagt Graf. Als zweite Massnahme will das BFM zweimal jährlich Treffen organisieren, an denen Mitarbeiter der Flüchtlingszentren sensibilisiert werden. Bereits seit dem 1. Januar hat das Amt das Rekrutierungsverfahren für Securitas-Mitarbeiter geändert. Neu kann das BFM bei der Auswahl mitreden. Zudem erhaltende die Securitas-Angestellten eine weiterführende Ausbildung im Bereich Migration. Graf von Amnesty ist erfreut, dass das BFM die Problematik ernst nimmt: «Das ist eine gute Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit.»

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