Aktualisiert 26.03.2017 09:35

Das Geschäft mit der Angst

Security-Branche boomt – Polizei ist besorgt

689 Firmengründungen in fünf Jahren – es gibt immer mehr private Sicherheitsdienste in der Schweiz. Der Ruf nach Regulierung wird lauter.

von
nag
Ein Angestellter des privaten Sicherheitsdiensts Delta Security AG überwacht vor dem Stadion Letzigrund in Zürich eine Gruppe von Fussballfans. (Archiv)

Ein Angestellter des privaten Sicherheitsdiensts Delta Security AG überwacht vor dem Stadion Letzigrund in Zürich eine Gruppe von Fussballfans. (Archiv)

Keystone/Gaëtan Bally

Das Geschäft mit der Angst ist lukrativ und die Sorge vor einem Terroranschlag in der Schweiz (siehe Infobox) wächst. Aus diesem Unbehagen in der Bevölkerung schlagen Sicherheitsunternehmen zunehmend Kapital.

«Viele versuchen, mit den Ängsten der Bevölkerung Kasse zu machen», sagt Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbands Schweizerischer Polizeibeamter (VSPB), zum «SonntagsBlick».

Die Zeitung liess die Branche vom Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B durchleuchten. Dieser zählte 689 Gründungen von Sicherheitsfirmen in den letzten fünf Jahren – also durchschnittlich über 11 Firmengründungen pro Monat. Zugenommen haben insbesondere die Anbieter von Überwachungs- und Alarmsystemen und vor allem private Wach- und Sicherheitsdienste.

Stärkere Kontrollen gefordert

Das bereitet dem Polizeibeamtenverband Sorgen. Im öffentlichen Raum, also dort, wo eigentlich die Polizei zuständig wäre, würden immer mehr Aufgaben von privaten Sicherheitsdiensten übernommen, beklagt Bundi Ryser die Auswirkungen dieses Trends.

Als problematisch erachtet Roger Schneeberger, Generalsekretär der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), die Frage der Kompetenzen: Weil in einigen Kantonen Anbieter privater Sicherheitsdienste keine Bewilligung bräuchten, liesse sich nicht gewährleisten, dass die Firmeninhaber und ihre Mitarbeitenden für ihre Aufgaben geeignet seien und über einen guten Leumund verfügten, sagt Schneeberger zum «SonntagsBlick».

Die SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf will dieser Entwicklung Einhalt gebieten. Per Motion fordert sie den Bundesrat auf, private Sicherheitsdienstleistungen einheitlich zu regulieren. «Es kann nicht sein, dass Leute, die in einem solch sensiblen Bereich arbeiten, nicht strenger kontrolliert werden. Man sollte jetzt handeln – bevor etwas Gravierendes passiert.»

Infobox

Schweizer wollen stärkere Terrorbekämpfung

Im Mai 2017 wird die repräsentative Studie «Sicherheit» der Militärakademie an der ETH Zürich veröffentlicht. Gemäss Vorabinformationen des «SonntagsBlick» hat die Bevölkerung einer Erhebung zufolge zunehmend Angst an öffentlichen Orten. 2016 gaben 18 Prozent an, dass dies der Fall ist. Diese Zahl habe gemäss Autor Tibor Szvircsev Tresch leicht zugenommen.

Die Angst vor allgemeiner Kriminalität sei gesunken, das Vertrauen in Behörden wie die Polizei sei hoch. Die Frage, ob man Terrorismus und Extremismus stärker bekämpfen solle, werde stärker bejaht als noch 2016. Grosse Sorgen bereitet die weltpolitische Situation. 2015 blickten 46 Prozent der Schweizer optimistisch in die globale Zukunft. 2016 waren es noch 26 Prozent. Dieser historische Tiefstwert bestätige sich 2017, so Szvircsev Tresch.

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