14.01.2019 04:40

Zürich

Security-Mann verliert Job wegen neuem Gesetz

Vorbestrafte Sicherheitsmitarbeiter im Kanton Zürich verloren ihren Job wegen einer Gesetzesänderung. Security-Mann Reto Spiess bangt um seine Existenz.

von
mon
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Reto Spiess darf nicht mehr als Sicherheitsmitarbeiter arbeiten.

Reto Spiess darf nicht mehr als Sicherheitsmitarbeiter arbeiten.

Grund dafür ist eine seit dem 1. Januar 2018 geltende Gesetzesänderung im Kanton Zürich.

Grund dafür ist eine seit dem 1. Januar 2018 geltende Gesetzesänderung im Kanton Zürich.

Reto Spiess fürchtet nun um seine Existenz: «Ich bin auf den Lohn angewiesen.»

Reto Spiess fürchtet nun um seine Existenz: «Ich bin auf den Lohn angewiesen.»

Vier Jahre lang arbeitete Reto Spiess bei der Sicherheitsfirma Trusk Security in Zürich. In dieser Zeit habe er sich nichts zu Schulden kommen lassen. Doch dem Security-Mann wurde gekündigt. Grund dafür ist eine seit dem 1. Januar 2018 geltende Gesetzesänderung im Kanton Zürich. Diese besagt unter anderem, dass Angestellte von privaten Sicherheitsfirmen bestimmten Anforderungen genügen müssen. So dürfen ab dem 1. Januar 2019 keine vorbestraften Personen mehr in der Sicherheitsbranche arbeiten.

«Wegen einer Bagatelle verliere ich meinen Job»

Davon betroffen ist auch Spiess. Er hatte vor Jahren einen Strafregister-Eintrag erhalten – «wegen einer Bagatelle», wie der Sicherheitsmann sagt: «Ich hatte beim RAV etwas nicht deklariert und musste eine Busse zahlen.» Mit diesen Folgen habe er nicht gerechnet: «Das kommt doch einem Berufsverbot gleich», so Spiess. «Meine Existenz ist gefährdet. Einen neuen Job habe ich noch nicht in Aussicht.»

Auch sein Chef Hugo da Silva findet die Gesetzesänderung eine Frechheit: «Ich habe fünf gute Mitarbeiter verloren. Und das wegen Geschwindigkeitsübertretungen oder dem Überladen eines Lastwagen-Anhängers.» Bei einem Mitarbeiterkontingent von 120 Leuten würde es zwar nicht auffallen: «Mir geht es aber ums Prinzip», sagt da Silva. «Ich kenne jeden Mitarbeiter beim Namen und schätze die Arbeit jedes Einzelnen sehr.»

Existenz der Mitarbeiter auf dem Spiel

Ausserdem müsse man zwischen einem Verbrechen und einem Vergehen unterscheiden: «Meine Mitarbeiter sind keine Schwerverbrecher», so da Silva. Unverständlich sei auch, dass Zürich der einzige Kanton sei, der diese Regelung einführt. Zudem sei ihm zu Ohren gekommen, dass sogar Polizisten mit einem Strafeintrag arbeiten dürfen. Er möchte nun juristisch dagegen vorgehen: «Ich habe meinen Rechtsdienst eingeschaltet.»

Unterstützung bekommt da Silva auch von seinem grössten Auftraggeber, dem Zürcher Club X-Tra: «Wir arbeiten seit zehn Jahren mit Hugo da Silva zusammen und sind mit deren Dienstleitung sehr zufrieden», sagt Geschäftsführer Markus Kappeler. Dass so gute Mitarbeiter wie Spiess ihren Job verlieren, sei unglaublich: «Er war für die Türpolitik im X-Tra verantwortlich und hat seine Arbeit immer zuverlässig erledigt.»

Kein Unterschied zwischen Verbrechen und Vergehen

Wie Urs Grob, Sprecher der Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich, auf Anfrage erklärt, wird bei den neuen Bestimmungen für die Angestellten privater Sicherheitsunternehmen mit Absicht jede im Strafregister eingetragene Verurteilung wegen eines Verbrechens oder Vergehens als Hinderungsgrund für eine Beschäftigung genannt: «Die Bestimmung ist vom Gesetzgeber bewusst einfach und für die Unternehmen, die sie anwenden müssen, praktikabel formuliert worden.»

Für die Einhaltung der neuen Regelung ist die Sicherheitsdirektion hingegen nicht zuständig: «Die Firmen sind selber dafür verantwortlich, dass ihre Mitarbeiter diese Voraussetzung erfüllen», so Grob. Sollten sie sich nicht daran halten, können sie gemäss Polizeigesetz gebüsst werden: «Im schlimmsten Fall droht dem Unternehmen der Entzug der Bewilligung.»

Regelung fallen in Kantonen unterschiedlich aus

Dass diese neue Regelung nur den Kanton Zürich betrifft, liege daran, dass die Kantone für den Erlass von Polizeirecht zuständig sind, sagt Grob: «Deshalb fallen die Regelungen in den einzelnen Kantonen unterschiedlich aus.»

Auf den Vorwurf, dass Beamte mit Vorstrafen bei der Polizei arbeiten würden, entgegnet Grob: «Ohne einwandfreien Leumund und das Erfüllen der hohen charakterlichen und geistigen Anforderungen wird niemand zur Polizeischule zugelassen.» Zudem seien laut Grob die Kontrollmechanismen des Kommandos und die personalrechtlichen Möglichkeiten, falls sich ein Polizeiangehöriger etwas zu Schulden kommen lässt, mit den Verhältnissen in der Sicherheitsbranche nicht vergleichbar.

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