Kreisgericht St. Gallen: Securitys verprügeln rabiaten Clubgänger und kassieren Haftstrafen

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Kreisgericht St. GallenSecuritys verprügeln rabiaten Clubgänger und kassieren Haftstrafen

Zwei ehemalige Sicherheitsmitarbeiter eines St. Galler Clubs standen wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht. Grund war ein brutaler Angriff auf einen Clubgänger. 

von
Leo Butie
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Am Freitag standen zwei Sicherheitsmitarbeiter eines St. Galler Clubs vor dem Kreisgericht St. Gallen.

Am Freitag standen zwei Sicherheitsmitarbeiter eines St. Galler Clubs vor dem Kreisgericht St. Gallen.

20Min/leo
Beide wurden wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Angriff schuldig gesprochen. Einer der Männer, ein 47-jähriger Spanier, wird für fünf Jahre des Landes verwiesen. 

Beide wurden wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Angriff schuldig gesprochen. Einer der Männer, ein 47-jähriger Spanier, wird für fünf Jahre des Landes verwiesen. 

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Darum gehts

  • Zwei Sicherheitsmitarbeiter eines St. Galler Clubs standen am Freitag vor dem Kreisgericht in St. Gallen.

  • Sie hatten vor über zwei Jahren brutal auf einen Club-Besucher eingeschlagen. 

  • Der Besucher fiel zuvor wegen seines provozierenden Verhaltens und seiner Aggressivität auf.

  • Beide Männer wurden schuldig gesprochen und erhielten eine bedingte Freiheitsstrafe.

  • Einer der Männer wird zudem für fünf Jahre des Landes verwiesen. 

Ein ausfälliger Clubgänger war Ursprung einer Verhandlung vor dem St. Galler Kreisgericht. Dort mussten sich am Freitag zwei Sicherheitsmitarbeiter eines Clubs, ein 47-jähriger Spanier sowie ein 47-jähriger Serbe, wegen schwerer Körperverletzung und Angriff verantworten. 

Die Tat ereignete sich im Frühjahr 2020, noch vor Eintreffen der Corona-Massnahmen. Das damals 19-jährige Opfer habe sich gemäss der Anklageschrift bereits im Club äusserst aggressiv und auffällig verhalten und hatte zuvor Alkohol, Kokain und Cannabis konsumiert. Die Sicherheitsmänner wurden angewiesen, den Mann aus dem Club zu befördern und ihm ein vorübergehendes Eintrittsverbot zu verhängen.

Überwachungskameras dokumentierten die Schläge

Bereits hier habe sich der Mann heftig zur Wehr gesetzt und deckte anschliessend die beiden Türsteher mit Beleidigungen und Provokationen ein. «Ich sagte ihm, er soll nach Hause gehen, aber das hat er einfach nicht akzeptiert», sagt der Serbe in der richterlichen Einvernahme. Doch als der 19-Jährige seine Jacke auszog und hinter seinen Rücken griff, habe er Todesangst bekommen. «Ich dachte, er hat ein Messer. In diesen paar Sekunden kämpfte ich um mein Leben», sagt er weiter. 

In Videoaufnahmen der Überwachungskameras ist anschliessend zu sehen, wie der 47-jährige Serbe den Clubgänger, der sich mittlerweile abgewandt hatte, zu Boden schlägt und ihm mehrere Faustschläge ins Gesicht verpasst. Kurz darauf eilt sein Kollege dazu und tritt dem Opfer mehrmals in den Oberkörper. Resultat für den 20-Jährigen war ein dreifacher, offener Kieferbruch sowie weitere Verletzungen im Gesichtsbereich. 

Für die Staatsanwaltschaft war klar, dass der junge Mann so in Lebensgefahr gebracht wurde. Aus diesem Grund wurde für beide eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie ein fünfjähriger Landesverweis wegen schwerer Körperverletzung und Angriff gefordert. Strafmindernd sei der Umstand, dass sich die Sicherheitsmitarbeiter aussergerichtlich mit dem 19-Jährigen auf eine Genugtuung von 17’000 Franken einigten und das Opfer seine Klage zurückzog.

Mit Schwung auf Opfer eingetreten

Laut dem Staatsanwalt hätten die beiden Männer bis zum Schluss ihre Ruhe behalten sollen. «Es wäre zu erwarten gewesen, dass sie auf dem deeskalierenden Kurs bleiben.» Stattdessen wurde der Mann vom Serben rücklings am Kopf getroffen. Statt den Streit zu schlichten, habe der herbeigeeilte Spanier «mit Schwung» auf das Opfer eingetreten. «Das entspricht einer nicht zu rechtfertigenden Vergeltungsaktion.»

Der Verteidiger des Serben hingegen plädierte auf einen Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung. Auf eine Bestrafung sei zu verzichten. Dies, weil der Privatkläger seine Klage zurückzog und man bereits eine Einigung erzielt hatte. Von einem Landesverweis sei ebenfalls abzusehen. «Das Opfer hat keine bleibenden Schäden davongetragen», sagt der Verteidiger. Zudem sei der 19-Jährige nicht lebensgefährlich verletzt worden.

Auch der Anwalt des Spaniers argumentierte gegen den Vorwurf der schweren Körperverletzung und forderte einen Schuldspruch wegen Raufhandels für seinen Mandanten. Zudem hätten die Fusstritte keine lebensgefährliche Verletzung ausgelöst.

Schuldsprüche und Landesverweis

Das Dreiergericht sprach beide Männer wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Angriffs schuldig. Der Serbe wurde zu einer bedingten 16-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt, wird aber aufgrund eines Härtefalles nicht des Landes verwiesen. Der Spanier erhält eine bedingte 15-monatige Freiheitsstrafe und muss das Land für fünf Jahre verlassen, was den Mann bei der Urteilsverkündung sichtlich bewegte.

In den Videoaufnahmen sei klar ersichtlich, dass gleichzeitig geschlagen und getreten wurde. «Es ist lediglich ein Zufall, dass keine bleibenden Schäden eingetreten sind», so der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Es ist zwar unschön, was das 19-jährige Opfer gemacht hat, aber: «Ich verstehe nicht, wieso Sie nicht früher die Polizei gerufen haben. Die ist für solche Vorfälle zuständig.»

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Hier findest du Hilfe:

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Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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