7,2 auf der Richterskala - Starkes Seebeben vor Haiti fordert über 700 Todesopfer
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7,2 auf der RichterskalaStarkes Seebeben vor Haiti fordert über 700 Todesopfer

Ein Beben im Süden der Insel hat immense Schäden angerichtet. Die Anzahl der Todesopfer hat sich in nur wenigen Stunden verdoppelt. Die Suche in den Trümmern geht weiter.

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Die Zahl der Todesopfer in Haiti steigt weiter an, während die Behörden und Freiwillige nach Überlebenden suchen.

Die Zahl der Todesopfer in Haiti steigt weiter an, während die Behörden und Freiwillige nach Überlebenden suchen.

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Ein Seebeben mit der Stärke 7,2 auf der Richterskala hat die südliche Halbinsel Haitis erschüttert. 

Ein Seebeben mit der Stärke 7,2 auf der Richterskala hat die südliche Halbinsel Haitis erschüttert.

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Ein eingestürztes Haus in Jeremie. 

Ein eingestürztes Haus in Jeremie.

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Darum gehts

  • Am Samstagmorgen ereignete sich einige Kilometer vor der Küste Haitis ein Seebeben der Stärke 7,2 auf der Richterskala.

  • Bislang wurden mindestens 700 Opfer gezählt.

  • Das Beben trifft das Land inmitten einer schweren Krise. Seit der Ermordung des Präsidenten vor einem Monat ist die Lage noch instabiler geworden.

  • Auch die Wunden vom verheerenden Erdbeben von 2010 mit über 200’000 Opfern sind noch nicht verheilt.

Bei dem schweren Erdbeben im Südwesten Haitis sind nach neuen Behördenangaben mehr als 700 Menschen ums Leben gekommen. Innerhalb von nur wenigen Stunden hat sich die Anzahl der Toten verdoppelt. Am Sonntagmittag (Schweizer Zeit) war noch von 300 verstorbenen Menschen die Rede gewesen. Zivilschützer und Freiwillige suchen zurzeit weiter in den Trümmern eingestürzter Häuser. Der Direktor der Zivilschutzbehörde, Jerry Chandler, sagte: «Einige Orte sind komplett dem Erdboden gleichgemacht worden, die Spitäler können die vielen Verwundeten gar nicht mehr aufnehmen.» Vor allem in der Küstenstadt Les Cayes sei es besonders schlimm. «Das Wichtigste ist jetzt, so viele Überlebende wie möglich aus den Trümmern zu ziehen», so Chandler.

Die Not sei gewaltig. Das Internationale Rote Kreuz sei bereits im Einsatz, um für die Verwundeten zu sorgen. Such- und Rettungsmannschaften sollen in den betroffenen Gegenden nach weiteren Opfern und Überlebenden suchen. Man brauche aber auch Essen, Notunterkünfte und psychologische Betreuung. Mehrere Staaten boten Haiti Unterstützung an.

Das Beben der Stärke 7,2 hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS am Morgen das Land erschüttert, das Epizentrum lag demnach zwölf Kilometer von der Stadt Saint-Louis-du-Sud entfernt und rund 160 Kilometer südwestlich der dicht besiedelten Hauptstadt Port-au-Prince. Es richtete in mehreren Städten der Region schwere Schäden an. Die USGS gab eine Tsunami-Warnung für bis zu drei Meter hohe Wellen heraus, hob diese wenig später aber wieder auf. Während des Tages kam es mehrmals zu Nachbeben mit Stärken bis zu 5,6 auf der Richterskala.

Videos auf Twitter zeigen den Moment, als die Erde bebte:

Regierungschef Ariel Henry rief einen einmonatigen Ausnahmezustand aus. Er appellierte an die Bevölkerung, «Solidarität zu zeigen» und nicht in Panik zu geraten.

«Wir können Menschen schreien hören»

Frantz Duval – Journalist der haitianischen Tageszeitung «Nouvelliste» – berichtet via Twitter über die Verhältnisse vor Ort und meldet, dass das Spital in Jérémie «überfordert» sei.

«Etliche Häuser sind eingestürzt, viele Menschen sind unter Trümmern begraben», sagte ein Augenzeuge gegenüber der «New York Times». «Wir können die Menschen unter den Trümmern schreien hören. Die Leute rennen hin und her zum Spital.»

Naturkatastrophe einen Monat nach Tod des Präsidenten

Das Beben kommt für das Land mit elf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Im Juli war Haitis Präsident Jovenel Moïse ermordet worden. Er wurde in seiner Residenz von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen. Seitdem befindet sich Haiti in einer politisch instabilen Lage. Ausserdem hat der bitterarme Karibikstaat mit zunehmender Bandenkriminalität und der Corona-Krise zu kämpfen.

Jahrhundertbeben 2010 in Haiti

Haiti war im Jahr 2010 von einem schweren Erdbeben nahezu verwüstet worden. Im Zentrum des Erdbebens mit einer Stärke von 7,3 lag damals Haitis dicht besiedelte Hauptstadt Port-au-Prince. Durch das Beben starben rund 222’000 Menschen, mehr als 300’000 wurden verletzt. Mehr als eine Million Menschen verloren ihr Zuhause. Die Schäden durch das Beben wurden auf acht Milliarden US-Dollar (7,3 Milliarden Franken) geschätzt. Der Wiederaufbau kam auch durch die politische Instabilität nur schleppend in Gang.

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(DPA/AFP/pco/roy)

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