Seelandheim Worben: Keine fahrlässige Tötung

Aktualisiert

Seelandheim Worben: Keine fahrlässige Tötung

Gegen die Verantwortlichen des Seelandheims Worben wird keine Strafverfolgung wegen fahrlässiger Tötung eröffnet.

Das Institut für Rechtsmedizin (IRM) der Uni Bern hat drei Todesfälle untersucht und keine strafrechtlichen Vergehen festgestellt.

Hingegen haben die Abklärungen Hinweise auf Mängel im Pflegebereich des Heims aufgezeigt, wie es in einem Communiqué des Untersuchungungsrichteramtes Berner Jura-Seeland vom Dienstag heisst.

Nach Abschluss des polizeilichen Ermittlungsverfahrens werden deshalb die amtlichen Akten zwecks Prüfung und allenfalls Einleitung aufsichtsrechtlicher Schritte an die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) des Kantons Bern weitergeleitet.

Todesfälle in den Jahren 2000 und 2001

Gestützt auf eine Meldung der GEF wurden das Ableben einer 86- jährigen Patientin im März 2001 im Seelandheim Worben untersucht. Es wurde abgeklärt, ob der Tod der Frau dadurch beschleunigt wurde, indem ihr angeblich jegliche Flüssigkeitszufuhr verweigert worden war.

Ein IRM-Aktengutachten kommt zum Schluss, dass ein durch Verdursten bzw. Austrocknung verursachter Tod der Patientin ausgeschlossen werden kann. Da keine Obduktion stattfand, konnte die Todesursache aber nicht abschliessend geklärt werden. Zu vermuten sei, dass die Frau an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben sei.

Im Juli 2002 wurde beim Untersuchungsrichteramt Berner Jura- Seeland durch einen Arzt gegen die Verantwortlichen des Seelandheimes Worben erneut eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung und wegen fahrlässiger ev. eventualvorsätzlicher Körperverletzung sowie wegen Betruges, ev. ungetreuer Geschäftsbesorgung und wegen Urkundenfälschung eingereicht.

Diese Untersuchung befasste sich mit dem Tode einer weiteren 86- jährigen Frau, die im Oktober 2000 verstorben war. Auch in diesem Fall wurde ein gerichtsmedizinisches Aktengutachten erstellt.

Dieses kam zum Schluss, dass sowohl die diagnostischen als auch die eingeleiteten therapeutischen Massnahmen als vollkommen korrekt einzustufen seien. Offen bleibt auch in diesem Fall, ob möglicherweise mangelhafte Kommunikation im Pflegebereich aufsichtsrechtliche Konsequenzen haben müssten.

Auch bezüglich eines dritten Todesfalles, von dem eine 87- jährige Frau im Mai 2001 betroffen war, kam der Gutachter zum Schluss, dass sich keine Hinweise auf eine strafrechtlich relevante Sorgfaltspflichtverletzung im Pflege- oder Behandlungsbereich habe feststellen lassen.

Auch auf die angeblichen Vermögens- und Urkundendelikte wurde wegen offensichtlicher Unbegründetheit nicht eingetreten.

Unruhige Vergangenheit

Im Januar 2002 hatte das kantonale Alters- und Behindertenamt (ALBA) Auflagen für den Betrieb des Seelandheims verfügt, nachdem organisatorische und personelle Mängel festgestellt worden waren. Der Kanton hatte damals wegen verschiedener aufsichtsrechtlicher Anzeigen eine Untersuchung in die Wege geleitet.

Wie ALBA-Amtsvorsteher Markus Loosli auf Anfrage sagte, werden nun die vom Untersuchungsrichter freigegebenen Akten bezüglich möglicher Mängel im Pflegebereich studiert. Aufgrund der Aktenlage werde sich zeigen, ob Anpassungen oder Änderungen des 2002 eingeleiteten Optimierungsprozesses nötig seien.

Im Seelandheim werden gegen 300 Betagte gepflegt. Die Trägerschaft bilden 76 Gemeinden aus sechs Amtsbezirken.

(sda)

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