Seelisberg-Pfarrer: Offene Fragen, offene Dächer, offene Hände
Aktualisiert

Seelisberg-Pfarrer: Offene Fragen, offene Dächer, offene Hände

In Seelisberg griff er in den Klingelbeutel und in Deutschland bekam er von der Kirche eine 60'000 Euro-Hilfe, die niemals in Nigeria ankam. Den Ruf von Pfarrer Leonard Chidi kann nur noch ein Wunder retten.

von
Marius Egger

In Nigeria warten vier Kirchengebäude und Pfarrhäuser auf neue Dächer, und ein Ende des ungedeckten Zustands ist nicht in Sicht. Am Geld fehlt es nicht - eigentlich. Doch weil hinter den Dachbauten ein gewisser Pfarrer Leonard Chidi steckt, ist offen, ob sie dereinst in neuem Glanz strahlen.

Chidi hat für die vier Dachbau-Projekte beim Erzbistum Köln insgesamt 60'000 Euro (rund 94'000 Franken) bekommen, wie Pressesprecher Stephan Georg Schmidt gegenüber 20minuten.ch bestätigt. Im Rahmen der Aktion «Weltkirche - Weltmission», die jährlich über 1000 Projekte in über 100 Länder unterstützt, wurde ihm das Geld gesprochen und in die Hände gedrückt. Weiter passierte nichts - zumindest nicht an den Dächern in Nigeria. Seit Sommer 2007 wartet man in Köln vergeblich darauf, die renovierten Gebäude zu begutachten. «Die Projekte sind weiter offen», sagt Schmidt.

In Köln hat man den Glauben noch nicht verloren

Dem Antragsteller Chidi hat man in Köln offenbar vertraut. Unter anderem auf Grund von «persönlichem Vertrauen», das für die Geldsprechung ausschlaggebend sei. In drei Fällen habe sich dies auch ausbezahlt. «Von den insgesamt sieben Projekten, für die Pfarrer Chidi Gelder beantragt hat, sind drei abgeschlossen», so Schmidt. Kontrolliert werde dies entweder durch einen «eigenen Augenschein» oder durch «Vertrauenspersonen» aus den Bistümern vor Ort.

Allein auf Vertrauen und die «Hilfe von oben» will man sich aber im Erzbistum Köln nicht mehr verlassen. Schmidt: «Wir kümmern uns intensiv um die Sache. Das ist aber seit letztem Sommer so und hat nichts mit den Vorkommnissen in der Schweiz zu tun».

Ob die Verantwortlichen des Erzbistums Köln wissen, wo sich der schwarze Geistliche aufhält, wollte man nicht kommentieren. «Keine Auskunft», sagt Schmidt dazu lediglich.

In Seelisberg wäre man um Auskunft auf diese Frage nicht unglücklich. Dort ist nicht nur das Geld weg, sondern auch der einst beliebte Pfarrer verschwunden. Wo er steckt, weiss niemand. Kirchenpräsident Alfred Zwyssig gibt mittlerweile unumwunden zu: «Ja, ich bin auf die Nase gefallen!»

In Köln aber stirbt die Hoffnung zuletzt. Schmidt: «Es gibt bis jetzt keine Hinweise, dass Pfarrer Chidi das Geld in die eigene Tasche gesteckt hat».

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