Seepferdchen als Viagra
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Seepferdchen als Viagra

Wenn sich die Nacht senkt, droht den Seepferdchen in den philippinischen Korallenriffen Gefahr.

Mit Laternenbooten und Gaslampen machen sich Fischer auf die Jagd nach den kleinen Tierchen.

Auf dem Speiseplan stehen die Seepferchen nicht. Die meisten von ihnen enden in pulverisierter Form als vermeintliches organisches Viagra auf dem blühenden Markt für traditionelle chinesische Medizin. Andere landen getrocknet in Kuriositätenläden oder lebend in europäischen Aquarien.

Allen Mondido arbeitet für die Meeresschutzgruppe Project Seahorse und setzt sich auf der Insel Jandayan für den Schutz der Fischgattung mit dem pferdeähnlichen Kopf ein. «Die Seepferdchen sind ein Indikator für die Umwelt», sagt er.

Lebensraum der Seepferdchen seien Mangroven, Korallenriffe und die Tangwälder der tropischen Meere. «Wenn bei der Seepferdchen-Population ein starker Einbruch zu verzeichnen ist, zeigt das, das das Biotop insgesamt Schaden genommen hat.»

Im 5000-Einwohner-Dorf Handumon werden Seepferdchen von den Fischern lebend in Wasserbehältern aufbewahrt oder zwei Tage lang an der Sonne getrocknet. Regelmässig kommen Einkäufer der grossen Exporteure aus der Hafenstadt Cebu vorbei.

Ein Kilogramm getrocknete Seepferdchen bringt 3500 Pesos (rund 75 Franken), lebende Exemplare werden für zehn Pesos (knapp 25 Rappen) das Stück verkauft.

Nach Angaben von Project Seahorse gelangten im Jahr 2001 weltweit etwa 70 Millionen Tonnen oder rund 25 Millionen Seepferdchen in den Verkauf. Grösste bekannte Exporteure sind ausser den Philippinen Indien, Thailand und Vietnam.

Auf roter Liste

Die Populationen einiger der sieben Seepferdchenarten in den Philippinen verringerten sich Schätzungen zufolge zwischen 1985 und 1995 um bis zu 70 Prozent. Alle weltweit registrierten 34 Arten befinden sich mittlerweile auf der Roten Liste bedrohter Tiere.

Im Jahr 2002 wurde der Seepferdchenhandel durch die Konvention über den internationalen Handel mit bedrohten wilden Tier- und Pflanzenarten (CITES) geregelt.

Mondido ist seit drei Jahren für kommunale Entwicklung in Handumon im Einsatz. Ihm und dem Project Seahorse gelang es mittlerweile, die Fischer dort dazu zu bewegen, nicht mehr mit Seepferdchen zu handeln, die kleiner sind als zehn Zentimeter.

Die Dorfgemeinschaft kümmert sich inzwischen auch um drei Schutzgebiete rund um die Insel Jandayan. Einige Fischer aus dem Dorf, das ohne Strom zurechtkommen muss, haben auf andere Jobs umgesattelt: Sie züchten Freilandhühner oder arbeiten als Handwerker.

«Es ist sehr schwierig, das Bewusstsein für den Schutz der Meeresfauna bei den Menschen zu verankern», sagt Mondido. Vor allem ist es nicht einfach, für Alternativen zu sorgen, die sich finanziell etwas einbringen. Nur dann aber kann verhindert werden, dass die Fischer wieder zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehren, sobald die Spendenfonds der Umweltschützer ausgeschöpft sind.

(sda)

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