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Lebenstraum in GefahrSeewen informierte falsch – Hundepension vor Aus

Fabienne Tschamber (37) eröffnete vor vier Jahren eine Hundepension. Die Gemeinde Seewen (SO) gab ihr irrtümlicherweise grünes Licht – und macht nun einen Rückzieher.

von
fh

Mitten im Dorf Seewen steht eine ehemalige Bäckerei, welche Fabienne Tschamber vor vier Jahren kaufte und in eine Hundepension umwandelte. Die 37-jährige Tierpflegerin erfüllte sich mit dem Betrieb einen Lebenstraum. «Hunde sind mein Leben», sagt sie.

Dass dieser Traum vier Jahre später zu platzen droht, ist für Tschamber nur schwer zu akzeptieren. «Im März 2016 bekam ich Bescheid von der Gemeinde, dass ich meinen Betrieb redimensionieren muss», sagt sie konsterniert. Statt aktuell bis zu zwölf Hunden darf sie nur noch maximal fünf Tiere beherbergen. Die Frist für die Anpassungen läuft bis zum 31. Mai.

Alles lief rund

Als Tschamber die Liegenschaft gekauft hatte, informierte sie sich laut ihren Angaben bei der Baukommission der Gemeinde über allfällige Auflagen. Diese gab grünes Licht – ein Baugesuch musste sie nicht einreichen. Ihr wurde nur beschieden, dass sie sich an das kantonalen Veterinäramt wenden soll. Den erforderlichen Tierpfleger-Kurs erwarb sie in Kürze und legte wenig später guten Mutes mit ihren Betrieb los.

Schnell baute sie sich einen grossen Kundenstamm auf. «Ich habe rund 120 Halter, die mir ihre Hunde anvertrauen», sagt sie. Auch beim Besuch von 20 Minuten ging es in der alten Bäckerei lebendig zu und her: Mit einem Schnauzer und einem Chihuahua arbeitete die Hundetrainerin im Haus und ging mit den Tieren auf Spaziergänge. «Ich bin aber immer sehr darauf bedacht, dass sich die Nachbarschaft nicht gestört fühlt», betonte sie.

Nachbar reicht Einsprache ein

Dennoch stiess sich ein Nachbar offenbar schon länger am Betrieb. Zunächst intervenierte er bei der Polizei, was mehrere Polizei-Kontrollen nach sich zog – ohne Konsequenzen. Der Mann liess aber nicht locker und reichte bei der Baukommission Seewen Einsprache gegen die Hundepension ein.

In der Folge wurde die Hundepension noch einmal unter die Lupe genommen. «Mir ging es in erster Linie darum, dass in einer Kernzone nicht mehr als vier bis fünf Hunde gehalten werden dürfen», begründet der Nachbar auf Anfrage.

Er bekam recht: Tschamber wurde dazu aufgefordert, ein Baugesuch nachzureichen. Die Bearbeitung dauerte ganze eineinhalb Jahre. Im März bekam Tschamber ein Schreiben vom Kanton Solothurn, sie müsse den Betrieb einschränken. Sie muss nun bis Ende Mai eine andere Lösung suchen: Nur mit fünf Hunden könne sie ihren Betrieb nicht aufrechterhalten.

Fehlinformation der Gemeinde

Die Gemeinde Seewen gibt auf Anfrage von 20 Minuten zu, dass sie Fabienne Tschamber vor vier Jahren falsch infomiert hatte. «Unklar ist, wer das damals tat», so Gemeinde-Aktuar Peter Müller. Er findet aber, dass man die Verantwortung nicht einfach so auf die Gemeinde abschieben könne: «Sie hätte wissen müssen, dass es für die Hundepension ein Baugesuch braucht.»

Wieso aber die Gemeinde erst auf Druck des Nachbarns von Tschamber tätig wurde, bleibt unklar. Tschamber kann nun nur noch darauf hoffen, dass die Gemeinde ihr einen längeren Aufschub gewährt. «Ich brauche mehr Zeit. Ich bin sehr gut ausgebucht und kann unmöglich vor August weg von hier», sagt sie.

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