Nach Fiasko in Genf: Sehen die Prince-Fans ihr Geld nie wieder?
Aktualisiert

Nach Fiasko in GenfSehen die Prince-Fans ihr Geld nie wieder?

Die Posse um das zwei Mal abgesagte Prince-Konzert in Genf nimmt kein Ende. Der Veranstalter vertröstet die Fans weiter. Diese wollen aber nur noch ihr Geld zurück.

von
Ronny Nicolussi
Kommt er doch noch nach Genf? Prince bei einem Konzert in Dänemark.

Kommt er doch noch nach Genf? Prince bei einem Konzert in Dänemark.

Die Fans hatten sich schon gefreut: Zwei Mal war in den vergangenen Wochen ein Konzert des US-Sängers Prince in Genf angesagt. Zwei Mal wurde es abgesagt. Die Umstände der Absagen bleiben im Dunkeln. Die Beteiligten schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Den Ärger aber haben die Ticketinhaber. Sie verlangen ihr Geld zurück – und werden seit Tagen vertröstet.

Verkauft hat die Tickets der kleine Westschweizer Billetthändler Resaplus. Oliver Grandjean, Direktor von Resaplus, sagt zu 20 Minuten Online: «Wir werden von Anfragen überhäuft und können uns lediglich die ganze Zeit entschuldigen.» Grandjean zeigt Verständnis für den Ärger der Ticketbesitzer und begründet: «Damit wir das Geld zurückgeben können, müsste uns Quarcoopome die Vorschüsse, die wir ihm bezahlt haben, zurückgeben und uns explizit anweisen, die Rückerstattungen vorzunehmen. Bisher hat er das aber nicht getan.»

Daniel Quarcoopome heisst der Konzertveranstalter. Jener Mann, der Prince nach Genf locken wollte und das Konzert im Stade de Genève angekündigt hatte. Lange schwieg er. Jetzt sagt er zu 20 Minuten Online: «Die Fans können ihre Tickets dort zurückgeben, wo sie sie gekauft haben.» Was mit dem Geld passiert ist, das Quarcoopome und seine Firma Larger than Life von Resaplus bekommen hat, lässt er unbeantwortet. Gemäss verschiedenen Schätzungen dürfte sich der Vorschuss auf 700 000 bis 800 000 Franken belaufen. «Anstatt zu informieren, was geht, sagt Quarcoopome lediglich, wir müssten warten, er versuche weiterhin ein Konzert auf die Beine zu stellen», enerviert sich Oliver Grandjean.

Keine Europa-Tour angesagt

Tatsächlich: Quarcoopome bestätigt, dass er weiterhin eine Chance sehe, Prince «noch in diesem Herbst» nach Genf zu locken. Eine Europa-Tour von Prince ist in den kommenden Monaten allerdings nicht vorgesehen. Quarcoopome spricht von «fortgeschrittenen Verhandlungen anderer Promotoren», die das Musikwunder aus den 80er Jahren ebenfalls nach Europa holen wollen.

Prince: «Lavaux»

Weshalb es bislang nicht klappte, bleibt aber nebulös. Informationen, wonach für das geplante Konzert wegen schlechter Promotion lediglich 6500 Tickets verkauft worden seien, wollte der Veranstalter nicht bestätigen: «Unsere Verkaufszahlen waren im Vergleich mit anderen Veranstaltungen im Rahmen dieser Konzertreihe überdurchschnittlich. Wir haben deutlich mehr als 6500 Tickets verkauft.» Deshalb prüfe er auch, ob Prince für mehr als einen Termin in die Genfer Arena kommen könne. Die Konzerthalle bietet Platz für 9500 Zuschauer.

Stadion nicht gratis

Für die Absagen schiebt Quarcoopome andere Gründe vor. Ihm sei im Januar von Resaplus und dem lokalen Veranstalter (und FDP Politiker) Frédéric Hohl versprochen worden, das Stadion in Genf würde als Veranstaltungsort gratis zur Verfügung gestellt werden. «Irgendwann korrigierten die Stadionbetreiber die Miete auf 40 000 Franken», sagt Quarcoopome.

Kurz vor der Veranstaltung habe sich jedoch alles geändert. Larger than Life hätte für das Konzert Untermieter von Hohl werden müssen. «Plötzlich forderten die Stadionbetreiber eine Miete von 200 000 Franken und eine Garantie von 200 000 Franken für mögliche Schäden am Rasen - beides bar und im Voraus», erinnert sich Quarcoopome. Zusätzlich habe der Vertrag, den die Stadionbetreiber «ausschliesslich mit Hohl ausgehandelt haben», eine Klausel enthalten, die Larger than Life für sämtliche weitere Schäden rund um das Konzert haftbar gemacht hätte.

Frédéric Hohl war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Benoît Genecand, Präsident der Genfer Stadionstiftung, sagt auf Anfrage: «Das Stadion gratis zur Verfügung zu stellen, stand nie zur Diskussion.» Die Zahlen Quarcoopomes bestätigt er, allerdings seien die schon sechs Wochen vor dem geplanten Konzert kommuniziert worden. Von einer «besonderen Haftungsklausel» wisse er aber nichts. «Die Haftungsklausel im Vertrag ist dieselbe, wie bei sämtlichen anderen Verträgen, die wir mit Veranstaltern abschliessen», so Genecard.

Extrazug war ein Bluff

Weil Quarcoopome nicht bereit war, den Vertrag zu unterschreiben, fiel der erste Konzerttermin ins Wasser. Die Öffentlichkeit liess der Organisator glauben, das Konzert sei auf einen Freitag verschoben worden, damit Fans aus der Deutschschweiz und Frankreich mit dem öffentlichen Verkehr an- und abreisen könnten. Sogar ein Extrazug der SBB wurde in Aussicht gestellt. Seltsam nur: Die Bahn hatte nie eine entsprechende Anfrage erhalten.

Im Anschluss an die erste Absage haben Quarcoopome und die Stadionbetreiber Neuverhandlungen aufgenommen. Quarcoopome hat laut eigenen Angaben den Stadionbetreibern eine Miete von 160 000 Franken und eine Garantie über eine Versicherungsgesellschaft angeboten: «Zusätzlich hatte ich bereits im Vorfeld den Stadionbetreibern eine Anzahlung von 25 000 Franken bezahlt und diese hatten durch Ticketverkäufe bereits 20 000 Franken eingenommen.» Die Stadionbetreiber sagen, man habe sich wenige Tage vor dem zweiten Konzerttermin tatsächlich auf eine Miete von 160 000 Franken und eine Garantie von 80 000 Franken geeinigt. Das Geld sei aber nie überwiesen worden.

So etwas habe er in zehn Jahren noch nie erlebt, sagt Oliver Grandjean über das Vorgehen von Daniel Quarcoopome. Resaplus habe deshalb Gespräche mit einem Anwalt aufgenommen. «Wenn die Geschichte beendet ist, werden wir der Öffentlichkeit endlich unsere Sicht der Dinge darlegen können», verspricht der Ticketverkäufer. Resaplus sei wie die Kunden ein Opfer dieser Posse. «Wir werden auch mit konkreten Vorschlägen dafür sorgen, dass so etwas in der Schweiz nie mehr passieren kann», so Grandjean.

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