Terre des hommes: «Sehr prekäre Lage» in Sri Lanka
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Terre des hommes«Sehr prekäre Lage» in Sri Lanka

Das Kinderhilfswerk Terre des hommes hat die «sehr prekäre Lage» für die Zivilisten im umkämpften Norden Sri Lankas angeprangert. Bis zu 250 000 Menschen sind zwischen Regierungstruppen und LTTE-Rebellen eingeschlossen und kämpfen um ihr Überleben.

«Diese Menschen sind in der Vergangenheit schon acht-, neunmal vor Kriegswirren geflüchtet, sie besitzen nichts mehr und hausen in den Wäldern», sagte der TdH-Delegierte Reinhard Fichtl am Dienstag in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur SDA.

Medizinische Versorgung gebe es kaum, und den Hilfsorganisationen werde der Zugang zum Krisengebiet weiterhin untersagt. «Dabei würden wir das Gebiet bestens kennen und wären jederzeit innert Kürze dort, wenn uns die Regierung das erlauben würde», sagte Fichtl, der sich in Batticaloa im Osten der Insel aufhält.

Terre des Hommes ist mit 430 Mitarbeitenden in Sri Lanka eine der grössten Nichtregierungsorganisationen (NGO) vor Ort. Sie kümmert sich um die Gesundheit von 30 000 häufig mangelernährten Kindern sowie um die psychosoziale Betreuung von 7000 oft kriegstraumatisierten Kindern.

«Jeder verdächtigt jeden»

«Doch im Norden sind auch uns die Hände gebunden», kritisierte Fichtl, den immer wieder Berichte über verletzte und getötete Zivilisten im Kampfgebiet erreichen. «Gerade erst am Dienstag wurden wir über ein Massaker informiert, bei dem 27 Zivilisten erschossen und 65 verletzt wurden.»

Wer dafür die Verantwortung trage, sei offen. «Jeder verdächtigt jeden.» Manche vermuteten die Rebellenorganisation LTTE hinter dem Massaker – die Tamil Tigers sollen demnach Leute exekutiert haben, denen sie Verrat vorwarfen. Ein anderes Gerücht gehe davon aus, dass es sich um eine verdeckte Operation der Regierungstruppen handelte.

«Klar ist, dass Zehntausende Unschuldige zwischen die Fronten geraten sind», sagte Fichtl. «Wir schauen besorgt nach Norden, aber wir können dort gar nichts machen.»

Schuldzuweisungen

Die Konfliktparteien bestätigten den Tod zahlreicher Zivilisten in den letzten Tagen und wiesen sich dafür gegenseitig die Schuld zu. So erklärte die Armee, bei dem von TdH erwähnten Massaker hätten LTTE-Kämpfer die Zivilisten erschossen, die aus dem Kampfgebiet fliehen und sich in die Obhut der Regierung begeben wollten.

Die Regierung kritisiert, die LTTE hindere die zahlreichen im Kampfgebiet festsitzenden Zivilisten gewaltsam an der Flucht und missbrauche sie als menschliche Schutzschilde. Nach Angaben der Rebellen harren die Zivilisten dagegen freiwillig aus, weil sie sich nicht in die Hände des Militärs begeben wollen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte mit, man bereite die Rettung von 400 Verletzten und Kranken aus dem LTTE-Gebiet über den Seeweg vor. Fischer brächten die Opfer mit kleinen Booten zu einer gecharterten Fähre, die dann Kurs auf die Hafenstadt Trincomalee im Regierungsgebiet nehmen soll.

Einen Tag nach einem der LTTE zugeschriebenen Selbstmordanschlag im Nordosten stieg die Zahl der Opfer auf 30, davon 20 Soldaten und zehn Zivilisten. Nach Armeeangaben wurden 64 Menschen verwundet, als sich eine Attentäterin in einem Auffanglager der Armee für Flüchtlinge aus dem LTTE-Gebiet in die Luft sprengte.

(sda)

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