«Seid wütend und erstickt an eurer Wut»
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«Seid wütend und erstickt an eurer Wut»

In barschen Worten hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Kritik am Atomprogramm zurückgewiesen. «Wir sind eine Atommacht und sprechen mit anderen von der Position eines nuklearen Landes aus», wurde der Eintritt ins Atomzeitalter gefeiert.

«Für alle, die wütend sind darüber, dass der Iran erstmals erfolgreich Uran anreichern kann, haben wir eine Antwort: Seid wütend und erstickt an eurer Wut», sagte Ahmadinedschad am späten Mittwochabend vor iranischen Studenten.

«Wir werden mit niemandem über das Recht des Irans sprechen, Uran anzureichern, und niemand hat das Recht, einen Schritt zurückzuweichen, auch nicht einen Jota.»

Baradei in Teheran

Seine Äusserungen dämpften Hoffnungen auf Fortschritte bei den Gesprächen des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Mohammed El Baradei in Teheran. Die Gespräche El Baradeis mit der iranischen Führung blieben in Folge am Donnerstag weitgehend ergebnislos.

El Baradei forderte den Iran erneut auf, sein Urananreicherungsprogramm aufzugeben. Der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani nannte diese Aufforderung «irrational», versprach aber eine iranische Antwort binnen zwei Wochen.

El Baradei muss dem Weltsicherheitsrat in New York und dem IAEA- Gouverneursrat in Wien bis zum 28. April über das iranische Atomprogramm Bericht erstatten.

Urananreicherung bislang unbestätigt

Die iranischen Angaben, wonach das Land Uran bis auf 3,5 Prozent angereichert habe, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen, sagte El Baradei. Die IAEA-Inspektoren hätten Proben genommen und würden die Ergebnisse an das Direktorium der Behörde weiterleiten.

Solches Uran könnte als Brennstoff für Atomkraftwerke genutzt werden. Für Atomwaffen müsste es auf 90 Prozent angereichert werden. Der Westen verdächtigt die Führung in Teheran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie Atombomben entwickeln zu wollen.

China schickt Vermittler

Angesichts der zunehmend harten Haltung des Irans kündigte China die Entsendung eines Vermittlers nach Teheran und Moskau zwischen dem 14. und 18. April an. China sei «besorgt» über die jüngsten Erklärungen des Irans, hiess es in Peking.

Frankreich und die USA drohten dem Iran unterdessen Massnahmen des UNO-Sicherheitsrats an. US-Aussenministerin Condoleezza Rice appellierte an das oberste UNO-Gremium, bei seiner Sitzung Ende April «scharfe Massnahmen» gegen den Iran zu ergreifen.

Rice sagte in Washington, die USA zögen die gesamte Bandbreite der Optionen des UNO-Sicherheitsrates in Betracht. Anders als die IAEA habe der Rat die Macht, Mitgliedsländer zu zwingen, dem internationalen Willen Folge zu leisten.

Auch der französische Aussenminister Philippe Douste-Blazy schloss am Donnerstag in Paris Sanktionen nicht aus. Einen Militärschlag gegen Teheran sei aber «absolut nicht aktuell», sagte der Minister. Frankreich bevorzuge weiterhin eine Verhandlungslösung.

Die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats und Deutschland setzen nach chinesischen Angaben am kommenden Dienstag in Moskau ihre Beratungen über das iranische Atomprogramm fort. (sda)

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