Seilbahn-Opfer identifiziert
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Seilbahn-Opfer identifiziert

Der starke Wind hat vermutlich das tödliche Seilbahnunglück auf der Kleinen Scheidegg ausgelöst. Hinweise auf einen technischen Defekt gibt es bisher nicht, obwohl offenbar eine Sicherheitsvorrichtung versagt hat.

Nach Angaben der Untersuchungsbehörden vom Freitagnachmittag handelt es sich beim Getöteten um einen 29-jährigen Mann aus Baden-Württemberg. Er war zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern in der Region in den Ferien.

Möglicherweise ein Verfahren

Tragen die Seilbahnverantwortlichen eine Mitschuld, beziehungsweise ist das Unglück als fahrlässige Tötung und Körperverletzung einzuschätzen oder nicht? Dies sind die Fragen, die zurzeit die Untersuchungsrichterin Barbara Baumgartner-Wüthrich umtreiben. Doch noch ist offen, ob und gegen wen ein Verfahren überhaupt eröffnet wird.

Über die allfällige Eröffnung einer Strafverfolgung wird die zuständige Thuner Untersuchungsrichterin nach Abschluss der notwendigen Befragungen und der rechtsmedizinischen und technischen Abklärungen entscheiden.

Die Untersuchungsrichterin sagte weiter, es dauere voraussichtlich Wochen oder Monate, bis ein Bericht der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe des Bundes (UUS) vorliege.

Der Wind als Ursache

«Wir gehen davon aus, dass der Wind ursächlich eine Rolle gespielt hat», sagte Joseph Zeder, der Untersuchungsleiter der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe des Bundes (UUS). Es gebe bisher keine Hinweise auf eine technische Ursache.

Zeder bestätigte einen Bericht der «Berner Zeitung», wonach unterhalb des Mastes Nummer 11, wo das Seil entgleiste, eine abgesprengte Schraube gefunden worden ist. Dabei handle es sich jedoch um eine Sekundärwirkung der Entgleisung.

Drei Sessel auf Boden geprallt

Gemäss bisherigen Erkenntnissen entgleiste das Seil beim Mast Nummer 11. Die Bahn stoppte automatisch, und das Seil fiel zunächst wie vorgesehen in den Seilfänger.

Danach entgleiste das Seil jedoch vollständig und stürzte ab. Der Sessel des beim Unfall getöteten Deutschen und der schwerverletzten deutschen Touristin prallte auf den Boden. Auch der vordere und hintere Sessel touchierten das Gelände.

Befragung der Passagiere

Warum das Seil aus dem Seilfänger fiel, soll nun unter anderem eine Untersuchung der Rollenbatterie zeigen, wie Zeder ausführte. Durchgeführt wird sie vor Ort von der UUS, in Zusammenarbeit mit dem Hersteller der Bahn.

Weitere Erkenntnisse liefern soll die Befragung der Passagiere, die bereits begonnen hat. Die schwerverletzte deutsche Touristin war bisher jedoch nicht einvernahmefähig.

Expertise von MeteoSchweiz

Keine Angaben machen konnte Zeder zur lokalen Windgeschwindigkeit zum Zeitpunkt des Unglücks. Der Windmesser der Bahn zeichnet diese nicht auf. Von MeteoSchweiz will die UUS nun eine Expertise erstellen lassen. Sie soll Aufschlüsse zu den Wind- und Wetterverhältnissen zum Unfallzeitpunkt geben.

Die UUS muss ihren Untersuchungsbericht spätestens in einem Jahr abliefern. Wann mit dem Bericht zu rechnen ist, wollte Zeder nicht sagen.

Kein Betrieb am Tag nach dem Unglück

Zwei leicht verletzte Touristen aus Australien, ein 39-jähriger Mann und eine 48-jährige Frau, konnten das Spital inzwischen verlassen.

Im Skigebiet Kleine Scheidegg standen die Bahnen und Lifte am Freitag den ganzen Tag still. Grund sei der starke Föhnsturm, sagte Kathrin Naegeli, Sprecherin der Jungfraubahnen. Ein Zusammenhang mit dem Unfall vom Donnerstag bestehe nicht. (sda)

Bereits Züge verweht

Gestern ist es auf der kleinen Scheidegg wegen starker Windböen zu einem Sessellift-Unfall gekommen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Wind auf der Kleinen Scheidegg für Probleme sorgt. Vor zwölf Jahren, am 11. November 1996 hob ein Föhnsturm gar einen Zug der Wengernalpbahnen aus den Schienen.

Rund 80 Personen sollten wegen des Föhnsturms vom Jungfraujoch über die Kleine Scheidegg nach Grindelwald evakuiert werden. 80 Touristen bestiegen einen besonders schweren Wagen der Zahnradbahn mit Ziel Grindelwald. Um die Wagen, in denen die Touristen evakuiert werden sollten, noch schwerer zu machen, waren zusätzlich Schneeschleudern angehängt worden.

Knapp unter der Kleinen Scheidegg wurde der Zug von einer besonders starken Windböe um die 150 km/h erfasst, die den 50 Tonnen schweren Triebwagen aus den Schienen hob. Mehrere asiatische Touristinnen erlitten leichte bis mittelschwere Verletzungen.

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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