Nervenkitzel: Seilpark-Branche boomt
Aktualisiert

NervenkitzelSeilpark-Branche boomt

Seilparks schiessen wie Pilze aus dem Boden. Der Verband rechnet für dieses Jahr mit einem Rekord von 400 000 Eintritten.

von
Alex Hämmerli
Spass für Wagemutige: Seilpark in Engelberg. (Bild: swiss-image.ch)

Spass für Wagemutige: Seilpark in Engelberg. (Bild: swiss-image.ch)

Seilparks werden immer beliebter. Im vergangenen Jahr zählte der Verband Schweizer Seilparks rund 350 000 Eintritte. Dieses Jahr dürften es gut 50 000 mehr sein, schätzt Verbandspräsident Pit Bangerter. Mittlerweile gibt es in der Schweiz 36 solche Klettergärten. Allein auf diese Saison hin sind sechs neue dazugekommen. Die Kosten für den Bau eines Seilparks belaufen sich auf 300 000 bis 500 000 Franken.

«Die Entwicklung ist enorm», sagt Bangerter. Die ersten Seilparks habe es in der Schweiz um die Jahrtausendwende gegeben. Seither sei der Boom nicht mehr aufzuhalten.

Die Freizeitaktivität kommt aus den Vereinigten Staaten. Dort nutzte das Militär die Seilgartenelemente zum Training der körperlichen Fitness seiner Soldaten. Mitte der Sechzigerjahre setzten sich die Seilparks auch in Form von Outdoor-Seminaren durch. Der erste europäische Seilpark entstand im Jahr 1978 in Frankreich. Inzwischen sind die ­Anlagen laut Bangerter besonders bei Schulreisen, Vereins- und Firmenanlässen ­beliebt. «Die Gäste suchen Bewegung und Spannung.»

Bangerter betont, dass Unfälle in kommerziellen Seilparks höchst selten vorkommen. 2009 habe der Verein gerade mal zwölf leichte Verletzungen registriert. In den allermeisten Fällen seien die Unfälle zudem selbst verschuldet gewesen.

«Der Sport ist nicht tubelisicher»

Thomas Fisch, Sicherheitsingenieur für Freizeitanlagen bei Swiss TS über Sicherheit und Zertifizierung von Seilparks.

Es gibt immer wieder Unfälle in Seilparks. Wer haftet?

Nur wenn offensichtliche Mängel in der Instruktion oder an der Anlage vorliegen, haftet der Betreiber.

Sind Ihnen schwere Mängel bei Anlagen bekannt?

Nein, die Schweizer Seilparks sind generell in gutem Zustand. Gravierende Sicherheitsrisiken bestehen nicht.

Was ist die grösste Gefahr?

Die grösste Gefahr liegt beim Benutzer selber. Man muss sich bewusst sein, dass man eine gewisse Eigenverantwortung hat. Der Sport ist nicht tubelisicher.

Braucht es Seilpark-Lizenzen?

Die Prüfung durch uns und die Stiftung Safety in Adventures geschieht auf freiwilliger Basis. Es gibt eine EU-Norm, doch diese ist nicht verbindlich.

Sollten Seilparks nur mit einem Sicherheitszertifikat betrieben werden dürfen?

Eine Prüfung ist sicher sinnvoll. Letztlich muss aber der Gesetzgeber entscheiden, ob und in welcher Form er den Betrieb von Seilparks regeln will.

(ahi)

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