«Sein Körper begann instinktiv zu feuern»
Aktualisiert

«Sein Körper begann instinktiv zu feuern»

Fast zwei Jahre nach den tödlichen Schüssen auf 24 Bewohner der irakischen Stadt Haditha steht der Prozess gegen einen weiteren Beschuldigten auf der Kippe.

Der mit den Ermittlungen beauftragte US-Oberstleutnant Paul Ware kam am Donnerstag zu dem Schluss, dass die Beweislage für einen Prozess vor dem Militärgericht nicht ausreiche. Er empfahl daher, die Anklage abzuweisen.

Dem 26 Jahre alten US-Hauptgefreiten Stephen Tatum wird der Totschlag von zwei Mädchen und die fahrlässige Tötung von zwei Männern, einer Frau und einem Jungen vorgeworfen. Er war an einem Militäreinsatz in Haditha beteiligt, bei dem am 19. November 2005 insgesamt 24 Männer, Frauen und Kinder erschossen wurden. Auslöser der Bluttat soll der Tod eines US-Soldaten bei einem Bombenanschlag gewesen sein.

Tatum habe zwar auf Zivilpersonen geschossen und sie getötet, sagte Oberstleutnant Ware. Er habe aber nicht aus Rache gehandelt oder um zu morden, sondern im Einklang mit seiner Ausbildung und entsprechend der besonderen Umstände des Einsatzes. «Sein Körper begann, instinktiv zu feuern, während sein Kopf versuchte zu begreifen, auf was und warum er schoss», schrieb Ware zur Begründung für seine Empfehlung. «Als er erkannte, dass er auf Kinder schoss, hatte sein Körper schon gehandelt.»

Wares Empfehlung ist nicht bindend. Die letzte Entscheidung über die Zulassung der Anklage trifft der zuständige Kommandeur, Generalleutnant James Mattis. Dieser ist allerdings schon in drei weiteren Fällen im Zusammenhang mit Haditha der Empfehlung gefolgt, die Anklage fallenzulassen.

Ermittelt wird unter anderem noch gegen Stabsunteroffizier Frank Wuterich, dem Totschlag von 18 Männern, Frauen und Kindern zur Last gelegt wird. In seinem Fall ist für den 30. August eine Anhörung vor dem Kriegsgericht angesetzt. Ware hat in seiner Erklärung zum Fall Tatum aber bereits hinzugefügt, dass Wuterich auf «legitime Ziele» gefeuert habe. Ein Anwalt Tatums, Jack Zimmerman, begrüsste die Empfehlung Wares. Rechtsexperten und Menschenrechtsgruppen haben sich aber zunehmend besorgt über den Verlauf der Militärgerichtsverfahren geäussert. (dapd)

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