Inzaghi sagt ciao: Sein Revier war der Strafraum
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Inzaghi sagt ciaoSein Revier war der Strafraum

Filippo Inzaghi, kaltschnäuziger Strafraumstürmer und Schwalbenkönig, hat genug. Eine äusserst erfolgreiche und stets an der Grenze des Erlaubten geführte Karriere geht zu Ende.

von
Alexandra Stäuble

«Ich verlasse den Klub, weil der Moment dafür gekommen ist. Danke Milan, danke Fussball», liess Filippo Inzaghi vergangenen Freitag auf der Website der AC Milan verlauten. Milans Schwalbenkönig und Torjäger vom Dienst kehrt dem Profifussball den Rücken. Dabei glänzte Inzaghi während seinen 17 Profijahren nie wirklich - ausser es ging um Tore. Der bald 39-Jährige lauerte meist faul im gegnerischen Strafraum und schob dann ein, wenn es nötig war. Dabei stand er so oft im Abseits wie kaum ein anderer.

Die Karriere von Inzaghi schien bereits im November 2010 zu Ende zu gehen. Der Stürmer, der 2001 für 37 Millionen Euro von Juventus Turin kam, erlitt einen Kreuzbandriss sowie einen Meniskusschaden im linken Knie. Mit 38 Jahren. Ein halbes Jahr später unterbreitete Milan seinem «Oldie» etwas überraschend einen neuen Einjahresvertrag. Während seiner Abschiedssaison kam er aber nur noch sporadisch zum Einsatz. Erst, als er sich das rotschwarz gestreifte Trikot ein allerletztes Mal überstreifte, machte er endlich wieder das, was er in den vergangenen elf Jahren so oft getan hat: Er schoss Milan zum Sieg.

«Zum Laufen sind andere da»

Inzaghi hat während seiner Zeit bei den Rossoneri beinahe alles gewonnen, was es im Fussball zu gewinnen gibt: Zweimal die Champions League, zweimal den Scudetto sowie einmal den nationalen Cup. Zudem holte er sich 2006 mit Italien den WM-Titel.

Van Bommel weint beim Abschied

«Mein Revier ist der Strafraum, zum Laufen sind andere da», sagte Inzaghi einst. In der Tat: Er stand stets da – an der Grenze zum Abseits natürlich – und wartete. Während 90 Minuten fiel er kaum auf, ausser es ertönte ein Pfiff, weil der faule Stürmer mal wieder zu weit vorne stand. Alex Ferguson vermutete einst, Inzaghi sei «im Abseits geboren». Seit seinem Serie-A-Debüt bei Parma 1995 hat er diese Spielweise perfektioniert. Während den elf Jahren in Mailand netzte er so 125 Mal ein. Aber nicht nur sein unglaublicher Torriecher liess die gegnerischen Abwehrreihen vor Ehrfurcht erstarren. Im Strafraum mussten diese stets darauf achten, dass nicht zu tief ausgeatmet wurde, wenn Inzaghi in der Nähe war. Denn er beherrschte es wie kein anderer, schon bei einem zarten Hauch zu Boden zu fallen.

So konnte er auch im Champions-League-Spiel gegen Real Madrid in der Saison 20010/2011 auf die Unterstützung des Linienrichters zählen. In der 60. Minute eingewechselt, drehte er die Partie mit zwei Treffern in der 68. und 78. Minute. Das zweite Tor war typisch Inzaghi. Der Stürmer traf aus einer klaren Abseitsposition heraus und sicherte Milan einen Punkt gegen die scheinbar übermächtigen Madrilenen.

In der Champions League trifft Pippo besonders gut

Der geborene Strafraumstürmer fühlte sich ausserhalb der Serie A besonders wohl. In allen Uefa-Vereinswettbewerben erzielte er 70 Tore – 50 davon in der Champions League. Nur ein Spieler hat mehr getroffen in der Königsklasse: Raúl. Der 34-jährige Spanier kam während seiner Zeit bei Real Madrid (1994-2010) und Schalke 04 (2010-2012) bei insgesamt 144 CL-Einsätzen auf 71 Treffer.

Auch der FC Liverpool musste 2007 schmerzhaft erfahren, wie grausam Superpippo ist. Wiederum hatte der Stürmer grosses Glück, dass sein 2:0 im CL-Final in Istanbul zählte. Das Tor war ebenfalls von der Marke «halblegal». Nach einem perfekten Zuspiel von Kaká startete Inzaghi aus äusserst abseitsverdächtiger Position, liess Reina mit einer Täuschung stehen und schob ein. Der schmächtige Mann aus Piacenza sicherte dem Berlusconi-Klub den siebten Titel der Vereinsgeschichte und nahm sogleich Revanche an Liverpool, das Milan im CL-Finale von 2005 besiegte. Damals war Pippo nicht mit von der Partie.

Die Reds kamen gleich doppelt in den Geuss von Inzaghis Können, denn auch das 1:0 konnte er sich gutschreiben lassen. In seiner kuriosen und einzigartigen Art und Weise schlich er sich bei einem Freistoss von Teamkollege Andrea Pirlo hinter die gegnerische Mauer. Einfach so – so sah es zumindest aus - lief er in den Freistoss hinein und lenkte den Ball so ab, dass Liverpools Keeper Pepe Reina geschlagen war. Dies sei mit voller Absicht geschehen, sagte der Stürmer nach der Partie. Typisch Inzaghi: Lange war nichts von ihm zu sehen, doch am Ende traf er aus seiner Unsichtbarkeit heraus doppelt.

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