Aktualisiert 11.03.2018 07:55

Thomas N. in Haft

«Seine schlimmen Taten flössen Respekt ein»

Werden die Häftlinge dem Killer von Rupperswil die Haft zum Horror machen? Ein forensischer Psychiater glaubt, dass sie ihn verschonen werden.

von
B. Zanni
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Für den forensischen Psychiater Ramon Vettiger ist Thomas N.s Inhaftierung im Gruppen- statt Einzelvollzug jedoch nicht fragwürdig. «Wir haben in der Schweiz keine amerikanischen Verhältnisse», sagt er. Einzelhaften würden in der Schweiz in nur sehr seltenen Fällen angeordnet.

Für den forensischen Psychiater Ramon Vettiger ist Thomas N.s Inhaftierung im Gruppen- statt Einzelvollzug jedoch nicht fragwürdig. «Wir haben in der Schweiz keine amerikanischen Verhältnisse», sagt er. Einzelhaften würden in der Schweiz in nur sehr seltenen Fällen angeordnet.

Keystone/Gaetan Bally
Im Gruppenvollzug kann sich Thomas N. normal mit anderen Häftligen in einer Gruppe bewegen. Auch isst und arbeitet er mit ihnen.

Im Gruppenvollzug kann sich Thomas N. normal mit anderen Häftligen in einer Gruppe bewegen. Auch isst und arbeitet er mit ihnen.

Keystone/Ennio Leanza
Die 5000-Seelen-Gemeinde Rupperswil wurde am 21. Dezember 2015 durch den Vierfachmord erschüttert.

Die 5000-Seelen-Gemeinde Rupperswil wurde am 21. Dezember 2015 durch den Vierfachmord erschüttert.

jen/tem

Thomas N.* muss sich ab dem 13. März vor dem Bezirksgericht Lenzburg für eines der brutalsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte verantworten. Am 21. Dezember 2015 ermordete er in Rupperswil Carla S.* (48), deren zwei Söhne Davin und (13) Dion (19) sowie Dions Freundin Simona F.* (21). Den jüngsten Sohn hatte er zuvor sexuell missbraucht.

Der «Blick» berichtete am Samstag, dass sich Thomas N. in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies derzeit nicht wie erwartet in Einzelhaft, sondern im Gruppenvollzug befindet. Dies, obwohl eine Einzelhaft bei pädosexuellen Straftätern häufig angeordnet werde – aus Angst Mithäftlinge könnten sie attackieren.

«Einzelhaften werden selten angeordnet»

Bei der Einzelhaft wird der Inhaftierte von den Mitgefangenen und teilweise auch vom Gefängnispersonal während 22 bis 24 Stunden vollständig isoliert. Laut dem Schweizerischen Kompetenzzentrum für Menschenrechte handelt es sich um die weitgehendste Form des Freiheitsentzugs. Dieser wird oft als Haft innerhalb der Haft bezeichnet.

Für den forensischen Psychiater Ramon Vettiger ist Thomas N.'s Inhaftierung im Gruppen- statt Einzelvollzug jedoch nicht fragwürdig. «Wir haben in der Schweiz keine amerikanischen Verhältnisse», sagt er. Einzelhaften würden in der Schweiz in nur sehr seltenen Fällen angeordnet. «Das ist etwa der Fall, wenn ein Insasse von Mitinsassen bedroht wird oder eine Gefahr für diese darstellt.»

Thomas N. werde verschlossen sein

Laut Vettiger muss sich Thomas N. zwar für eine aussergewöhnlich grausame Tat verantworten. Dennoch sei wahrscheinlich, dass die anderen Häftlinge N. verschonen. «Weil seine Taten so schlimm sind, flösst er den anderen Respekt ein.»

Laut Vettiger werden die Gefängnisaufseher auf N. aber ein wachsames Auge richten. «Wenn es aber Anzeichen für eine Gefährdung gibt, würde eventuell auch gegen seinen Willen Einzelhaft angeordnet.» In solchen Fällen provoziere aber oft auch der Täter Aggressionen. «Ich habe schon Mitinsassen erlebt, die Täter beschimpften oder drangsalierten, weil diese wegen geistiger Behinderung oder anderen Störungen über ihre Taten sprachen.»

Der forensische Psychiater rechnet damit, dass N. den Mitinsassen gegenüber sehr verschlossen sein wird. «Er wird darauf achten, dass er bei den anderen Insassen nicht durch irgendwelche Bemerkungen ins Schussfeld gerät.»

*Namen der Redaktion bekannt

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