Detailhandel: Seit 2010 sind 5000 Läden verschwunden
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DetailhandelSeit 2010 sind 5000 Läden verschwunden

Migros und Coop bleiben die unangefochtenen Spitzenreiter im Schweizer Detailhandel. Doch die Discounter holen immer weiter auf.

von
kwo
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In den letzten sieben Jahren sind 5'000 Läden in der Schweiz verschwunden. Eine solche Pleite war das Einkaufszentrum Centro Ovale in Chiasso, die erste Dead Mall der Schweiz.

In den letzten sieben Jahren sind 5'000 Läden in der Schweiz verschwunden. Eine solche Pleite war das Einkaufszentrum Centro Ovale in Chiasso, die erste Dead Mall der Schweiz.

Keystone/Karl Mathis
Aldi, Lidl und Denner haben auf dem Schweizer Markt vorwärtsgemacht.

Aldi, Lidl und Denner haben auf dem Schweizer Markt vorwärtsgemacht.

Keystone/Jean-christophe Bott
Nach Jahren des Wachstums geht es mit dem Detailhandel in der Schweiz nun langsam wieder abwärts. Grund ist die Digitalisierung.

Nach Jahren des Wachstums geht es mit dem Detailhandel in der Schweiz nun langsam wieder abwärts. Grund ist die Digitalisierung.

GFK

Die Schweizer Wirtschaft hat den Frankenschock mittlerweile grösstenteils überwunden. Zwar mussten die Detailhändler 2016 erneut einen leichten Rückgang hinnehmen, doch fiel dieser geringer aus als im Vorjahr. Konkret ging der Umsatz im Schweizer Detailhandel um 1,5 Prozent (Vorjahr: 2,2 Prozent) auf 92,5 Milliarden Franken zurück, wie die Marktforscher von GfK schreiben. Ohne Zuwanderung würde das Minus deutlich grösser ausfallen.

Blicke man auf die Hitliste der Lebensmittelhändler, so sei ausserdem sofort ersichtlich, dass die Discounter unter allen Anbietern am besten arbeiteten. Sowohl Denner als auch Aldi Suisse und Lidl hätten ihre Umsätze gegenüber 2015 deutlich steigern können, wohingegen die Grossverteiler und die übrigen Lebensmittelhändler stagniert hätten.

Coop und Migros bleiben an der Spitze

Das heisst allerdings nicht, dass die Schweizer Platzhirsche Migros und Coop um ihre Spitzenposition fürchten müssen. Sie verbleiben unangefochten Nummer eins respektive Nummer zwei. Bei den Discountern wiederum bewegte sich Lidl am deutlichsten nach vorne. Die Nummer 3 unter den Lebensmitteldiscountern rückte von Platz 12 auf den 9. Rang im Schweizer Food-Markt vor.

Mit einer Umsatzzunahme von über 10 Prozent auf 960 Millionen Franken habe Lidl dabei sogar alle Konkurrenten übertrumpft. Noch mehr Plätze machte der Elektronikspezialist Interdiscount gut, der von Rang 15 auf den 10. Platz aufstieg. Im Non-Food-Markt konnte die Coop-Tochter Fust um 2 Prozent zulegen.

Online verdrängt stationären Handel

Ebenfalls thematisiert wird in der GfK-Studie die Verschiebung vom klassischen Geschäft ins Netz. So seien seit dem Jahr 2010 rund 5000 Verkaufsstellen verschwunden. Im Gegensatz dazu böten heute über 10'000 Schweizer Online-Shops – nebst Millionen von internationalen Shops – ihre Produkte und Dienstleistungen an.

Was in den letzten Jahren im Lebensmittelhandel zu beobachten war – Stichwort Lädelisterben –, sei nun auch im Non-Food-Sektor angekommen. Zu kleine oder unklar positionierte Firmen und Marken kämen unter die Räder. Das heisst, dass primär der Fachhandel, sowohl im Lebensmittel- wie im Non-Food-Bereich, zu den Verlierern gehört.

Convenience-Shops legen zu

Trotzdem gibt es auch bei den klassischen Geschäften noch einige Gewinner. So profitierten Parfümerie-Geschäfte, Optiker sowie Hörgerätehändler. Auch die wachsenden Discounter eröffneten neue Verkaufsstellen. Zu guter Letzt hatten auch die Convenience- und Tankstellenshops um rund 11 Prozent zugelegt.

Als Prognose für 2017 gehen die Forscher von GfK von einer Fortsetzung des Verdrängungskampfs aus. In den ersten fünf Monaten des Jahres habe der Schweizer Detailhandel einen leichten Rückgang von minus 0,3 Prozent hinnehmen müssen. «Zusätzlich zum Einkaufstourismus, der auf hohem Niveau stagniert, gehört die Digitalisierung zu den grössten Herausforderungen der Detailhändler», erklären die Studienautoren.

Verknüpfung von on- und offline

Im Online- und Versandhandel seien 2016 bereits 7,8 Milliarden Franken umgesetzt worden – über 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Klar sei aber auch: Die Volumina im Netz wachsen zulasten des stationären Handels. «Behaupten werden sich diejenigen Marktteilnehmer, die on- und offline effizient miteinander verknüpfen und den Trend zur Digitalisierung individuell und punktuell zu nutzen wissen», so das Fazit der Studie.

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