Aktualisiert 23.09.2011 14:45

ErfolgszugSeit 30 Jahren donnert der TGV durch Frankreich

Am 22. September 1981 fuhr der Train à grande vitesse das erste Mal von Paris nach Lyon und läutete damit das Zeitalter der Hochgeschwindigkeitszüge in Europa ein.

von
jcg

Die einen haben dort ihre grosse Liebe getroffen, die anderen mit Mitreisenden Weihnachten gefeiert: Zwei Drittel aller Franzosen können sich laut einer Umfrage noch an ihre erste Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug TGV erinnern, der am Donnerstag seinen 30. Geburtstag feiert.

«Es gibt eine absolut unglaubliche gefühlsmässige Beziehung zwischen dem TGV und unserem Land», schwärmt Guillaume Pépy, Chef der französischen Staatsbahn SNCF, für die der TGV fährt.

Die Franzosen schätzen an «ihrem» TGV, dass er sie relativ preiswert und deutlich schneller als das Auto auch in kleine Städte bringt - mehr als 200 Reiseziele hat der Zug allein in Frankreich.

Dabei wird es vorerst auch bleiben, denn Pépy bremst die Hoffnungen auf einen weiteren Ausbau: «Man kann sich nicht vorstellen, dass jede Stadt in Frankreich das Recht auf einen TGV haben soll», sagte der Bahnchef im Frühjahr. Die SNCF, die den Markt der Hochgeschwindigkeitszüge in Europa mit knapp 50 Prozent beherrscht, wolle auch auf den Nahverkehr setzen.

Rentabilität sinkt

Pépy machte seine Ankündigung auch mit Blick auf die Zahlen: Laut Barbara Dalibard, Chefin der SNCF-Reisesparte, ist knapp ein Drittel der Strecken nicht rentabel. Die Wirtschaftlichkeit des TGV nehme «in Hochgeschwindigkeit» ab, sagte Dalibard zum Jahreswechsel.

Besonders teuer ist für die SNCF das knapp 8000 Kilometer umfassende Schienennetz, auf dem der TGV fährt. Insgesamt zahlte die Bahn dem Schienenbetreiber RFF im vergangenen Jahr 1,53 Milliarden Euro Gleisgebühren, für 2011 gab es eine Preiserhöhung um fast zwölf Prozent.

Die Billetts sind dennoch relativ billig: «Wir haben es geschafft, die Reisezeit eines Flugzeugs mit dem Geldbeutel der Normalreisenden zweiter Klasse zu vereinbaren», beschreibt François Lacôte, technischer Leiter beim TGV-Bauer Alstom, den Erfolg des TGV seit Anfang der 1980er Jahre.

Seine erste offizielle Fahrt machte der damals noch orangefarbene Zug am 22. September 1981 auf der Strecke Lyon-Paris. An Bord war der damalige Präsident François Mitterrand, der sich als Eisenbahnersohn von der neuen Technik begeistert zeigte.

260 Stundenkilometer fuhr der TGV damals, heute schafft er ein Tempo von 320 Kilometer pro Stunde. Damit macht er auf Strecken wie Paris-Strassburg, für die er nur zwei Stunden und zwanzig Minuten braucht, das Flugzeug überflüssig.

Robuste Technik

Im Gegensatz zum deutschen ICE passierte dem TGV, mit dem in den vergangenen drei Jahrzehnten 1,7 Milliarden Menschen fuhren, auch noch kein schwerer Unfall. Der inzwischen blaue Zug, der auch die Schweiz anfährt, ist robust.

Für die Zukunft hegt der TGV, der seinen Geburtstag bereits im Frühjahr mit einer «Jubiläumstour» durch 16 Städte feierte, grosse Pläne: Hersteller Alstom hofft auf Milliardenaufträge aus Saudi-Arabien und den USA.

Doch in den Vereinigten Staaten könnte die SNCF wegen ihrer Rolle bei der Deportation von Juden im Zweiten Weltkrieg das Nachsehen haben. Auch beim wichtigen Geschäft durch den Ärmelkanal-Tunnel bekommt der TGV-Schwesterzug Eurostar Konkurrenz: Der deutsche ICE will ab 2013 durch den Tunnel nach London fahren.

Ein Highlight erlebte der TGV gut einen Monat vor seinem Geburtstag: auf der Strecke Bordeaux-Paris brachte eine 22-jährige Russin ein Baby zur Welt. Die kleine Amina darf nun bis zu ihrer Volljährigkeit kostenlos mit ihrem «Geburtstagszug» fahren. (jcg/dapd)

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