Transgender: Seit Anfang Jahr gab es schon Hunderte geänderte Geschlechtseinträge

Aktualisiert

TransgenderSeit Anfang Jahr gab es schon Hunderte geänderte Geschlechtseinträge

Über 350 Menschen haben seit Anfang Jahr offiziell ihren Geschlechtseintrag geändert. Dass das Verfahren in der Schweiz vereinfacht wurde, ist für Betroffene eine grosse Erleichterung.

von
Samira Kunz
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Seit Anfang Jahr ist es einfacher, sein Geschlecht auf dem Zivilstandesamt ändern zu lassen.

Seit Anfang Jahr ist es einfacher, sein Geschlecht auf dem Zivilstandesamt ändern zu lassen.

20min/Matthias Giordano
Seither haben Hunderte ihr Geschlecht ändern lassen.

Seither haben Hunderte ihr Geschlecht ändern lassen.

AFP

Darum gehts

  • Seit Anfang Jahr können Menschen schweizweit einfacher ihr eingetragenes Geschlecht ändern.

  • Hunderte nahmen diese Möglichkeit bereits wahr.

  • Von den befürchteten Missbrauchsfällen weiss der oberste Zivilstandsbeamte Roland Peterhans nichts.

Anfang Jahr wurden die Hürden für eine Geschlechtsänderung auf dem Zivilstandesamt heruntergesetzt, worauf schon Hunderte Personen ihren Geschlechtseintrag angepasst haben. Roland Peterhans, der seit 26 Jahren beim Zivilstandesamt Zürich arbeitet, freut sich darüber, wie er im Interview mit der «NZZ am Sonntag» (NZZaS) sagt.

Allein in Zürich 80 Personen

In den zehn grössten Städten hätten schon 350 Personen ihren Geschlechtseintrag angepasst, in Zürich seien es 80, sagt Peterhans. Die von manchen befürchteten Missbräuche der neuen Regelung seien auf seinem Amt noch nicht vorgekommen. «Dass etwa Männer ihr Geschlecht ändern, um früher pensioniert zu werden oder nicht ins Militär zu müssen, ist bei uns bis jetzt nicht eingetroffen», sagt er gegenüber der NZZaS. 

Wenn jemand sein Geschlecht ändern möchte, werde ein Gespräch mit der Person geführt, um zu sehen, ob die gesetzlich vorgeschriebene «innere Überzeugung einer Geschlechtszugehörigkeit» vorhanden sei. Peterhans habe schon rund 30 solche Gespräche geführt und in der Regel dauere das nur zehn Minuten. Für die Betroffenen sei es «ein wahnsinniger Fortschritt, dass sie sich nicht mehr vor einem Gericht entblössen müssen», wie er gegenüber der NZZaS schildert. Praktisch alle Personen, die er bediene, lebten schon seit Jahren in dem Geschlecht, zu dem sie offiziell wechseln wollten.

Bei Kindern waren die Fälle «sonnenklar»

Nicht allen Menschen könne man von aussen ihre Geschlechtszugehörigkeit ansehen. Doch aufgrund der Anmeldung wisse Peterhans, welchem Geschlecht sich die Person zugehörig fühle. Ihm ist es wichtig, «dass ich die Person bereits mit dem Geschlecht begrüsse, das sie sein will», sagt er der NZZaS.

Mit Kindern habe er bis jetzt erst drei Gespräche geführt. «In diesen Fällen war die Sache sonnenklar. Da war auch das Äussere entsprechend dem neuen Geschlecht», so Peterhans. Unter 16 Jahren müssten sie in Begleitung vorbeikommen, während die 16- bis 18-Jährigen alleine kommen könnten. Aber auch Letztere seien alle in Begleitung gekommen. «Jemand kam zu dritt mit Freunden, und die haben das im Anschluss richtig gefeiert», beschreibt Peterhans gegenüber der NZZaS.

Peterhans fordert auch ein drittes Geschlecht: «Es gibt einfach Leute, die nicht männlich und nicht weiblich sind und denen diese Änderungsmöglichkeit nicht hilft.» Während es in anderen Ländern diese Möglichkeit gebe, sei das hier nicht der Fall. Wenn eine Person aus Deutschland mit dem Geschlecht «divers» in die Schweiz komme, könne er diese nicht im Register erfassen. 

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen, Tel. 079 104 81 69

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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