Aktualisiert 04.05.2020 14:53

Camgirls

«Seit der Corona-Krise haben wir Tausende Buchungen»

Im Sexgewerbe herrschen aufgrund des Coronavirus noch immer starke Einschränkungen. Virtueller Sex boomt hingegen. Camgirl Lina* gibt Einblicke in ihren Job.

von
Julia Ullrich
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«Wir sind per Zufall zum Camgirl-Business gekommen. Schon zuvor fragten uns viele Leute immer nach Nacktbildern oder Videos, irgendwann haben wir dann einfach gesagt, dass wir dafür Geld wollen. So kam dann alles ins Rollen», sagt Lina.

«Wir sind per Zufall zum Camgirl-Business gekommen. Schon zuvor fragten uns viele Leute immer nach Nacktbildern oder Videos, irgendwann haben wir dann einfach gesagt, dass wir dafür Geld wollen. So kam dann alles ins Rollen», sagt Lina.

Swisscamgirls
Linas Familie weiss über ihren Job Bescheid. «Sie befürworten meine Entscheidung», so die 22-Jährige.

Linas Familie weiss über ihren Job Bescheid. «Sie befürworten meine Entscheidung», so die 22-Jährige.

Swisscamgirls

Darum gehts

  • Aufgrund des vom Bundesrat verhängten Lockdown sind Erotik-Etablissements geschlossen. Davon profitieren vor allem Camgirls.
  • Lina (22) und ihre Freundinnen sind unter dem Pseudonym Swisscamgirls im Webcam- und Pornogeschäft tätig.
  • Hier gibt Lina Einblicke in ihren Alltag.

Obwohl der Bundesrat seit vergangenen Montag einige Lockerungen im Kampf gegen das Coronavirus umgesetzt hat, bleiben manche Branchen noch immer geschlossen. Besonders betroffen ist das Sexgewerbe. Bordelle und Erotiketablissements sind seit Mitte März geschlossen, doch während der körperliche Kontakt beinahe stillsteht, boomt ein anderer Teil der Branche: das virtuelle Sexgewerbe.

Hunderte junge Frauen bieten auf einschlägigen Plattformen Camsex und Nacktbilder an, auch selbst gedrehte Pornovideos stehen hoch im Kurs. Lina* (22) und ihre Freundinnen sind seit knapp einem Jahr unter dem Pseudonym Swisscamgirls im Sexgewerbe tätig. Zu 20 Minuten sagt sie, wie sie dazu kam und warum sie von der Corona-Krise profitiert.

Lina*, wieso arbeitest du als Camgirl und wie kamst du dazu?

Wir sind per Zufall dazu gekommen, da uns viele Leute auf Social Media nach freizügigen Fotos und Videos gefragt haben. Irgendwann haben wir dann einfach mal gesagt, dass die Sachen Geld kosten. So hat das Ganze dann seinen Lauf genommen und ist mit der Zeit immer professioneller geworden. Ich liebe es einfach, mich zu zeigen, wenn jemand dann noch dafür bezahlt, ist das der Hammer. Also, warum nicht?

Was ist ein Camgirl?

Camgirls, auch Webcam-Models genannt, sind Frauen, die sich vor der Kamera im Internet präsentieren. Meist führen sie dabei sexuelle Aktivitäten aus, denen man gegen Bezahlung zuschauen kann. In den letzten Jahren sind auch immer mehr Männer in die Branche eingestiegen. Im Vergleich zu Pornos gehen Camgirls/-boys auf ihre Kunden ein und bieten meist neben ihren Live-Shows auch einzelne Sessions an.

Wissen deine Freunde und Familie was du genau machst, oder führst du eine Art Doppelleben?

Meine Freunde und Familie wissen, was wir oder ich machen, und befürworten unsere Entscheidung. Es klingt eigentlich wie in einem Film: Ich lebe mit meiner Freundin, die ich bereits seit der Schulzeit kenne, zusammen in einer Dreier-WGgemeinsam mit einem jungen Mann. Dort bekommen wir öfter Besuch von anderen ehemaligen Schulkameradinnen und drehen dann gemeinsam die Videos. Wir sind alles Schweizerinnen und zwischen 18 und 23 Jahre alt.

Wie läuft das ab und wie bucht man eure Dienste?

Wir haben Inserate bei grossen Sex-Plattformen. Dort sehen die Kunden unsere Handynummern und können so mit uns in Kontakt treten. Über Whatsapp versenden wir gegen Geld Bilder oder Videos von uns. Zudem arbeiten wir auch als Camgirls.

Was genau bietet ihr an und wo sind eure Tabus?

Wir bieten Lesbenvideos, Sexfilme vor allem im Fetisch-Bereich, getragene Wäsche und vieles mehr an. Tabus gibt es aber auch, dazu gehören Sachen, die illegal sind. Damit wollen wir nichts zu tun haben, auch wenn es «nur» Rollenspiele sind, wie etwa Inzest-Fantasien.

Verdienst du mit dem Cam-Sex gut?

Also Zahlen nennen wir nicht, es reicht auf jeden Fall, um zu überleben und um Markenklamotten zu kaufen. Durch die Coronakrise und das Prostitutionsverbot sind die Buchungen schon mehr geworden. In Zahlen haben wir gemeinsam etwa ein paar Tausend Buchungen für Bilder, Videos und Camsex pro Monat. Aber es ist derzeit auch etwas schwierig, weil seit Covid-19 viele Fake-Girls aufgetaucht sind. Diese bieten Videos aus dem Internet an und geben sie als ihre eigenen aus. Davon wollen wir uns abheben und versuchen daher, auf die Wünsche unserer Kunden einzugehen.

Bereitest du dich speziell auf die Treffen vor und wie sieht dein Alltag aus?

Ich bereite mich nicht darauf vor, da ich keine physischen Treffen anbiete, nur virtuelle. Unser Alltag ist verschieden, wir können von überall aus arbeiten. Wenn die Corona-Krise nicht wäre, wären vielleicht irgendwo anders auf der Welt. Wir stehen jeden Tag früh auf, arbeiten hart und belohnen uns dafür sehr gut, so wie es bei jedem sein sollte. Unsere Cam-Dienste bieten wir ab 14 Uhr an. Videos und Bilder schon vorher. Insgesamt sind wir eigentlich von 8 bis 1 Uhr erreichbar und auch am Arbeiten.

Wie sieht dein typischer Kunde aus?

Wir haben quasi aus jedem Bereich Kunden vom Lehrling (ab 18 Jahren) über Lehrer, Bauarbeiter, Manager, bis hin zum Anwalt.

Bereiten dir die Sessions selber auch Lust?

Natürlich bereiten mir die Sessions Lust, sonst würde ich es nicht machen. Ich komme dabei auch selbst zum Höhepunkt. Jeder kann sich selbst ein Bild davon machen, ich will nicht zu viel versprechen oder verraten

*Name der Redaktion bekannt

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