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Gold-Junge Steve Guerdat«Seit ich klein war, habe ich davon geträumt»

Der frischgebackene Olympiasieger Steve Guerdat strahlt kurz nach seinem Gold-Ritt über das ganze Gesicht. Für den Westschweizer erfüllt sich ein Kindheitstraum.

von
Monika Reinhard
London

Immer wieder rutscht Steve Guerdat in den ersten Interviews nach seinem Gold-Ritt an den Olympischen Spielen in London das Wort «unglaublich» über die Lippen. Der heutige Sieg sei ein unglaubliches Gefühl. «Seit ich klein war, habe ich davon geträumt und jetzt ist es wahr geworden», meint der Jurassier mit Wohnsitz in Herrliberg. Er strahlt über das ganze Gesicht.

Doch der Olympiasieger gibt sich bescheiden. «Ich habe das Glück mit Nino im Scheinwerferlicht zu stehen», sagt der 30-Jährige und gibt die Lorbeeren weiter an sein Entourage. «Ich habe eine Equipe hinter mir, die so hart dafür gearbeitet hat. Und ich bin wohl nicht immer ganz einfach. Sie stehen immer hinter mir. Ich bin einfach stolz, das ich etwas zurückgeben kann.» Rund 15 Leute, grösstenteils Familienmitglieder, würden sich um ihn kümmern.

«Nino ist ein Phänomen»

Stolz ist Guerdat auch auf sein Pferd, Nino de Buissonets. «Er ist ein Phänomen. Das ist ein Pferd, das ohne Fehler springen will.» Der 11-jährige Wallach habe alle Qualitäten: Respekt, Kraft und die notwendigen Fähigkeiten. «Er ist ein Pferd, das in die Geschichte eingehen wird. Und ich glaube, das hat er auch verdient.»

Der Schweizer betont, dass Nino auch noch für ein Stechen bereit gewesen wäre. Postwendend fügt er aber hinzu: «Zum Glück musste ich das aber nicht mehr». Bei den letzten drei Reitern im zweiten Durchgang habe er nicht zusehen können. «Ich musste das Pferd bewegen, falls es zum Stechen kommen würde. Ich habe aber gehört, dass die Stange runter fiel – und das war dreimal der Fall. Super!»

Nur die Medaille im Kopf

Dass es mit dem Olympiasieg geklappt hat, bedeutet für Guerdat «pures Glück.» Er sei am Morgen aufgestanden und habe nur die Medaille im Fokus gehabt. Mit etwas anderem habe er sich gar nicht befasst. «Ich habe nicht daran gedacht, was passiert, wenn ich keine Medaille gewinne. Ich war zuversichtlich und ich war nicht nervös.» Das Ergebnis sah man auf dem Platz: Der Schweizer absolvierte als einziger Reiter beide Parcours fehlerfrei. Dafür durfte er im Anschluss an die Medallienzeremonie die Gratulationen von Sportminister Ueli Maurer entgegennehmen.

Als 30-Jähriger hat Guerdat nun bereits zwei Olympia-Medaillen auf dem Konto: 2008 gewann er mit dem Team Bronze, nun in London Gold im Einzel. Vergleicht man ihn beispielsweise mit dem 65-jährigen Kanadier Ian Millar, so kann man den Jurassier fast als «Jüngling» bezeichnen. Ob er sich auch noch in 35 Jahren hoch zu Ross sieht? «Ich weiss es nicht. Ich habe Spass an dem was ich mache. Und ich habe Lust, es für den Rest meines Lebens zu tun», sagt Guerdat. «Aber manchmal ändern sich die Dinge im Leben. Momentan möchte ich allerdings nichts ändern.»

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