Pratteln BL: «Seit Jahren stinkt es nach grilliertem Schwein»
Aktualisiert

Pratteln BL«Seit Jahren stinkt es nach grilliertem Schwein»

Weil im Quartier jedes Wochenende im grossen Stil Spanferkel zubereitet werden, breitet sich in Pratteln ein quälender Gestank aus. Die Bewohner fühlen sich machtlos.

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jd/daf
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In Pratteln stinkts gewaltig. In dieser Hütte werden an den Wochenenden gut ein Dutzend Säue gebraten. Der Gestank sei so schlimm, dass an Lüften nicht zu denken sei, klagt eine Anwohnerin.

In Pratteln stinkts gewaltig. In dieser Hütte werden an den Wochenenden gut ein Dutzend Säue gebraten. Der Gestank sei so schlimm, dass an Lüften nicht zu denken sei, klagt eine Anwohnerin.

Neben dem Verschlag bei den Bahngeleisen befindet sich ein Tauben-Käfig. Alles mache einen sehr unhygienischen Eindruck.

Neben dem Verschlag bei den Bahngeleisen befindet sich ein Tauben-Käfig. Alles mache einen sehr unhygienischen Eindruck.

Der Eingang des Grill-Geländes am Ende des Bözbergwegs. Manchmal seien Blutspuren zu sehen, so die Prattelerin.

Der Eingang des Grill-Geländes am Ende des Bözbergwegs. Manchmal seien Blutspuren zu sehen, so die Prattelerin.

Privat

Seit vier Jahren bringt der Geruch nach gebratenem Schwein die Pratteler beinahe um den Verstand. «Am Sonntag mal schön ordentlich durchlüften – denkste. Die Luft ist so verpestet, das mir manchmal richtig schlecht wird. Es ist einfach nur grusig», beschwert sich eine Anwohnerin des Sonnenwegs. Die Frau, die täglich mit ihrem Hund Gassi geht, kennt auch den Grund der Geruchsemission. In einem Bretterverschlag an der Bahnlinie würde sich eine kleine Gruppe von Männern jeweils an den Wochenenden zwischen Weihnachten und Ostern im grossen Stil dem Braten von Säuen widmen und die Luft verpesten.

«Da fährt ein Wagen vor, beladen mit etwa zehn toten Schweinen, die dann in eine zusammengezimmerte Hütte gebracht und zubereitet werden», erzählt die Prattelerin. Es entstünden teils blutige Spuren, das Ganze sei alles andere als appetitlich. Die Männer, die die Schweine braten, hielten zudem Tauben, die in einem Verschlag neben der Räucherkammer hausen würden. «Es macht alles einen eher unhygienischen Eindruck auf mich», sagt die Leidgeplagte und stellt eine Vermutung in den Raum. «Ich gehe davon aus, dass das Fleisch illegal für Restaurants zubereitet wird. Denn kein Mensch und auch keine Grossfamilie isst das Fleisch von zehn Säuen alleine.»

Behörden sind die Hände gebunden

Den Kampf gegen den schweinischen Gestank habe sie mittlerweile fast aufgegeben. Während sie früher Wochenende für Wochenende zum Telefon gegriffen habe, um die Geruchsmeldestelle zu informieren, wisse sie mittlerweile nicht mehr weiter. Auf Facebook hat sie ihren Ärger nun nochmal kundgetan und stösst mit ihrem Problem auf offene Ohren.

Auch Marcel Schaub, Abteilungsleiter Dienste und Sicherheit der Gemeindeverwaltung Pratteln, weiss von dem Gestank. Laut der Gemeinde haben sich die Gemeindepolizei Pratteln und die Baselbieter Kantonspolizei ein Bild vor Ort gemacht und keine Verstösse gegen die Branschutzordnung oder gegen Hygienebestimmungen festgestellt. «Der Gemeindepolizei sind die Hände gebunden. Der Fall wurde an den Kanton weitergegeben», sagt Schaub. Er rät den geplagten Bewohnern, dran zu bleiben und die Stink-Episoden weiterhin zu melden.

Der Ball liegt bei der Gemeinde Pratteln

Der Kanton spielt den Ball wiederum zurück an die Gemeinde, da diese zuständig sei. Und tatsächlich liegt der besagte Garten auf Boden, der der Gemeinde gehört. Eine Anfrage zur Problematik ist bei der Gemeinde hängig. Man wolle die Sachlage erst analysieren, teilte Gemeindesprecherin Sandra Meier am Dienstagabend gegenüber 20 Minuten mit.

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