31.07.2020 17:42

Wolfsriss auf Alp bei Flums SG

Seit Montag 19 Schafe gerissen

Trotz elektrischem Zaun wurden seit Anfang Woche über ein Dutzend Schafe auf einer Alp im St. Gallischen Schilstal gerissen. Ein Leserreporter (27) fordert, dass Wölfe geschossen werden dürfen.

von
Jeremias Büchel
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Die Schafe wurden mit einem Helikopter abtransportiert. 
Die Schafe wurden mit einem Helikopter abtransportiert. 
Leser-Reporter
Zur Identifizierung des Wolfes stellte der Wildhüter Speichelproben für DNA-Analysen sicher.

Zur Identifizierung des Wolfes stellte der Wildhüter Speichelproben für DNA-Analysen sicher.

Kanton St. Gallen
Die Tiere haben wohl lange gelitten, bis sie tot waren, meint ein Leserreporter.

Die Tiere haben wohl lange gelitten, bis sie tot waren, meint ein Leserreporter.

Kanton St. Gallen



Der Grossteil der toten Tiere wurde am Donnerstagmorgen entdeckt. Laut Medienmitteilung vom Kanton St. Gallen befanden sich die Schafe auf der Alp Fursch im Gemeindegebiet von Flums auf einer Weide, die sowohl mit einem elektrischen Zaun als auch mit natürlichen Grenzen abgezäunt ist. «Zu einem ersten Riss ist es bereits in der Nacht auf Montag gekommen», sagt Arno Puorger, Fachmitarbeiter Jagd, Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen. Vermutlich seien die Wölfe in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nochmals zur Beutestelle gekommen, um weitere Nahrung zu besorgen. Es wird vermutet, dass es sich um ein Wolfspaar handelt, das bereits seit einem Jahr mehrmals in der Region registriert wurde. Zur genauen Abklärung wurden Speichelproben genommen, mit welchen nun die DNA der reissenden Tiere bestimmt werden.

Darum gehts

  • 19 Schafe starben auf einer Alp bei Flums SG bei einem Wolfsriss.
  • Die Schafe waren eingezäunt und konnten deshalb nicht fliehen.
  • Es wird vermutet, dass ein Wolfspärchen hinter dem Riss steckt.
  • Nun werden DNA-Proben ausgewertet.
  • Ein Abschuss ist derzeit kein Thema. Ein Leser-Reporter bedauert das.

Dass Wölfe gleich mehrere Tiere reissen, sei eher ungewöhnlich. Laut Puorger lasse sich das dadurch erklären, dass sich die Wildtiere gar nicht gewohnt sind, dass sich ihnen so ein grosses Nahrungsangebot bietet. Die Wölfe könnten nicht einschätzen, dass die Risse gar nicht nötig wären. «Den Tieren fehlt ein Mechanismus, der sie davon abhält, unnötige Risse zu tätigen», sagt Puorger. Es komme aber auch vor, dass Wölfe später zu den Rissen zurückkehrten, um weiter davon zu fressen. Dass über ein Dutzend Tiere gerissen würden, sei selten der Fall.

Tierhalter gewarnt

Den Schafen bot sich keine Fluchtmöglichkeit, da sie eingezäunt waren. Die Weide ist allerdings nicht durchgehend mit einem Zaun geschützt, da dies aufgrund der felsigen und steilen Topografie nicht möglich ist. Vermutlich seien die Wölfe über offene felsige Stellen in die Weide eingedrungen. «Der Elektrozaun war fachgerecht aufgestellt», sagt Puorger.

Entdeckt wurden die Risse vom Hirten der Herde. In der Folge wurde der Wildhüter aufgeboten, um die Risse zu dokumentieren und bestimmen. Von der Fachstelle für Herdenschutz wurden Nutztierhalter der Region über den Vorfall informiert. Ein Abschuss des Wolfes ist nicht geplant.

«Befürworte, dass Wolf geschossen wird»

Das bedauert ein Leserreporter (27) aus Flums. Er kennt mehrere Älpler, die derzeit Schafe auf den Alpweiden haben und sich Sorgen machen, so auch einer der Betroffenen. Erst Tage vor dem Riss habe ihm der Mann erzählt, dass sich ein Wolf in der Nähe herumtreibe. «Wenn ein Wolf so viele Tiere reisst, dann geschieht das doch nicht aus reinem Hunger», so der 27-Jährige. Für die Schafbesitzer sei das ein herber Verlust. Zudem habe man laut Leserreporter auf den Bildern sehen können, dass die Tiere lange leiden mussten, bis sie gestorben sind. «Ich befürworte klar, dass solche Wölfe geschossen werden dürfen.» Grundsätzlich könne man in der Schweiz gut auf Wölfe verzichten. «Dass der Wolf bei uns ausgerottet wurde, war in Ordnung», so der Leser. Er hofft, dass bei der Abstimmung zum Jagdgesetz im September kein Nein herauskommt.

Abstimmung über Jagdgesetz verschoben

Der Abstimmungssonntag von 17. Mai 2020 wurde wegen des Coronavirus verschoben. Das hatte der Bundesrat im März entschieden. Das revidierte Jagdgesetz, die Begrenzungsinitiative der SVP sowie das Votum über die Kinderdrittbetreuungskosten gelangen am 27. September an die Urne.

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