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FlugsicherheitSeit Sullys Heldentat starben 70'000 Vögel

New York liess in den letzten acht Jahren zehntausende Vögel töten. Sie gefährdeten den Flugverkehr rund um die drei grossen New Yorker Flughäfen.

von
vbi
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Nachdem der Airbus A320 mit kanadischen Gänsen kollidierte, musste er auf dem Hudson River notlanden. (15. Januar 2009)

Nachdem der Airbus A320 mit kanadischen Gänsen kollidierte, musste er auf dem Hudson River notlanden. (15. Januar 2009)

Keystone/AP/Steven day
Rund 70'000 Gänse, Möwen, Stare und andere Vögel wurden in New York City in den acht Jahren nach dem Vorfall beseitigt. Die meisten davon wurden abgeschossen.

Rund 70'000 Gänse, Möwen, Stare und andere Vögel wurden in New York City in den acht Jahren nach dem Vorfall beseitigt. Die meisten davon wurden abgeschossen.

AP/Kathy Willens
Rund um die drei Flughäfen LaGuardia, Newark und JFK in New York City werden täglich mehr als zwanzig Vögel getötet.

Rund um die drei Flughäfen LaGuardia, Newark und JFK in New York City werden täglich mehr als zwanzig Vögel getötet.

Google Maps

Rund 70'000 Gänse, Möwen, Stare und andere Vögel wurden in New York City seit 2009 beseitigt. Die meisten davon abgeschossen. Der Grund dafür ist die Notlandung von Pilot Chesley «Sully» Sullenberger auf dem Hudson River am 15. Januar 2009, nachdem Gänse in die Turbinen der Maschine geraten waren.

Ob das Schlachten der Vögel die Sicherheit der Flugzeuge erhöht, sei nicht klar, schreibt der «Guardian». Trotzdem werden allein bei den drei Flughäfen in New York City – LaGuardia, Newark und JFK – täglich mehr als zwanzig Vögel getötet.

Tierschützer fordern Alternativen

Kleinere Vögel geraten fast täglich in die Turbinen, fügen dem Flugzeug in der Regel aber keinen Schaden zu. Trotzdem wurden gemäss Daten der Flughäfen 35'000 europäische Stare getötet. In derselben Zeit gab es nur eine einzige Schadensmeldung eines Flugzeugs durch diese Vogelart.

Tierschützer finden deshalb, dass die Behörden einen besseren Weg finden müssen, die Vögel von den Start- und Landebahnen der Flughäfen fernzuhalten, wie «Daily News» schreibt.

Lebensraum muss verändert werden

«Es muss eine langfristige Lösung geben, die das Töten stoppt und den Luftraum sicher macht», so Jeffrey Kramer von der Tierschutzorganisation GooseWatch NYC.

Was im Flieger so alles schiefgehen kann

Merkwürdige Passagiere, technische Störungen oder schlechtes Wetter - im Flugzeug ist man Naturgewalten aller Art ausgesetzt. Manchmal werden diese auf Video festgehalten.

So wären beispielsweise bessere Radarsysteme eine tierfreundliche Lösung. Weiter wird aber auch versucht, die Vögel umzusiedeln. Zudem wird der Lebensraum rund um die Flughäfen so verändert, dass sie für Vögel weniger attraktiv sind. Die New Yorker Flughafenbehörde unterzeichnete letztes Jahr einen Fünfjahresvertrag mit dem US-Landwirtschaftsministerium, um diese Alternativen zu erforschen. Dafür wurden umgerechnet 9,2 Millionen Franken bereitgestellt.

Vor acht Jahren wurde Pilot Sully zum Helden

Als der US Airways Flug 1549 am 15. Januar 2009 vom LaGuardia-Flughafen in Richtung Seattle losflog, kollidierte er drei Minuten nach dem Abheben mit einem Schwarm grosser kanadischer Gänse. Beide Triebwerke fielen aus, der Airbus A320 flog im Gleitflug weiter. Dem Piloten Sully gelang weitere drei Minuten später eine Notwasserung auf dem Hudson River zwischen New York und Weehawken.

Nachdem die Maschine zum Stillstand gekommen war, leitete die Kabinencrew die Evakuierung der Passagiere ein. Alle 150 Passagiere und die fünf Besatzungsmitglieder überlebten. Sully wurde zum Nationalhelden – die Vögel zum Staatsfeind.

2016 wurde Sullys Geschichte von Regisseur Clint Eastwood verfilmt.

Offizieller Trailer Sully

Video: Warner Bros. GmbH

Flughafen Zürich kennt das Problem auch

Vogelschlag gehört auch am Klotener Flughafen fast zur Tagesordnung – rund 100 Meldungen pro Jahr verzeichnet Zürich. Um die Zahl der Kollisionen mit den Tieren so gering wie möglich zu halten, wird ein Vogelschlag-Beauftragter eingesetzt, der die Tiere vergrämt, vor allem mittels Petarden. Allerdings darf er diese Massnahme nicht zu oft anwenden, da sich die Tiere sonst daran gewöhnen.

Ein weiteres Rezept ist die Landschaftsgestaltung: Das Gras wird bewusst nicht gestutzt, damit Greifvögel ihre Beute nicht so leicht finden wie auf kurzgeschorenem Rasen. Beute, in diesem Fall kleines Getier wie Mäuse, wird mit Zäunen und Fallen vom Gelände abgehalten.

Dennoch bereiten die grösseren Greifvögel dem Flughafen Zürich immer wieder Sorgen. Nimmt der Vogelschlag markant zu, dann erteilt die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung meistens eine Abschussbewilligung.

Sully: Miracle on the Hudson' Screening

«Sully: Miracle on the Hudson»

Die mirakulöse Landung von Sully wurde 2016 verfilmt.

Video: AFP

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