Autogaragen am Limit - «Seit Wochen werden wir wegen Hagelschäden überrannt»
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Autogaragen am Limit«Seit Wochen werden wir wegen Hagelschäden überrannt»

Hagel, Überschwemmungen und Stürme sorgen für viele Schadensfälle an Autos in der Schweiz. Garagen sind darum vielerorts ausgelastet und müssen Überstunden leisten.

von
Barbara Scherer

Viele Autos sind vom Hagel verbeult. Daniel Kiener, Inhaber der Carrosserie Kiener AG repariert auch beschädigte Teslas. Das kann aber teuer werden.

20 Minuten

Darum gehts

  • Es stürmt wieder in der Schweiz, dabei werden viele Autos beschädigt.

  • Garagen in den Unwettergebieten kommen mit den Reparaturen kaum mehr hinterher.

  • Besonders häufig sind Hagelschäden.

Dellen, Kratzer und nasse Polster: Heftige Unwetter ziehen über die Schweiz und beschädigen zahlreiche Autos. Garagen sind darum zurzeit vielerorts im Dauereinsatz: «Seit Wochen werden wir überrannt mit Hagelschäden», sagt Daniel Kiener, Inhaber der Carrosserie Kiener AG in Schönbühl (BE).

Viele Fahrzeuge seien vom Hagel verbeult. Einige Autos wurden im Sturm auch durch herabfallende Gegenstände, wie Ziegel, getroffen. «Zudem haben wir einige Wasserschäden von Fahrzeugen, die unter Wasser standen», so Kiener.

Weil einige Mitarbeitende noch in den Ferien sind, ist sein Team voll ausgelastet. In der Carrosserie wird darum zurzeit nun sechs Tage in der Woche gearbeitet und es werden viele Überstunden geleistet. Trotzdem komme es zu Wartezeiten: «Unsere Hagelabteilung ist bis Ende Jahr ausgebucht», sagt Kiener. Man lasse aber keine Kunden im Regen stehen und suche für alle optimale Lösungen.

Die Kiener AG ist eine der wenigen autorisierten Tesla-Karosseriewerkstätten und kann darum auch die teuren Elektroautos flicken. Wie teuer die Reparatur eines Teslas nach einem Hagelsturm werden kann, erfährst du im Video oben.

Seit vier Wochen nur Hagelschäden

Alle Hände voll zu tun, hat auch die Carrosserie Luigi Taveri AG in Wädenswil (ZH): «Wir beulen seit vier Wochen nur Hagelschäden aus», sagt eine Mitarbeiterin zu 20 Minuten. Auch hier müssen die Angestellten Überstunden leisten, aufgrund der Ferienabsenzen.

Die Garage Tobler AG in Küssnacht am Rigi (SZ) hatte bis vor einer Woche ebenfalls extrem viele Autos mit Hagelschäden. Bei vielen Fahrzeugen waren die Windschutzscheiben zerstört: «So massive Schäden haben haben wir schon lange nicht mehr gesehen», sagt ein Mitarbeiter zu 20 Minuten.

Damit nicht genug: Jetzt hat das Unwetter auch noch die Garage selber getroffen: «Unsere ganze Ausstellhalle wurde geflutet», heisst es weiter. Darum sei das Unternehmen im Moment vor allem mit der Reparatur der eigenen Schäden beschäftigt.

Zuerst Front- und Heckscheiben reparieren

Auch beim grössten Schweizer Autohändler Amag verzeichnet man mehr Kundennachfragen wegen Unwetterschäden, wie ein Sprecher bestätigt. Betroffen seien Betriebe in den Kantonen Zug, Zürich, Schaffhausen oder Luzern.

Besonders häufig seien Karosserie- oder Glasschäden. «Aktuell reparieren wir mit erster Priorität die eingeschlagenen Front- und Heckscheiben», heisst es weiter. So können die Fahrzeuge schnell wieder genutzt werden und die Kunden sind mobil.

Die Abarbeitung der Hagelschäden an den Karosserien werde wohl einige Monate in Anspruch nehmen. Das sei aber kein Problem, denn die Autos können auch mit Hagelschaden «bis zum Reparaturtermin uneingeschränkt genutzt werden».

100 Franken pro Beule

Wie teuer ein Hagelschaden kommt, hängt von der Anzahl und der Grösse der Beulen ab. Der Preis könne zwischen 500 und 10’000 Franken liegen, heisst es von Seiten der Carrosserie Luigi Taveri AG in Wädenswil: «Zusätzliche Kosten verursachen Lackschäden und eingeschlagene Scheiben», erklärt eine Mitarbeiterin.

Laut dem Handwerker-Portal Ofri muss pro Beule mit knapp 100 Franken gerechnet werden. Das Ausbessern einer Delle mit Spachtelmasse koste bis zu 300 Franken. Damit Hagelschäden von der Versicherung bezahlt werden, muss man eine Teilkaskoversicherung haben. Denn die obligatorische Autohaftpflichtversicherung deckt diese Schäden nicht ab.

So hat die Versicherung Axa seit Mitte Juni bis Mitte Juli mehr als als 33’000 Meldungen für Hagelschäden mit einer Versicherungssumme von über 143 Millionen Franken erhalten. Dabei geht es bei drei Viertel der Schäden um Fahrzeuge.

So schützt du dein Auto vor Hagel:

Hagelkörner können nicht nur die Karosserie beschädigen, sondern auch Scheiben knacken oder zerbrechen. Wird Hagel erwartet, sollten alle Fahrzeuge darum an einen überdachten Ort gestellt werden, wie eine TCS-Sprecherin sagt. Alle, die ihr Auto draussen parkieren müssen, können eine Hagelplane verwenden, die das Fahrzeug relativ gut schützt. Unter einem Baum sollte nicht geparkt werden, weil herunterfallende Äste das Auto beschädigen könnten. Wer auf der Autobahn unterwegs ist, darf laut TCS nicht unter einer Autobahnbrücke anhalten: Man muss die die Geschwindigkeit und die Lichter den Bedingungen anpassen. «Nebelscheinwerfer können verwendet werden, wenn die Sicht stark eingeschränkt ist.» Betroffene Autofahrende sollten dann einen überdachten Parkplatz abseits der Autobahn oder auf einem Rastplatz finden.

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