Gefährlicher Sex: Seitensprünge gefährden die Gesundheit
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Gefährlicher SexSeitensprünge gefährden die Gesundheit

Eigentlich steigert Sex das Risiko für einen Herzinfarkt nicht. Das gilt aber nicht für Männer, die zu jungen Geliebten oder Prostituierten gehen.

von
jcg
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Hat ein Mann Sex mit einer Prostituierten oder einer jungen Geliebten, geht er ein erhöhtes Risiko ein, an einem Herzinfarkt zu sterben.

Hat ein Mann Sex mit einer Prostituierten oder einer jungen Geliebten, geht er ein erhöhtes Risiko ein, an einem Herzinfarkt zu sterben.

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Frankfurter Rechtsmediziner untersuchten 56 tödliche Herzinfarkte beim Sex. Mehr als die Hälfte der Betroffenen starb bei Geliebten oder Prostituierten, nur jeder vierte dieser Männer bei der Ehefrau. Der Rest ist bei der Selbstbefriedigung gestorben.

Frankfurter Rechtsmediziner untersuchten 56 tödliche Herzinfarkte beim Sex. Mehr als die Hälfte der Betroffenen starb bei Geliebten oder Prostituierten, nur jeder vierte dieser Männer bei der Ehefrau. Der Rest ist bei der Selbstbefriedigung gestorben.

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Sex in der Beziehung ist damit nicht nur im Bezug auf Geschlechtskrankheiten sicherer, sondern auch weniger gefährlich fürs Herz. Selbst nach einem Herzinfarkt erhöht Sex das Risiko für eine erneuten Infarkt nicht.

Sex in der Beziehung ist damit nicht nur im Bezug auf Geschlechtskrankheiten sicherer, sondern auch weniger gefährlich fürs Herz. Selbst nach einem Herzinfarkt erhöht Sex das Risiko für eine erneuten Infarkt nicht.

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Sex führt nicht zu mehr Herzinfarkten, wie eine Ulmer Langzeitstudie zeigt – wenn er in der Partnerschaft erfolgt. Ausserhalb sind die Aussichten dagegen deutlich weniger rosig, wissen Frankfurter Rechtsmediziner zu berichten. Doch von vorne: Ein Team um Dietrich Rothenbacher von der Universität Ulm untersuchte 536 Infarktpatienten im Alter von 30 bis 70 Jahren über einen Zeitraum von zehn Jahren. Zunächst sollten die Teilnehmer die Häufigkeit ihrer sexuellen Aktivitäten während der zwölf Monate vor ihrem Infarkt angeben.

Mehr als die Hälfte von ihnen hatte in diesem Zeitraum mindestens einmal wöchentlich Geschlechtsverkehr, etwa 15 Prozent waren abstinent gewesen. Zudem sollten sie berichten, wann sie vor ihrem Infarkt zuletzt Geschlechtsverkehr hatten. Nur drei Teilnehmer hatten in der Stunde davor Sex, bei fast 80 Prozent lag der Verkehr schon mehr als 24 Stunden zurück.

Keine Sorgen machen

In den folgenden zehn Jahren ereilte in der Gruppe 100 Menschen erneut ein Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderes kardiovaskuläres Ereignis. Die Häufigkeit ihrer sexuellen Aktivität beeinflusste das Risiko aber nicht negativ. Auf Grundlage dieser Daten sei es sehr unwahrscheinlich, dass normaler Sex Auslöser von Infarkten sei, betont Rothenbacher.

«Es ist wichtig, diesen Patienten zu versichern, dass sie sich keine Sorgen machen müssen und ihr gewohntes Sexualleben wieder aufnehmen können», betont der Epidemiologe. Allerdings schränkt er die Aussage für Männer etwas ein: Die etwa zur Puls- und Blutdrucksenkung verordneten Beta-Blocker beeinträchtigen demnach die Erektionsfähigkeit.

«Das sollte bei der Verordnung auch mitgeteilt werden», so Rothenbacher. Schlucken Männer dann Potenzmittel wie etwa Viagra und nehmen sie wegen ihrer Herzbeschwerden zusätzlich Nitrate ein, so drohe ein plötzlicher Blutdruckabfall – bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Bislang gebe es nur wenige Daten zu den Risiken von sexuellen Aktivitäten bei Patienten mit Herzinfarkt, schreiben die Forscher im «Journal of the American College of Cardiology». Nach einem Infarkt würden weniger als die Hälfte der Männer und weniger als ein Drittel der Frauen von ihrem Arzt diesbezüglich beraten.

Infarkt bei der Geliebten

Ältere Studien hatten zudem darauf hingewiesen, dass Seitensprünge gefährlicher sind als Sex in der Partnerschaft. Rechtsmediziner der Universität Frankfurt hatten 60 registrierte Fälle analysiert, bei denen ein Partner beim Sex gestorben war. 56 der Opfer waren Männer, die einem Herzinfarkt erlagen. Im Durchschnitt waren sie 59 Jahre alt.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen starb bei Geliebten oder Prostituierten, nur jeder vierte dieser Männer bei der Ehefrau, wie das Magazin «Bild der Wissenschaft» (Stuttgart) berichtete. Der Rest sei bei der Selbstbefriedigung gestorben. Britische Wissenschaftler kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Über die Gründe können die Forscher nur spekulieren. Eine These besagt, dass sich ältere Männer beim Seitensprung mehr anstrengen als zu Hause. Auffällig war in der Frankfurter Studie, dass die jeweilige Prostituierte oder Geliebte im Schnitt 20 Jahre jünger war als ihr Sexualpartner. Es blieb in der Studie jedoch offen, ob tödliche Herzinfarkte beim Seitensprung den Rechtsmedizinern eher bekannt werden als beim Sex im Ehebett. (jcg/sda)

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