Erpressungsversuch: Seitensprung-Betrüger fordert Geld von Opfern
Aktualisiert

ErpressungsversuchSeitensprung-Betrüger fordert Geld von Opfern

Jetzt ist klar, wie der Verfasser der Seitensprung-Briefe, die in einigen Zürcher Briefkästen lagen, damit Geld machen will: Er verlangt Lohn für die illegale Arbeit eines «Kollegen».

von
num
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Dieser Mann ist laut H. L.* der Unbekannte, der vergangene Woche an verschiedenen Standorten Briefe eingeworfen hat, in denen er von einem Seitensprung berichtet, den einer der Hausbewohner angeblich begangen haben soll.

Dieser Mann ist laut H. L.* der Unbekannte, der vergangene Woche an verschiedenen Standorten Briefe eingeworfen hat, in denen er von einem Seitensprung berichtet, den einer der Hausbewohner angeblich begangen haben soll.

Leser-Reporter
Im Wortlaut sind sich die Briefe offenbar alle sehr ähnlich, wie Zeugen berichten. Der Polizei wurden bisher fünf Fälle gemeldet.

Im Wortlaut sind sich die Briefe offenbar alle sehr ähnlich, wie Zeugen berichten. Der Polizei wurden bisher fünf Fälle gemeldet.

Leser-Reporter
Das Motiv des Mannes ist noch unbekannt. Fest steht, dass er es nicht gezielt auf eine konkrete Person abgesehen hat.

Das Motiv des Mannes ist noch unbekannt. Fest steht, dass er es nicht gezielt auf eine konkrete Person abgesehen hat.

Leser-Reporter

«Ich habe mich tödlich aufgeregt, als ich den Brief gesehen habe. Das ist doch eine Sauerei!», sagt Alberto F.* (78). Seine Freundin Verena B.* (73) hatte einen Brief des Seitensprung-Betrügers im Briefkasten. «Wir fallen aber auf so etwas nicht rein», sagt er.

Mehrere Personen in Zürich erhielten den handgeschriebenen Brief. Darin schreibt der unbekannte Verfasser die immer gleichen Sätze: «Hallo, tut mir leid, es Ihnen so mitteilen zu müssen, aber ich konnte Sie nicht antreffen. Ihr Lebensgefährte betrügt Sie mit meiner Freundin.»

Mittels E-Mail-Adresse solle man mit ihm in Verbindung treten. Er habe Beweisfotos und Nachrichten vom Handy der «Freundin», die er zeigen könne. Bisher vermuteten die Empfänger des Briefes, dass sie so aus dem Haus gelockt werden sollten. Verena schickte dem Betrüger ein Mail, ging scheinbar auf das Angebot ein.

Ist es ein Deutscher?

Prompt folgte die Antwort: «Ich habe mit einem Kollegen aus unserer Computer-Abteilung gesprochen, er wird heute im Laufe des Tages die Fotos und Textnachrichten für mich vom Mobiltelefon kopieren.» Danach schrieb der Betrüger, dass er dem fiktiven Kollegen eine Entschädigung von 4500 Franken zahlen wolle, da das Kopieren der Beweisfotos «nicht ganz legal» sei. Er schlägt vor, diese Kosten zu teilen. Und danach höflich: «Geben Sie mir doch Bescheid, wenn Sie einverstanden sind.»

Verena ging mit Alberto zur Polizei und erstattete Anzeige. Die Stadtpolizei hatte letzte Woche noch mitgeteilt, dass das Schreiben des Briefes alleine noch keine Straftat sei – die Geldforderung dürfte dies aber ändern.

Eine Auffälligkeit in den Briefen ist dem Opfer ins Auge gestochen. «Er schreibt in seinen Briefen, er sei ‹auf Arbeit›, doch das sagt kein Schweizer – eher ein Deutscher.» Noch deutlicher sei die Grussformel am Ende des Briefes. «Er schreibt ‹Liebe Grüsse› mit dem deutschen Doppel-S, das ist auch ziemlich auffällig.»

*Name von der Redaktion geändert.

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