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Skandal in MexikoSekte hält Heimkinder sechs Jahre gefangen

15 Kinder sind vor sechs Jahren in Mexiko spurlos aus einem Heim verschwunden. Jetzt sind sie wieder aufgetaucht. Eine Sekte hatte sie «adoptiert».

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Über ein Dutzend Kinder verschwanden im Jahr 2008 aus dem Heim Casitas del Sur in Mexiko. (Screenshot: Azteca Noticias)

Über ein Dutzend Kinder verschwanden im Jahr 2008 aus dem Heim Casitas del Sur in Mexiko. (Screenshot: Azteca Noticias)

Eine mysteriöse Sekte unweit der mexikanischen Hauptstadt hat wohl mehr als ein Dutzend Heimkinder jahrelang gefangen gehalten. Die Kinder waren im Jahr 2008 aus dem Heim Casitas del Sur im Süden von Mexiko-Stadt verschwunden, das von einer evangelikalen Kirche betrieben wird.

Vergangene Woche tauchten drei der Vermissten im Büro der Staatsanwaltschaft des Staats Puebla auf, wie die Behörden am Dienstag mitteilten. Inzwischen sind 12 von insgesamt 15 verschwundenen Kindern wohlbehalten wiedergefunden worden. Einige von ihnen seien bereits volljährig, schreibt die Zeitung «MDZ».

Erste Razzia vor fünf Jahren

Offenbar waren die Kinder innerhalb der Gemeinde illegal zur Adoption freigegeben worden. Die Behörden hatten die Kleinen aus zerrütteten Familien in dem Heim untergebracht. Zuflucht fanden dort auch jene, um die sich ihre Eltern kurzfristig nicht kümmern konnten.

Doch als einige der Verwandten ihre Kinder zurückhaben wollten, fehlte von ihnen jede Spur. Daraufhin gab es im Jahr 2009 eine erste Polizeirazzia in dem Heim, bei der Dutzende Kinder gerettet wurden. Etliche von ihnen blieben jedoch jahrelang vermisst.

Sekte ist den Experten bekannt

Die Kirche wies jede Verwicklung in ihr Verschwinden zurück. Der mexikanische Sektenexperte Bernardo Barranco macht der Organisation schwere Vorwürfe: «Sie hat die Situation der Kinder ausgenutzt und sie nach ihren Vorstellungen erzogen.»

Barranco erinnert sich noch, wie es war, als die Polizei zum ersten Mal die Kinder aus dem Heim holte: «Sie haben kein Tageslicht ertragen, wollten keinen Kontakt zu Menschen und hatten Angst, weil sie meinten, dass alles in der Aussenwelt böse sei.»

Die Anwältin einer Kinderhilfsorganisation, Margarita Griesbach, schob den Behörden die Schuld zu: «Oft werden die Kinder in Institutionen gesteckt, die dann nicht mehr kontrolliert werden.»

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