Velos auf Trottoir: «Selbst die Polizei ist mit Kontrollen überfordert»
Aktualisiert

Velos auf Trottoir«Selbst die Polizei ist mit Kontrollen überfordert»

Die Trottoirs würden zunehmend von Velos oder E-Boards vereinnahmt. Dagegen kämpft die Fussgänger-Lobby mit einer Petition.

von
B. Zanni
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Trottoirs sind laut dem Verband Fussverkehr Schweiz auf dem besten Weg, zur Fahrbahn zu werden. Am Freitag reichte der Verband deshalb dem Bundesrat eine Petition zur «Rettung des Trottoirs» ein.

Trottoirs sind laut dem Verband Fussverkehr Schweiz auf dem besten Weg, zur Fahrbahn zu werden. Am Freitag reichte der Verband deshalb dem Bundesrat eine Petition zur «Rettung des Trottoirs» ein.

Keystone/Christian Beutler
Ein Dorn im Auge sind dem Verband Kleinfahrzeuge mit Elektromotor wie E-Trottinetts, Solowheels, ...

Ein Dorn im Auge sind dem Verband Kleinfahrzeuge mit Elektromotor wie E-Trottinetts, Solowheels, ...

Keystone/Martial Trezzini
... Hoverboards und E-Skateboards, die trotz Verbot auf Trottoirs anzutreffen sind und für Konflikte sorgen.

... Hoverboards und E-Skateboards, die trotz Verbot auf Trottoirs anzutreffen sind und für Konflikte sorgen.

Keystone/Swen Pförtner

Ein Velofahrer kracht in einen Passanten, ein Fussgänger wird von vorbeiflitzenden E-Trottinetts bedrängt, ein anderer stolpert über einen Post-Roboter: Vor solchen Horrorszenarien sind Fussgänger auf Schweizer Trottoirs laut dem Verband Fussverkehr Schweiz nicht mehr weit entfernt. Denn das Trottoir sei auf dem besten Weg, zur Fahrbahn zu werden. Am Freitag reichte der Verband deshalb dem Bundesrat eine Petition zur «Rettung des Trottoirs» ein.

Ein Dorn im Auge sind dem Verband Kleinfahrzeuge mit Elektromotor wie E-Trottinetts, Solowheels, Hoverboards und E-Skateboards, die trotz Verbot auf Trottoirs anzutreffen sind und für Konflikte sorgen. Unverständlich finden die Fussgänger zudem den Vorschlag des Bundesrats, Kindern bis 12 Jahren das Velofahren auf dem Trottoir zu erlauben, wenn Radweg oder Velostreifen fehlen. Zurzeit ist dies nur den bis Sechsjährigen erlaubt. Den Vorschlag machte der Bundesrat im Rahmen einer Änderung der Verkehrsregeln und Signalisationsvorschriften, die das Bundesamt für Strassen in der ersten Jahreshälfte in die Vernehmlassung schicken will.

«Velos werden leichtfertig aufs Trottoir gelenkt»

«Um eine gefährliche Verkehrssituation zu entschärfen, werden die Velos heute leichtfertig aufs Trottoir gelenkt statt dass attraktive und sichere Velowege gebaut werden», kritisiert Verbandspräsident und SP-Nationalrat Thomas Hardegger. Dazu seien Mischareale für Fussgänger und Velofahrer geschaffen worden, in denen nun auch E-Bikes und E-Trottinetts verkehren dürften. Dies führe zu zahlreichen Konflikten. «Fahren künftig auch 12-Jährige, gern in Gruppen und meist schon recht zackig, mit Velos über Trottoirs, wird es sehr gefährlich.» Auch seien schwach motorisierte E-Bikes von stark motorisierten äusserlich nicht zu unterscheiden. «Selbst die Polizei ist mit den Kontrollen überfordert und scheut die Auseinandersetzung mit Fehlbaren. «Weil diesen angesichts unklarer Regeln oft das Unrechtsbewusstsein fehlt.»

Die Petition fordert deshalb getrennte Wege für Fussgänger und Velofahrer innerorts sowie ein Veloverbot auf Trottoirs mit Ausnahme von Kindern bis acht Jahren. Auch sollen Spass- und Transportfahrzeuge mit Motor auf Gehflächen verboten werden. Weiter verlangt die Petition verständliche und praxistaugliche Regelungen. Hardegger: «Es darf nicht so weit kommen, dass sich Leute aus Angst vor dem Trottoir nicht mehr auf die Strasse trauen.» Insbesondere betroffen seien Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

Die Baudirektoren müssten endlich vorwärtsmachen, sagt auch Matthias Aebischer, Präsident von Pro Velo Schweiz und SP-Nationalrat. «Ist der Wille da, kann man mit baulichen Massnahmen viel Konfliktpotenzial zwischen Velofahrern und Fussgängern aus dem Weg schaffen.» Das Velofahren auf dem Trottoir nur Kindern bis acht Jahren zu erlauben, berge hingegen Gefahren. «Manche Kinder brauchen etwas länger, bis sie richtig Velo fahren können.»

«Sehe schwarz für den Autoverkehr»

Die Autolobby hingegen hat Vorbehalte. «In der Schweiz fehlt uns schlicht der Platz für eine strikte Trennung von Fussgängern und Velofahrern», sagt Thomas Hurter, SVP-Nationalrat und Präsident des Automobil-Clubs Schweiz (ACS). Sinnbildlich dafür sei, dass man Spuren sogar verringert habe. «Auch wurden Bushaltestellen auf Strassen verlegt, um den Verkehr zu entschleunigen.» Die einzige Lösung sei, die Verkehrsteilnehmer vermehrt füreinander zu sensibilisieren.

Auch Verkehrspolitiker Walter Wobmann traut der Petition nicht über den Weg. «Wenn ich bedenke, wie autofeindlich gewisse Städte geworden sind, sehe ich für den Autoverkehr jetzt schwarz», sagt der SVP-Nationalrat. Er befürchte, dass der motorisierte Verkehr zugunsten getrennter Fussgänger- und Velowege zunehmend verdrängt werde. «Es würde mich auch nicht wundern, wenn die Autofahrer als Milchkuh der Nation dafür noch zur Kasse gebeten würden.»

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