Papier ist Trumpf: Selbst E-Shopper bezahlen lieber per Rechnung

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Papier ist TrumpfSelbst E-Shopper bezahlen lieber per Rechnung

Schweizer bevorzugen es auch im digitalen Zeitalter, ihren Einkauf mit einer Rechnung zu begleichen. Anbieter tun gut daran, ihren Kunden diese Option nicht zu verwehren.

von
Gérard Moinat

Ohne Rechnung läuft im Schweizer Onlinehandel nichts: Auch im Jahr 2011 bezahlen bei Inlandbestellungen im Internet 92 Prozent der Kunden mit Rechnung. Nur 5 Prozent mit der Kreditkarte (siehe Grafik).

Das zeigen die Zahlen des Schweizer Versandhandelsverbandes VSV. Der Schweizer Online- und Versandhandel setzte letztes Jahr 5,1 Milliarden Franken um — 3,8 Milliarden davon entfielen auf Onlinebestellungen. Zwei Drittel der Bestellungen geschehen somit Online.

Verbreitetes «Zug um Zug»-Denken

Für Patrick Kessler, Präsident des Versandhandelsverbandes, sind verschiedene Gründe für diesen eigentlichen Anachronismus verantwortlich.

Für den Kunden seien es vor allem psychologische Aspekte, die für das Bezahlen per Rechnung sprechen würden: Sei es die Macht der Gewohnheit, bessere Kontrolle oder Sicherheit für den Bestellenden.

Vor allem gehe es beim Bezahlen gegen Rechnung aber um Macht: «Das Zug um Zug Geschäft – sprich erst Ware, dann Geld — ist in vielen Köpfen noch tief verankert», weiss Kessler.

«Kaufabbruchquote» deutlich tiefer

Die Konsequenz: Für Händler sei das Anbieten der Rechnungs-Option nach wie vor Pflicht. Zwar kostet das mehr, aber Rechnungen bieten auch ihnen Vorteile, weil damit mehr Flexibilität in Form von Ratenzahlungen möglich sei. Zudem wüssten die Händler durch die Art und Weise der Rechnungsbegleichung besser, wer ihre Kunden sind.

Doch das Bezahlen per Rechnung hat noch einen weiteren grossen Vorteil: Kunden brechen in Web-Shops ihren Kaufvorgang deutlich weniger ab, wenn sie jenes Zahlungsverfahren angeboten bekommen, das sie sich wünschen.

Im E-Commerce-Leitfaden der Uni Regensburg beschreiben die Autoren, dass die so genannte «Kaufabbruchquote» bei Einführung von Rechnung um durchschnittlich 81 Prozent zurückgeht. Sprich: Nur noch einer von fünf Kunden löscht seinen digitalen Warenkorb, nachdem ein Shop das Bezahlen mit Rechnung eingeführt hat.

Breite Bezahlmöglichkeiten bedeuten Erfolg

Daniel Röthlin, Geschäftsführer von Ex Libris, kann die Studienerkenntnisse nur bestätigen: «Um im Internethandel erfolgreich zu sein, ist es elementar, seinen Kunden die Möglichkeit zum Bezahlen gegen Rechnung anzubieten.» Möglichst breite Bezahlmöglichkeiten kämen einher mit Erfolg.

Beim Online-Elekronikshop Digitec hat man bisher auf die Möglichkeit zum Bezahlen auf Rechnung verzichtet, da der «Aufwand für Inkasso und die Ausfälle und Betrüge» zu hoch sei. Aber auch dort denkt man um: «Wir planen das Bestellen gegen Rechnung», verspricht Digitec-Sprecherin Stefanie Hynek.

Definition Rechnung

Eine Rechnung ist ein Dokument, welches einem Schuldner im Zuge eines Handelsgeschäftes in Papier- oder elektronischer Form zugestellt wird und vom Schuldner eine zeitverzögerte Bezahlung der Forderung auslöst.

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