Vorsicht Eckbälle: Selbst nach der Supergala wird gemotzt
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Vorsicht EckbälleSelbst nach der Supergala wird gemotzt

Bayern München zerlegt den HSV mit dem 9:2 in seine Einzelteile. Aber jene, die den Bundesliga-Dino demütigten, werden wohl wieder auf der Ersatzbank verschwinden.

von
fox

Bayern München verpasste zwar den frühzeitigen Meistertitel. Aber nach dem 9:2 gegen den HSV erklärte Xherdan Shaqiri: «Dann halt nächste Woche in Frankfurt.» Dass die Münchner Meister werden, steht ausser Frage. Schaffens sies tatsächlich am 28. Spieltag, wäre es die früheste Titelentscheidung aller Zeiten. Was es dazu braucht, ist ein Sieg in Frankfurt.

Shaqiri war bei der Gala – oder wie es Trainer Jupp Heynckes nannte «zeitweise Lehrbuch-Fussball» - einer der Besten. Die «Süddeutsche» schrieb in ihrer Einzelkritik: «Bis Hamburg ist die Meldung selbst im Informationszeitalter noch nicht durchgedrungen, dass Xherdan Shaqiri ein guter Fussballer ist. So durfte er völlig unbedrängt nach fünf Minuten aus 20 Metern den Ball ins Toreck schiessen (1:0), durfte freistehend die Flanke zum 2:0 schlagen, durfte ungestört vor dem 5:0 an den Pfosten zielen. Wuselte und fummelte und verwirrte die Gegenspieler, als hätte er alleine so viel Energie wie die ganze Hamburger Mannschaft, inklusive der Ersatzspieler.» Nun, beim HSV ist bekanntlich Thorsten Fink Trainer. Der sollte Shaqiri eigentlich kennen.

Vierthöchster Sieg der Bayern

Der HSV – die «Welt» hat die drei Buchstaben neu mit Hilflosigkeit, Scham und Versprechen betitelt – erlebte in der Allianz Arena sein blaues Wunder. Nie zuvor verlor das einzige ewige Mitglied der Bundesliga zuvor in 50 Jahren so hoch. Einzig 1963/64 gabs ebenfalls ein 2:9. Damals gegen 1860 München. Die Hamburger dürften langsam aber sicher ein Bayern-Trauma haben. Gegen kein Team gewann der Rekordmeister öfter (56-mal) und gegen kein anderes hat der HSV mehr Tore kassiert (208).

Gleich viele Tore für ein Team fielen in der Bundesliga zuletzt vor 13 Jahren bei Leverkusen gegen Ulm (9:1). Für die Bayern war es der vierthöchste Sieg der Geschichte (27.11.1971: 11:1 gegen Dortmund, 13.3.1984: 9:0 gegen Kickers Offenbach, 10.9.1976: 9:0 gegen TeBe Berlin). In der gesamten Bundesliga-Historie liegt die Gala aber «nur» auf dem geteilten achten Rang. Den Rekordsieg hält seit 1978 Mönchengladbach mit dem 12:0 gegen Dortmund.

Shaqiri und Co. wieder auf die Bank – Sammer motzt

Die grossen Figuren bei der Demonstration waren neben Shaqiri der vierfache Torschütze Claudio Pizarro oder der ewige Dribbler Arjen Robben. Sie dürften allerdings schon am Dienstag ihren Platz nicht auf der grossen Bühne, sondern unter der Wolldecke auf der Ersatzbank finden. Weil dann geht's im Champions-League-Viertelfinal gegen Juventus Turin. Die geschonten Franck Ribéry, Thomas Müller oder Mario Mandzukic dürften dann wieder in der Startelf stehen. Während Karl-Heinz Rumenigge vor dem Knüller verkündete: «Wir gehen mit Optimismus in das Spiel», hört sich das bei Thomas Müller etwas zurückhaltender an: «Mit einem 9:2 rechne ich nicht.»

Nach der Mega-Show und dem zehnten Sieg in Serie in der Bundesliga (Rekord von Gladbach 86/87 und Wolfsburg 08/09 eingestellt) wären die Bayern aber nicht die Bayern, wenn sie auch schon wieder nörgeln würden. Sportchef Matthias Sammer warnt: «Die Gegentore sollten uns wachrütteln.» Zweimal wurde der Rekordmeister bei einem Eckball erwischt. Corner sind seit längerer Zeit ein ungeliebtes Übel des Liga-Krösus. Das mussten sie im letzten Champions-League-Final gegen Chelsea ebenfalls bitter erfahren – und Juventus kennt diese Schwäche genau.

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