Grow up: Selbstständig werden zu Corona-Zeiten
Publiziert

Grow upSelbstständig werden zu Corona-Zeiten

Im neuen Jahr endlich den eigenen Betrieb zu eröffnen, erscheint dir angesichts der andauernden Krise nicht die beste Idee zu sein? Experten geben Entwarnung.

von
Dominic Benz

Auf das musst du achten, wenn du dich im nächsten Jahr selbstständig machen willst.

Den Neujahrsvorsatz, 2021 endlich den eigenen Betrieb zu eröffnen, haben viele Geschäftstüchtige angesichts der wirtschaftlich sehr unsicheren Lage wohl zunächst auf Eis gelegt. Die Krise zieht fast alle Branchen und Berufe in Mitleidenschaft, und besonders Selbstständige leiden unter den behördlichen Massnahmen und den damit verbundenen Einnahmeausfällen – und die langfristigen Folgen sind noch nicht ersichtlich. Zurzeit von Firmenneugründungen abzuraten, scheint die logische Konsequenz zu sein. Oder nicht?

Wie Ensar Can, Projektleiter im Bereich Bildung und Forschung beim Verband der Schweizer Unternehmen Economiesuisse betont, bieten Krisen immer auch Möglichkeiten und Chancen: «Natürlich sollte man in Krisenzeiten potenzielle Risiken, welche die Selbstständigkeit mit sich bringt, abwägen. Ist die Idee aber gut und besteht ein Markt, gibt es keinen Grund, um abzuwarten.»

Zeit bis zum Launch nutzen

Sollte einem das Risiko aber trotzdem zu gross sein und man mit der Umsetzung noch weitere Entwicklungen abwarten möchte, sollte man die Zeit bis zum Launch des Projektes unbedingt nutzen! «Vertiefte Markt- und Kundenanalysen könnten helfen, den Geschäftsstart zu vereinfachen», rät Can und empfiehlt allenfalls auch entsprechende Weiterbildungen.

In jeder Krise gibt es Branchen, die plötzlich aufblühen. Zurzeit boomende Bereiche sind unter anderem vor allem der Online-Handel oder Lieferdienste. Daneben florieren aber auch Trends, mehr zu Hause zu machen, wie Gärtnern oder Handwerken. Hierzu betont Can: «Eine Analyse von Economiesuisse zeigt auf, dass auch in Branchen mit negativer Beschäftigungsentwicklung viele Stellen aufgrund von Innovationen entstehen können.»

So realisierst du deine Geschäftsidee

• Finde zuallererst heraus, wofür dein Herz schlägt und ob sich deine Idee überhaupt realisieren lässt.
• Entwickle und erprobe die neue Geschäftsidee, bevor du deinen Job kündigst. So merkst du in dieser frühen Phase auch, ob Selbstständigkeit überhaupt das Richtige ist für dich.
• Schreibe nach Möglichkeit einen Businessplan, in welchem du dich mit der geeigneten Rechtsform, der Finanzierung oder steuerlichen Fragen beschäftigst.

Neben dem Konsumverhalten der Menschen wird auch deren Arbeitsverhalten zurzeit in vielerlei Hinsicht einem Wandel unterzogen. Homeoffice und flexible Arbeitszeiten bringen viele Arbeitgeber dazu, mit ihren Geschäftsmodellen neue Wege zu gehen. Solche Faktoren sollten in deiner Planung nicht vergessen gehen.

Wenig Einkommen

Auch solltest du dir bewusst sein, dass du bei deinem Herzensprojekt zumindest in der Anfangsphase mit weniger Einkommen auskommen musst. Bis eine Geschäftsidee richtig ins Rollen kommt – und dafür gibts leider keine Garantie – braucht es Geduld und Durchhaltevermögen. Und schliesslich soll es ja auch nicht nur darum gehen, möglichst reich zu werden, sondern die Freiheit zu haben, das zu tun, was dich glücklich macht.

«Der Erfolg steht und fällt mit der Geschäftsidee», betont Can und fügt an: «Diese muss allerdings durchdacht sein, und auch Planung ist ein wichtiger Faktor.» Jungunternehmer, die sich im kommenden Jahr also selbstständig machen wollen, sollten sich von der Krise nicht kleinkriegen lassen und die Umsetzung auf jeden Fall in Angriff nehmen.

Schon Mitte 20, aber noch immer nicht wirklich im Erwachsenenleben angekommen? No need to panic! «Grow Up» beantwortet dir alles, was du spätestens mit 30 wissen musst. Seien es Fragen zur Karriere, zum Umgang mit Geld oder zu den Behörden: Hotel Mama war gestern. Sende deine Frage an grow.up@20minuten.ch

Deine Meinung

23 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Helfershelfer

27.12.2020, 13:52

Angebracht der aktuellen Coronakrise empfehle ich Lehrgänge in Psychologie um Seelisch angeschlagenen Menschen helfen zu können. Ich selber bin Arbeitslos und kann meinem Beruf aufgrund Stellenmangel nicht finden....Ich hoffe das RAV kann mir evt. entgegenkommen, wünscht mir Glück ich möchte helfen :)

Alf57

27.12.2020, 11:44

Einfach unverantwortlich hier eine Selbständigkeit unter den gegebenen Umständen zu propagieren. Und das System so wie es bis heuet existierte wir d es in Zukunft nicht mehr geben, warum wohl? Weil der Mensch mit seinem Verhalten die Welt an den Abgrund getrieben hat. Das was neu kommt muss zuerst erschaffen werden, nicht das Alte neu belebt werden.

wurks

27.12.2020, 05:54

Das war noch einige Zeit vor der Coronakrise. Es ging der Wirtschaft ein klein wenig besser, nach 15 Jahren Durststrecke. Da ging ich an ein Treffen von ehemaligen Arbeitslosen. Es war richtig gruselig. Lauter "Selbstständige". Ich möchte nicht wissen, was diese "Selbstständigen" heute in der Coronakrise machen....