Aktualisiert 21.03.2013 20:35

Syrien

Selbstmord-Anschlag in Moschee

Ein Selbstmordattentäter hat sich in einer Moschee in der syrischen Hauptstadt Damaskus in die Luft gesprengt und zahlreiche Menschen mit in den Tod gerissen.

Bei einem Selbstmordanschlag in einer Moschee im Zentrum von Damaskus ist am Donnerstag ein bekannter sunnitischer Geistlicher, Scheich Mohammed Said Ramadan al Buti, getötet worden, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Al Buti war ein Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Al-Buti ist durch regelmässig vom Staatsfernsehen übertragene Freitagsgebete in Syrien bekannt. Laut Staatsfernsehen zündete der Attentäter seine Bombe in der Al-Iman-Moschee im nördlichen Stadtteil Masraa.

In dem Bericht war von einem «terroristischen» Anschlag die Rede; als «Terroristen» bezeichnet die Führung in Damaskus für gewöhnlich die bewaffneten Aufständischen gegen die Regierung Assad.

Nach Angaben des Staatsfernsehens starben bei dem Anschlag mindestens 42 Menschen. Die Moschee war zur Tatzeit wegen des Abendgebets voller Menschen.

Den sunnitischen Regierungsgegnern war der regierungstreue al-Buti verhasst, im Juli 2011 jagten sie ihn aus einer anderen Moschee in Damaskus. Sie kreideten ihm an, dass er in einer Predigt sagte, die meisten Menschen, die zum Freitagsgebet kämen und anschliessend demonstrierten, wüssten nicht, was Beten heisst.

Assad räumt grosse Verluste ein

Präsident Assad gab derweil bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte erstmals zu, dass der Bürgerkrieg das ganze Land erfasst hat. Während eines Treffens mit Angehörigen getöteter Schulkinder in Damaskus sagte er: «Ganz Syrien ist heute verletzt.»

Assad hatte am Mittwoch zu den Hinterbliebenen der Schulkinder gesprochen. Die Videoaufnahme davon wurde erst am Donnerstag von der staatlichen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht.

«Es gibt im ganzen Land niemanden, der nicht einen Verwandten verloren hat, einen Bruder, den Vater oder die Mutter», sagte Assad. «Aber nichts ist so schlimm wie der Verlust eines Sohnes. Dennoch darf das, was uns widerfährt, uns nicht schwächen.»

Die syrischen Rebellen konnten nach eigenen Angaben einen weiteren Militärstützpunkt einnehmen. Das von Regimegegnern gegründete Nachrichtennetzwerk Scham meldete, die Freie Syrische Armee habe den Standort einer Artilleriebrigade westlich der Stadt Nawa erobert. Die Kämpfer hätten Waffen erbeutet und mehrere Soldaten gefangen genommen.

Am Mittwoch sollen in Syrien etwa 200 Menschen getötet worden sein. Am Donnerstag zählten die Rebellen zunächst 64 Tote.

UNO untersucht Giftgas-Vorwürfe

Assad setzte bei der UNO die Untersuchung von Vorwürfen durch, dass auch Giftgas bei den Kämpfen eingesetzt werde. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon teilte am Donnerstag in New York mit, er sei verpflichtet, der syrischen Anfrage nachzugehen. Er habe die Vorbereitung der Ermittlungen mit der Organisation gegen den Einsatz chemischer Waffen und der Weltgesundheitsorganisation angestossen.

Regierung und Rebellen hatten sich gegenseitig vorgeworfen, Granaten mit chemischen Kampfstoffen eingesetzt zu haben. Die USA hatten den Einsatz von Giftgas als «rote Linie» bezeichnet. Auch Frankreich und Grossbritannien waren für eine UNO-Untersuchung der Vorwürfe, Russland war dagegen.

Rebellen erobern Dorf an israelischer Grenze

Syrische Rebellen haben ein Dorf am Rande der Golanhöhen an der Grenze zu Israel eingenommen. Die Kämpfe in der Ortschaft Arnabe seien intensiver geworden, teilte das in London ansässige syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte am Donnerstag mit. Bei den seit Mittwoch anhaltenden Gefechten wurden demnach mindestens sieben Menschen getötet. Zahlreiche Bewohner der Gegend um die Stadt Kneitera flohen den Angaben zufolge vor der Gewalt.

Wenn die Rebellen die Grenzregion zu Israel komplett unter ihre Kontrolle bringen, könnte das islamistischen Kämpfern als Zugangstor dienen und die Gefahr einer Ausweitung des Bürgerkriegs über die Landesgrenzen hinaus verstärken. Israel hat angekündigt, sich nicht in den Konflikt einmischen zu wollen. Sporadische Granatbeschüsse aus Syrien hat das Militär mehrfach erwidert. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.