Aktualisiert

TVSelbstmord wegen Reality-Show

Nach dem Suizid eines Teilnehmers einer französischen Fremdgeh-Show hat der Fernsehsender M6 die Ausstrahlung der Sendung kurzfristig auf Eis gelegt.

von
obi

«Betrüg mich, wenn du kannst» («Trompe-moi si tu peux») sollte eigentlich am 8. Juli das erste Mal gezeigt werden. Aus Respekt gegenüber der Familie des Gestorbenen werde die Sendung nun aber nicht ausgestrahlt, teilte der Sender mit. Der 32-Jährige Schwule Jean-Pierre hatte gemeinsam mit seinem 25-jährigen Lebenspartner Hakim an der Fernsehshow teilgenommen, in der die Kandidaten animiert wurden, ihre Partner zu betrügen.

Dem französischen Onlinemagazin «Entrevue» zufolge sprach er kurz vor seinem Tod eine Nachricht auf seine eigene Mailbox. Darin gab seinem Freund die Schuld an seinem Selbstmord. Die Polizei ermittelt, wollte aber zunächst keine genauen Angaben machen.

Der Fernsehsender M6 dementierte inzwischen einen Zusammenhang zwischen Sendung und Suizid - eine dreiste Behauptung, die sich kaum halten lässt. Dieser jüngste Selbstmord reiht sich als weiterer Fall in einer langen Liste von Todesfällen ein, die in Kontext von Reality-Shows stehen. Die Opfer sind ebenso unterschiedlich wie unerwartet: Eine stellvertretende Bezirksstaatsanwältin, ein alleinstehender Vater, ein junger Boxer – sogar die Schwester einer Teilnehmerin.

Viele dieser Opfer hatten bereits vorher psychologische Probleme – vermutlich wird dem jüngsten Opfer Hakim auch solche attestiert. Diese Defizite sind mitunter auch ein Grund dafür, dass die Angesprochenen via Reality-Show dem Ruhm nachjagten. Psychologen haben mittlerweile festgestellt, dass viele Teilnehmer von Shows wie «Big Brother» oder «Survivor» unter schweren, lang andauernden Traumata leiden.

Lesen Sie hier zu diesem Thema: «Gewinnen, verlieren, oder sterben – alles live am TV» Teil 1 und Teil 2.

«Trompe-moi si tu peux» - Trailer

Deine Meinung