Länderspiele: Seleção beendet die deutsche Serie
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LänderspieleSeleção beendet die deutsche Serie

Brasilien bezwingt Deutschland in Berlin und kann so die Schmerzen von der WM-Schlappe von 2014 etwas lindern. Auch Serbien gewinnnt.

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fal
Mit harten Bandagen: Deutschlands Antonio Rüdiger (l.) hält sich Troschütze Gabriel Jesus vom Leibe. (27. März 2018)

Mit harten Bandagen: Deutschlands Antonio Rüdiger (l.) hält sich Troschütze Gabriel Jesus vom Leibe. (27. März 2018)

AFP/Patrik Stollarz

Brasilien fügte Deutschland die erste Niederlage seit 22 Spielen und dem verlorenen EM-Halbfinal 2016 gegen Frankreich zu. Der erste WM-Gegner der Schweiz gewann den Test in der deutschen Hauptstadt 1:0.

Im Gedächtnis der brasilianischen Öffentlichkeit und des Nationalteams nimmt der 8. Juli 2014 noch immer einen wichtigen Platz ein. Es ist der Tag des «Fluchs von Belo Horizonte», jenem 1:7-Debakel im WM-Halbfinal. «Die Wunde ist noch immer offen. Dieses Länderspiel in Berlin ist auch Teil des Prozesses der Vernarbung», sagte deshalb Nationaltrainer Tite, für den das Kräftemessen mit dem Weltmeister eine «emotional grosse Herausforderung» war.

Jesus blüht auf

Für den 56-jährigen Coach war die kapitale Niederlage und das Ende der Ära Dunga im Sommer 2016 gewissermassen der Startschuss seiner erfolgreichen Karriere. Tite übernahm die Seleção für das Olympia-Turnier in Rio de Janeiro – und holte Gold und das endgültige Vertrauen der Verbandsoberen.

In Deutschland bewies Tite, dass Brasilien für die Mission «Sechster WM-Titel» gerüstet scheint. Gabriel Jesus, eines der prägenden Gesichter des vom Coach eingeleiteten Verjüngungsprozesses, half ihm dabei entscheidend. Der in einer Woche erst 21 Jahre alt werdende Stürmer von Manchester City erzielte im Prestige-Vergleich mit Deutschland das einzige Tor. Den scharfen Kopfball aus kurzer Distanz konnte Deutschlands Goalie Kevin Trapp nicht vor der Linie abwehren. Unter Tite gelangen Gabriel Jesus in 15 Spielen – in den ersten drei war er nicht aufgeboten – neun Tore.

Dass Brasilien nicht nur offensiv, sondern auch defensiv einiges zu bieten hat, unterstrich eine Szene im Berliner Olympiastadion. Roms Goalie Alisson musste gegen die deutsche Mannschaft, die in dieser Formation an der WM vermutlich nie spielen wird, erst weit in der Nachspielzeit seine einzige Parade abrufen. Das hatte aber auch damit zu tun, dass Tite mit Ausnahme von Douglas Costa (an seiner Stelle spielte Fernandinho im Mittelfeld) auf die gleichen elf Spieler in der Startformation wie beim 3:0 in Russland am letzten Freitag – und damit auf Kontinuität – setzte. Zudem wechselte Tite während der Partie nur einmal aus.

Serbien siegt, Costa Rica verliert

Für Serbien resultierte nach dem jüngsten Fehltritt gegen Marokko diesmal ein Sieg. Als Matchwinner beim 2:0 gegen Nigeria im Londoner Kleinstadion Hive präsentierte sich einer, der in der englischen Hauptstadt spielt: Mittelstürmer Aleksandar Mitrovic, in neun Spielen für den Championship-Dritten Fulham seit dem leihweisen Wechsel von Newcastle United bereits siebenfacher Torschütze, erzielte innert 13 Minuten (68./81.) beide Treffer für die Serben.

Costa Rica konnte im Auftritt in Nizza den 1:0-Auswärtssieg gegen Schottland nicht bestätigen. Die Ticos, die am 27. Juni in Nischni Nowgorod letzter Schweizer Vorrunden-Gegner sein werden, bekamen die Formstärke Tunesiens zu spüren. Sie unterlagen dem seit sieben Spielen ungeschlagenen WM-Teilnehmer aus Nordafrika, der sein abschliessendes Gruppenspiel gegen Panama «simulieren» wollte, durch ein Gegentor von Wahbi Khazri (36.) 0:1.

Spanien demontiert Argentinien

Spanien hat im Test gegen Argentinien ein starkes Zeichen gesetzt und dem zweifachen Weltmeister eine schmerzhafte Niederlage zugeführt. Die Südamerikaner gingen in Madrid mit 1:6 unter.

Nach 80 Minuten hatte der leicht verletzte und deshalb nicht eingesetzte Lionel Messi genug gesehen. Der Star der Argentinier verliess die Tribüne des Wanda Metropolitano, wo normalerweise Atletico Madrid seine Heimspiele bestreitet. Barcelonas Messi musste mitansehen, wie einer von Real Madrid zur grossen Figur der Partie wurde. Der bald 26-jährige Isco schoss drei Treffer, zwei davon nach der Pause.

Erst in der zweiten Halbzeit nahm das argentinische Debakel seinen Anfang. Zur Pause lagen die Gäste erst 1:2 zurück. Am Ende fehlte nur ein Gegentreffer zur höchsten Niederlage überhaupt einer argentinischen Nationalmannschaft. Eine Niederlage mit fünf Toren Unterschied gab es für die Südamerikaner erst zum fünften Mal. Letztmals verlor Argentinien 2009 in Bolivien mit 1:6.

Penaltytor nach Videokonsultation im Wembley

In einem weiteren Prestigeduell trennten sich England und Italien im Wembley 1:1. Nach Deutschland, Brasilien und der Niederlande schien auch Italien keinen Treffer gegen den Weltmeister von 1966 zustande zu bringen. Erst ein nach Videokonsultation in der 87. Minute zugesprochener Penalty beendete die schöne englische Serie nach über zehn Stunden ohne Gegentor. Lorenzo Insigne verwertete den Elfmeter, nachdem Jamie Vardy die Engländer nach 26 Minuten in Führung gebracht hatte.

Bei der WM trifft England unter anderem auf Belgien, das einen beeindruckenden Goalgetter auf die englische Abwehrmauer loslassen wird. Romelu Lukaku erzielte die ersten zwei Tore zum 4:0 gegen Saudiarabien. Der Stürmer von Manchester United und Rekordtorschütze Belgiens hat in den letzten 9 Länderspielen 13 Mal getroffen.

WM-Gastgeber in der Krise

79 Tage vor dem Eröffnungsspiel gegen Saudiarabien spricht wenig für eine erfolgreiche WM von Gastgeber Russland. Im Test gegen Frankreich kassierten die Sbornaja in St. Petersburg eine 1:3-Niederlage.

Obwohl die russische Nationalmannschaft seit dem Confederations Cup nur noch daheim antritt, gewann sie in den letzten gut neun Monaten nur zwei ihrer zehn Matches, gegen Neuseeland und Südkorea. Gegen Frankreich stand die von Stanislaw Tschertschessow trainierte Mannschaft genauso auf verlorenem Posten wie am letzten Freitag beim 0:3 gegen Brasilien. Für die Franzosen trafen der 19- jährige Kylian Mbappé zweimal und Paul Pogba mit einem schönen Freistoss.

Ägypten ohne Star Salah

Frankreich trat vier Tage nach dem 2:3 gegen Kolumbien mit einem auf diversen Positionen veränderten und aussergewöhnlich jungen Team an: Nur zwei Spieler in der Startformation waren älter als 26 Jahre. Überzeugend war der Auftritt des EM-Finalisten nicht, aber gut genug, um gegen die schwachen Russen souverän zu gewinnen.

Neben Saudiarabien wird sich Russland in der WM-Gruppe A auch mit Ägypten messen. Die Nordafrikaner bestritten ihre zweite Partie im Zürcher Letzigrund und mussten sich ein zweites Mal geschlagen geben. Nach Portugal war am Dienstagabend Griechenland, der vorletzte Testspiel-Gegner der Schweizer, zu stark. Die Griechen erzielten den Treffer zum 1:0-Sieg nach einer halben Stunde durch Belgien-Legionär Nikos Karelis. Ägypten spielte ohne seinen Star Mohamed Salah.

Challandes optimal gestartet

Einen idealen Einstand erlebte Bernard Challandes als Nationalcoach von Kosovo. Der 66-jährige frühere FCZ-Meistertrainer führte sein neues Team in der Nähe von Paris zu zwei Siegen. Nach Madagaskar setzten sich die Kosovaren mit den Super-League-Spielern Benjamin Kololli, Gjelbrim Taipi und Hekuran Kryeziu in der Startformation auch gegen Burkina Faso (2:0) durch. Für Kosovo war es im 14. offiziellen Länderspiel erst der 4. Sieg.

Länderspiele, Dienstag: Aserbeidschan - Mazedonien 1:1 (1:1) Belek (TUR). - Tore: 6. Almeida (Penalty) 0:1. 22. Trajkovski 1:1. - Bemerkung: Mazedonien ohne Gjorgjev (Aarau).

Georgien - Estland 2:0 (2:0) Tiflis. - Tore: 6. Tabidse 1:0. 35. Kasaischwili 2:0. - Bemerkung: Georgien ohne Gvilia (Luzern).

Russland - Frankreich 1:3 (0:1) St. Petersburg. - 51'165 Zuschaur. - Tore: 40. Mbappé 0:1. 49. Pogba 0:2. 68. Smolow 1:2. 83. Mbappé 1:3. Frankreich: Lloris; Pavard, Koscielny, Umtiti (80. Kimpembe), Hernandez; Pogba, Kanté (66. Tolisso), Rabiot (81. Matuidi); Dembélé (72. Giroud), Mbappé (87. Lemar), Martial (58. Griezmann).

Kosovo - Burkina Faso 2:0 (0:0) Franconville (FRA). - Tore: 73. Muriqi 1:0. 90. Paqarada 2:0. - Bemerkung: Kosovo mit Kololli (Lausanne-Sport), Kryeziu (Luzern), Taipi (GC), Voca (Luzern) und Pnishi (GC).

Montenegro - Türkei 2:2 (1:2) Podgorica. - Tore: 11. Cengiz Ünder 0:1. 23. Yokuslu 0:2. 45. Ivanic 1:2. 87. Mugosa 2:2. - Bemerkung: Montenegro ohne Zverotic (Sion/familiäre Gründe).

Dänemark - Chile 0:0 Aalborg. - 11'527 Zuschauer.

Senegal - Bosnien-Herzegowina 0:0 Le Havre (FRA). - Bemerkung: Bosnien-Herzegowina mit Kodro (Grasshoppers/bis 63.).

Ägypten - Griechenland 0:1 (0:1) Letzigrund, Zürich. - Tor: 30. Karelis 0:1.

Slowenien - Weissrussland 0:2 (0:1) Ljubljana. - Tore: 36. Skawysch 0:1. 90. Saroka 0:2. - Bemerkung: Slowenien mit Crnigoj (Lugano/ab 69.).

Rumänien - Schweden 1:0 (0:0) Craiova. - Tor: 57. Rotariu 1:0. - Bemerkung: Schweden mit Fransson (Lausanne-Sport/bis 87.).

Luxemburg - Österreich 0:4 (0:2) Luxemburg. - Tore: 4. Arnautovic 0:1. 39. Grillitsch 0:2. 59. Gregoritsch 0:3. 84. Schaub 0:4. - Bemerkung: Österreich ohne Lindner (Grasshoppers/Ersatz).

Belgien - Saudiarabien 4:0 (2.0) Brüssel. - Tore: 13. Lukaku 1:0. 39. Lukaku 2:0. 77. Batshuayi 3:0. 78. De Bruyne 4:0.

Polen - Südkorea 3:2 (2:0) Tore: 32. Lewandowski 1:0. 45. Grosicki 2:0. 85. Lee 2:1. 87. Hwang 2:2. 90. Zielinski 3:2.

England - Italien 1:1 (1:0) Wembley, London. - 82'598 Zuschauer. - Tore: 26. Vardy 1:0. 87. Insigne (Penalty) 1:1. England: Butland; Walker, Stones (73. Henderson), Tarkowski; Trippier (60. Rose), Oxlade-Chamberlain (60. Lallana), Dier, Young; Lingard (71. Cook), Sterling; Vardy (70. Rashford). Italien:Donnarumma; Zappacosta, Bonucci, Rugani, De Sciglio; Pellegrini (79. Gagiardini), Jorginho, Parolo; Candreva (56. Chiesa), Immobile (64. Belotti), Insigne.

Spanien - Argentinien 6:1 (2:1) Wanda Metropolitano, Madrid. - Tore: 12. Diego Costa 1:0. 22. Isco 2:0. 39. Otamendi 2:1. 52. Isco 3:1. 55. Thiago 4:1. 74. Aspas 5:1. 75. Isco 6:1. Spanien:De Gea; Carvajal, Piqué (72. Azpilicueta), Ramos, Alba; Thiago, Koke, Iniesta (56. Niguez); Isco (76. Vazquez), Diego Costa (46. Aspas), Asensio. Argentinien: Romero (22. Caballero); Bustos (62. Mercato), Otamendi, Rojo, Tagliafico; Mascherano (56. Pavon), Biglia; Meza, Banega (62. Perez), Lo Celso; Higuain (59. Martinez). (fal/sda)

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