Rüebli aus dem Automaten: Selecta will zu gesundem Essen erziehen
Aktualisiert

Rüebli aus dem AutomatenSelecta will zu gesundem Essen erziehen

Seit einem Jahr betreibt Snack-Anbieter Selecta an einem Dutzend Schulen Automaten mit gesunden Produkten. Zeigen die den gewünschten Erfolg, gibt es sie bald überall.

von
Gérard Moinat
Selecta-Automaten mit Süsswaren: Bald ein Bild, das der Vergangenheit angehört?

Selecta-Automaten mit Süsswaren: Bald ein Bild, das der Vergangenheit angehört?

Vollkornbrot-Sandwichs mit Magerquark statt Mayonnaise, Rüebli-Stäbchen und Cherry-Tomätli statt Twix und M&Ms. Mit einem «überdachten Angebot» präsentieren sich Selecta-Automaten seit gut einem Jahr an einem Dutzend Schweizer Schulen.

Schüler der Kantonalen Mittelschule in Altdorf (UR), der Berufsfachschule für Gesundheit Münchenstein (BL) oder der Sekundarschule Alterswilen (TG) können sich so am Automaten auf dem Schulgelände mit gesunden Produkten namens «fresh + fit» eindecken. Anstoss für das Projekt gab das Bundesamt für Gesundheit. Die Snacks wurden anschliessend zusammen mit Ernährungsexperten der Berner Fachhochschule entwickelt.

«Mit unserem ausgewogenen «fresh + fit»-Angebot wollen wir einen handfesten Beitrag leisten, um die Verfügbarkeit von ernährungsphysiologisch vertretbarer Pausenverpflegungen an Schulen zu gewährleisten», erklärt Ophélie Peillon, Leiterin des Projekts bei Selecta. Soll heissen: Die Schüler sollen statt Junkfood gesunde, altersgerechte Znüni und Zvieri essen können.

«Empfehlenswerte» Produkte schon um 12 Prozent erhöht

Am Anfang der Testphase habe der Anteil der «empfehlenswerten» Produkten bei 44 Prozent gelegen – «und das war schon viel höher als in einem «normalen» Sortiment eines Automaten», betont Peillon. Mittlerweile sei man bei einem Anteil von 56 Prozent, «den wir weiterhin sukzessive weiter erhöhen wollen.»

Zu den Umsatzzahlen gibt Selecta keine Auskunft. Vielleicht weil Schüler das Grünzeug links liegen lassen und so oder so nur an Süssigkeiten interessiert sind. Doch Peillon lässt das nicht gelten: «Wir hatten in diesem Projektjahr sehr viele positive Rückmeldungen von Schulleitungen, aber auch von den Schülern selber.»

Doch egal wie gefragt die gesunden Produkte auch sind – Schwierigkeiten bereitet Selecta noch, ein rentables Business Modell zu entwickeln. Peillon: «Es ist nicht so einfach, mit vielen Frischprodukten, die täglich aufgefüllt werden sollten, rentabel zu sein.» Vielleicht will Selecta gerade deshalb den Prozentsatz der Frischprodukte erhöhen, um so über höhere Mengen eine akzeptable Marge zu erzielen.

Trinken muss das Pferd selber

Die Projektverantwortliche zeigt sich jedenfalls zuversichtlich: «Verläuft das Pilotprojekt entsprechend unseren Erwartungen, werden wir die Möglichkeit studieren, künftig vielleicht auch Spitäler und Firmen mit solchen Automaten auszurüsten.» Das Pilotprojekt läuft noch mindestens bis Ende 2011.

«Die Anpassung des Angebots ist ein Schritt in die richtige Richtung», sagt Heinrich von Grünigen von der Schweizerischen Adipositas-Stiftung, die sich für die Anliegen Übergewichtiger einsetzt. Zwar sei getreu dem englischen Sprichwort «You can lead the horse to water, but you can't make it drink» der Konsum gesünderer Lebensmittel durch das blosse Anbieten nicht garantiert.

«Aber zumindest haben wir keine Zustände wie in den USA, wo Coca-Cola auch schon mal einen Teil des Schulumsatzes an die Reisekasse beisteuerte», so von Grünigen. Es soll aber gemäss von Grünigen auch schon Schüler in den Pilotprojekten gegeben haben, die sich beklagten, dass es in den Automaten zu wenig Süssigkeiten gab.

Selecta

Selecta deckt laut eigenen Angaben in der Schweiz 50 Prozent des Verpflegungsautomatengeschäfts ab und ist damit Marktführerin. Ihre Geräte, 22 000 waren es 2008, stehen in Firmen wie an Bahnhöfen. Die Firma wurde 1957 in der Schweiz gegründet und ist inzwischen mit über 150 000 Verkaufspunkten in 24 Ländern aktiv. Sie gehörte lange Jahre zum Valora-Konzern und ist heute Teil des Allianz-Versicherungskonzerns.

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