Aktualisiert 25.07.2014 05:49

WLAN

Selfies aus 2850 Metern Höhe sind SAC zu teuer

SAC-Hütten sind oft mit einem Internetzugang ausgestattet - den Gästen steht dieser jedoch meist nicht zur Verfügung. Eine ungenutzte Marktlücke im Alpenraum?

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miw/ds/gwa/jeh
Viele Hüttenwarte stellen ihren Gästen das Internet nicht zur Verfügung. Und übersehen so vielleicht eine Werbeplattform.

Viele Hüttenwarte stellen ihren Gästen das Internet nicht zur Verfügung. Und übersehen so vielleicht eine Werbeplattform.

Die Technik erobert die Alpenwelt: iPads statt unhandlicher Wanderkarten und ein Berggipfel-Selfie via WhatsApp statt einer Postkarte mit Berggipfeln in der Abendröte sind im Trend. Laut Angaben des Schweizer Alpen Clubs (SAC) haben bereits zwei Drittel seiner Hütten einen Telefon- oder Internetzugang. Zahlreiche Hütten sind mit Internet ausgerüstet. Dieses steht allerdings den Wandergästen nicht zur Verfügung. Übersehen die alpinen Gastgeber eine Marktlücke in der Alpenwelt? Laut einer Studie des Reise-App des Anbieters Ulmon ist nämlich Zugang zum Internet für die meisten Touristen wichtiger als eine schöne Aussicht.

Geteilte Meinungen

«Die langsame Internetverbindung über Satellit auf den Bergen ist nicht, was ein Städter gewohnt ist und sich wünscht», sagt Barbara Graber vom Vorstand des SAC der Region Bern. «Wir wollen in unseren Hütten auch keine unnötige Nachfrage pushen.» Zudem liess der SAC verlauten, ein allen offenes WLAN sei mit hohen Kosten und Energieverbrauch verbunden.

Dies sieht Pascal Bieri von Schweiz Tourismus anders. «Aus touristischer Sicht wäre es von Vorteil, wenn die Gäste ihre Wandertour und die Panoramabilder gleich ins Netz stellen könnten.» Denn die Generation Berggänger mit Knickerbockern und übergrossen Wanderkarten sei «vom Aussterben bedroht», nun müsse auch die jüngere Generation angesprochen werden. «Wenn das Angebot nicht mit zu hohen Kosten verbunden ist, würde ich es den Gästen zur Verfügung stellen», empfiehlt Bieri.

Durch das Hochladen von Panoramabildern und Versenden von Gipfel-Selfies könnten nämlich auch Wandermuffel von der Bergwelt begeistert werden. Der Tourismusexperte begreift aber auch die Einstellung der Hüttenwarte - die hohen Kosten der Datenübertragung müssten auf die Übernachtungstarife abgewälzt werden.

Ipads «uf am Bänkli vor dr Hütte uss»

In der Hundsteinhütte im Kanton Appenzell-Innerrhoden ist das drahtlose Internet nur für die Hüttenwartin gedacht. «Ich benötige das WLAN, um Reservationen entgegennehmen zu können», sagt Anita Lieberherr-Bösch. Es gebe zwar ab und zu Anfragen von Gästen, ob ein drahtloses Netz zur Verfügung stehe, doch für Lieberherr-Bösch ist dies überflüssig. «In Zukunft werde ich auf der Hundsteinhütte kein WLAN für Gäste installieren.»

Ähnlich ist die Situation im Brisenhaus in den nördlichen Urner Alpen: «Wir verfügen über einen WLAN-Anschluss und sind ab und zu auch froh darum», sagt Teilzeit Hüttenwartin Barbara Zumstein. Ein Gast, der unbedingt Internetzugang brauche - zum Beispiel um die Wetterprognosen zu checken -, könne das WLAN-Netz gratis benutzen. Aktiv beworben werde dieses Angebot aber nicht. «Wer das Internet nur braucht, um ein Gipfelfoto auf Facebook zu stellen, kriegt das Passwort nicht», sagt Zumstein. «Hier auf dem Berg sollten die Leute ihre Geräte auch mal abschalten können.»

Etwas moderner ist man auf der Konkordiahütte in der Jungfrau-Aletschregion eingestellt: Das Team der 2850 Meter über Meer gelegenen SAC-Hütte bietet ihren Besuchern iPads mit WLAN an. «So können unsere Gäste ihre nächste Etappe vor Ort selbstständig planen. Dies schätzen sie sehr», berichtet die Hüttenwartin Sarah Benz. Aber auch sie relativiert: «Wir stellen den Gästen nur eine begrenzte Anzahl Apps auf unseren Tablets zur Verfügung, sonst wäre unsere bescheidene Datenübertragung lahmgelegt.» Für die Bedienung des Online-Reservierungssystems des SAC ist sie jedoch auf eine reibungslose Datenübermittlung angewiesen.

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